Karl Ecker, ehemaliger Bürgermeister von Au, auf dem Fahrrad vor dem Rathaus.
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Viel unterwegs: „In den letzten Monaten habe ich rund 1500 Kilometer mit dem Rad geschafft“, sagt Karl Ecker, Aus ehemaliger Bürgermeister.

Nachgefragt bei Karl Ecker

„Bürokratie hat mir das Aufhören erleichtert“: Ehemaliger Auer Bürgermeister über das Leben nach der Amtszeit

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Nach 24 Jahren hatte Karl Ecker das Bürgermeisteramt im Markt Au niedergelegt. Ein halbes Jahr später fragte das FT nach, wie es ihm im Ruhestand geht.

Au/Hallertau – Wir schreiben das Jahr 1996: Ein Mann namens Karl Ecker wird in der Marktgemeinde Au zum Bürgermeister gewählt. 32 Jahre jung ist der Rathauschef da. 24 Jahre später zieht er sich zurück, kandidiert nicht mehr. Und jetzt? Das FT hat bei Karl Ecker nachgefragt, wie es ihm nach einem halben Jahr Ruhestand geht.

Herr Ecker, fehlt Ihnen Ihr Rathausbüro? Fehlt Ihnen die Verwaltungstätigkeit?

Der Ausstieg aus diesem Amt war zunächst nicht leicht. 24 Jahre Bürgermeisteramt haben mein Leben und somit meinen Tagesablauf sehr geprägt. Es gab kaum einen Tag in dieser Zeit – außer Krankheit und Urlaub –, an dem ich nicht im Rathaus war. Es dauerte schon einige Zeit, bis ich mein Leben wieder in neue Strukturen bringen konnte. In einer Gemeinde unserer Größe ist der Bürgermeister auch mit vielen Verwaltungstätigkeiten beschäftigt. Mein Steckenpferd war die Finanzverwaltung, die ich in vielen Teilen sehr gerne erledigt habe. Die Verwaltungstätigkeit fehlt mir aber nicht, eher schon die Bürgermeistertätigkeit und der rege Austausch mit den Menschen. Dennoch: Die zunehmenden Aufgaben der Kommunen mit der entsprechenden Bürokratie haben mir das Aufhören deutlich leichter gemacht.

Von 100 auf 0 sozusagen. Wie verbringen Sie jetzt Ihre Zeit?

Zunächst hat mein Körper gegen die neue Situation des „Ruhestands“ mit massiven Kreislaufproblemen rebelliert. Heute teile ich mir meinen Tag hauptsächlich so ein, dass ich am Vormittag die körperlichen Arbeiten erledige und ich dann am Nachmittag am Schreibtisch sitze. Wichtig ist mir inzwischen, dass ich viel Bewegung habe, weil ich das gerade in den vergangenen Jahren sehr vernachlässigt habe, was dann zu gesundheitlichen Problemen geführt hat.

Für welche Hobbys haben Sie jetzt Zeit, zu denen Sie vorher vielleicht nicht gekommen sind?

Vor allem das Radfahren macht mir großen Spaß. Hatte ich in den letzten zwei Arbeitsjahren nur 79 Kilometer zurückgelegt, so habe ich in den letzten Monaten rund 1500 Kilometer geschafft. Außerdem lese ich sehr viel und beschäftige mit intensiv mit den Lehren von Kneipp und Hildegard von Bingen. Was – bedingt durch Corona – noch dauern wird, ist das Reisen. Hier konzentriere ich mich auf Deutschland im Gesamten. Zumindest habe ich schon viele Reisebeschreibungen gelesen und entsprechende Reisen vorbereitet. Auch einen Sprachkurs in Französisch möchte ich belegen, weil meine Urvorfahren mütterlicherseits aus Frankreich kommen und ich bisher nicht die Möglichkeit hatte, diese Sprache zu lernen.

Mit welchem Gefühl beobachten Sie die Entscheidungen im Gemeinderat und die Politik vor Ort?

Ich kann mir noch kein genaues Urteil über den neuen Gemeinderat machen, dafür ist die Zeit einfach noch zu kurz. Mit dem neuen Bürgermeister pflege ich einen guten Kontakt, wir treffen uns nach der Kirche auf einen kleinen Ratsch und sind ja auch noch Kreistagskollegen. Ehrlich gesagt überfliege ich nur noch die Berichterstattungen aus dem Gemeinderat, was für mich persönlich besser ist. Ich war insgesamt 36 Jahre lang im Gemeinderat, davon 24 Jahre Bürgermeister. Ich hatte meine Zeit mit der entsprechenden Verantwortung hier in Au, und jetzt sind eben andere Entscheidungsträger dran. Niemand hat mich aus dem Amt gedrängt. Ich blicke auf eine schöne und ausgefüllte Amtszeit zurück und bin vor allem dankbar, dass ich diese Zeit so gut erleben und überstehen durfte.

Die Gemeindebücherei Au will mit der Zeit gehen und Online-Dienste anbieten. Dafür hat der Marktrat nun Grünes Licht gegeben. Erste Details sind bereits bekannt.

Die B301-Nordostumfahrung bei Freising wird am Montag für den Verkehr freigegeben. Auf 4,2 Kilometern kann man nun zur A 92 gelangen, ohne sich durch die Stadt quälen zu müssen.

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