Investment bei insolventem Dienstleister

400.000 Euro in Sand gesetzt: Finanz-Desaster erschüttert Hopfenring

Der Hopfenring blickt auf ein Finanz-Desaster: Grund ist die Investition der Rücklagen von rund 400.000 Euro in einen Finanzdienstleister, der 2017 pleite ging. Verantwortlich machten die Ring-Mitglieder hierfür nun Ex-Vorsitzenden Johann Kreitmeier und den pensionierten Geschäftsführer Ludwig Hörmansperger, die bei der jüngsten Versammlung nicht entlastet wurden.

Aiglsbach – Das komplette Ausmaß des Finanz-Fiaskos bekamen die Mitglieder bei der Jahresversammlung des Hopfenrings (HR; ein Kurzportrait des Vereins lesen Sie am Ende des Textes) im Gasthaus Hillerbrand in Aiglsbach aufgetischt. Und dort herrschte volles Haus: Von bundesweit 1511 Mitgliedern waren 236 Stimmberechtigte gekommen, darunter vor allem Hopfenbauern, die wissen wollten, was Sache ist. Dass was im Argen liegt, war vielen bereits vorab bekannt, da sie einen Brief über die missliche Lage zugesandt bekommen hatten. 

Wörtlich hieß es darin: „Im Dezember ging in der Geschäftsstelle des Hopfenrings ein Schreiben ein, das die Insolvenz der CAC Finanz AG ankündigt. Von dieser ist auch der Hopfenring als Gläubiger direkt betroffen. Im Moment läuft das Insolvenzverfahren, das festlegen wird, welchen Anteil des vom Hopfenring dort angelegten Geldes man zurückerlangen wird.“ Konkret geht es um einen Betrag von 401.219 Euro, die der HR nun als Fehlbetrag im Jahresergebnis ausweisen muss.

Viel zu hohe Summen bewegt

Dass ein Verein mit ehrenamtlich agierender Führung und Kassenprüfern derartigen Summen gar nicht bewegen hätte dürfen, weiß auch Vorsitzender Johann Kreitmeier. 25 Jahre war der Thonhauser an der Spitze, der sein Amt niederlegte, um den Weg frei zu machen – damit die Vorgänge vollständig aufgearbeitet werden können.

Doch was war genau geschehen? Aufgrund der Finanzkrise 2008 setzte die HR-Führung auf neue Wege zur Anlage ihrer Rücklagen. Zuerst im Devisengeschäft, ab März 2012 mit 250 000 Euro bei der CAC Finanz AG mit Sitz in Egweil im Landkreis Eichstätt. Im Jahr 2013 gab es einen „Nachschuss“ von 100 000 Euro, auch der Zins wurde in Neueinlagen investiert. Das Produkt: Rückgedeckte Inhaberschuldverschreibungen, für die je nach Laufzeit und Kündigungsrecht Zinserträge um fünf Prozent zugesichert wurden. Eigentlich recht positiv.

Das private Investment ging glücklicher aus

Direkt in der Versammlung darauf angesprochen gab auch Ludwig Hörmansperger zu, dem Vermögensberater vertraut zu haben. Sogar privat, betonte der pensionierte Geschäftsführer. Er räumte ein, auch eigenes Geld bei der Finanzfirma investiert zu haben – allerdings mit besserem Ausgang: Er habe sich seine Einlagen ausbezahlen lassen, da diese für einen Hausbau benötigt worden seien.

Der Hopfenring hatte da weniger Glück. Ob doch noch Geld übrig bleibt, wird das Insolvenzverfahren zeigen. Mit einigen wenigen Wortmeldungen machten Mitglieder bei der Versammlung ihrem Unmut Luft. Scharf kritisiert wurde vor allem, mit derart großen Summen in vermeintliche Risikogeschäfte eingestiegen zu sein. Tenor: „Mit fremdem Geld macht man sowas nicht.“

Für Kreitmeier und Hörmansperger gab es deshalb keine Entlastung. Anders erging es dem neuen Geschäftsführer Lukas Raith, der seit 2017 im Amt ist, sowie Stefan Gandorfer als neuem Vorsitzenden. Der Landwirt aus Kollersdorf bei Nandlstadt scheint prädestiniert für die herausfordernde Aufgabe, schließlich ist Gandorfer auch seit 2011 Aufsichtsrat bei der soliden Raiffeisenbank Hallertau.

Ursprung, Aufgaben, Personal: Das steckt hinter dem Hopfenring

Der Hopfenring entstand im Jahr 1982 als Verein. Vor allem der Pflanzerverein hatte großes Interesse an der Installation dieses Dienstleisters rund um das „Grüne Gold“. Gründungsväter waren die damaligen Hopfenverbands-Schwergewichte Georg Seebacher, Josef Schrag und Dr. Alfred Kastner. Damals und heute lautet der Zweck des Rings laut Satzung: Förderung einer marktgerechten Erzeugung und Verbesserung des Hopfenanbaus sowie der Qualität des Hopfens in seinen Mitgliedsbetrieben. 

Was mit dem Erzeugen von Virus-freiem Pflanzengut 1982 begann, dehnte sich in den Folgejahren zu einer Vielzahl an Aufgabenfeldern aus: Bodenuntersuchung für bedarfsgerechte Düngung, neutral kontrollierter Vertragsanbau, Projektarbeiten für die Hopfenbau-Arbeitsgruppe der Landesanstalt für Landwirtschaft, Rückstandsmonitoring beim Pflanzenschutz, Sachkundefortbildungen und Einführung eines Qualitätsmanagements. Die wohl wichtigste Aufgabe ist die Durchführung der Hopfenzertifizierung – eine Funktion, die zuvor den Siegelgemeinden vorbehalten war. Außerdem hat der HR die neutrale Qualitätsfeststellung übernommen. Dazu ziehen Ring-Mitarbeiter in den Betrieben Muster der geernteten und verpackten Hopfen, die dann auf Alphasäure und Wassergehalt untersucht werden. 

Seit seiner Gründung 1982 war Ludwig Hörmansperger Ring-Geschäftsführer, im Dezember 2017 wechselte er in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist Lukas Raith aus Osseltshausen bei Au. Das Amt des Vorsitzenden war seit 1993 in den Händen von Johann Kreitmeier aus Thonhausen/Attenhofen. Der Hopfenring hatte Ende 2017 insgesamt zwölf Angestellte und drei Stundenkräfte sowie rund 40 saisonale Mitarbeiter auf seiner Gehaltsliste stehen.

Martin Hellerbrand

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