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Nicht nur viele Markträte, sondern auch zahlreiche Bürger waren zu Karl Eckers letzter Bürgerversammlung in den Rosenwirt gekommen.

Nach fast 24 Jahren

Bürgermeister Ecker hält letzte Bürgerversammlung in Au – und spricht mahnende Worte

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Ein letztes Mal hatte Bürgermeister Karl Ecker die Auer zur Bürgerversammlung eingeladen. Er berichtete von seinen letzten Projekten und richtete mahnende Worte an alle.

Au/Hallertau – Es war die letzte seiner rund 24-jährigen Amtszeit: Zur Bürgerversammlung hatte Karl Ecker die Auer am Freitag noch einmal eingeladen. An seine erste erinnert sich der 56-Jährige, der wie berichtet aus gesundheitlichen Gründen nicht erneut für die Freie Wählergemeinschaft kandidiert, noch gut: „Wir waren auch hier im Rosenwirt. Weil es so viel Schnee gab, hatte ich Angst, dass keiner kommt – derweil war alles voll.“ Genauso war es diesmal.

Schul-Neubau im Frühjahr bezugsfertig

Die letzte Rede: Zwei Stunden sprach Bürgermeister Karl Ecker zu den Auern.

„Weil es meine letzte Versammlung ist, habe ich eine besonders lange Rede gemacht“, sagte Ecker schmunzelnd, bevor er zwei Stunden über etliche Themen Rechenschaft ablegte. Deutliche Worte fand der Rathauschef in puncto neue Realschule: „Wer dagegen war, wird mit mir keine Freundschaft mehr schließen.“ Der Kampf um den Standort sei „heftig und teilweise unschön“ gewesen. Angesichts der positiven Entwicklung dürften nun aber auch die letzten Kritiker „verstummt“ sein. Im Frühjahr soll der Neubau bezugsfertig sein – gleichzeitig mit der Grundschule, die derzeit saniert und erweitert wird.

Gebaut wird auch für die Radfahrer der Marktgemeinde. Doch das Thema, das den Markt seit Langem begleite, sei „das Sorgenkind hoch drei“. Der Markt würde gerne eine Strecke nach Haslach realisieren – „allein schon im Hinblick auf die gefährliche Kreisstraße“. In einem Fall seien die Forderungen eines Grundstückseigentümers jedoch so überzogen gewesen, dass die Räte einstimmig abgelehnt hätten.

Die Arbeiten für die Neugestaltung der Oberen und Unteren Hauptstraße laufen ebenfalls. „Es heißt immer, es gehe nichts voran“, sagte Ecker. Dabei sei gerade die Planung extrem wichtig und umfangreich.

Tempo-30-Aktion im Ortszentrum

In diesem Zusammenhang erläuterte der Rathauschef die neue Tempo-30-Aktion für das Ortszentrum. Mit Tempo 60 oder 70 werde teilweise durchgerauscht. „Das ist wirklich Raserei“, betonte Ecker und erntete den Zuspruch der Zuhörer. Nun sollen Schilder auf freiwilliger Basis an die Vernunft der Autofahrer appellieren. Mehrere Bürger monierten zudem die Parksituation im Markt. Ecker erklärte, dass durch den Zweckverband kommunale Verkehrsüberwachung zwar regelmäßig kontrolliert werde. Jedoch sei man auf Meldungen aus der Bevölkerung angewiesen, um zielgerichteter gegen Falschparker vorgehen zu können.

Dass der Winterdienst seit einigen Jahren nicht mehr so reibungslos funktioniere wie früher, kam ebenfalls zur Sprache. Nach dem Wissen des Bürgermeisters habe sich zwar nichts verändert. „Ich werde das aber mit dem Bauhof besprechen.“ 

Gegen Ende kam Ecker auf ein Herzensprojekt zu sprechen: die Instandsetzung der denkmalgeschützten Kapelle in Seysdorf, wofür er nicht nur Spott einstecken hätte müssen. Aufgrund von Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung sei auch ein Interessent abgesprungen, der das Gebäude sanieren wollte. Nun würden sich noch einmal drei Gemeinderäte darum kümmern. „Ich hoffe, dass sie mehr Glück und Unterstützung haben.“

Hoffnung für Schlossbräukeller

Die Hoffnung nicht aufgeben will Ecker auch, was die Zukunft des Schlossbräukellers betrifft. Ende Oktober hatten die Verantwortlichen das Ende der Traditionsgaststätte verkündet. Ecker machte deutlich, dass die endgültige Schließung laut der Brauerei-Geschäftsführung eine „Erfindung der Presse“ sei. „Hoffen wir, dass wir diese Gastronomie mit gutem Konzept bald wiederbekommen! Und reden wir in Au nicht immer alles kaputt!“, betonte Ecker.

Ecker höre nicht auf, weil er nicht mehr mag – „sondern weil ich nicht mehr kann“

Trotz der Tiefen bereue er keine Stunde seiner mittlerweile fast 24-jährigen Amtszeit. Es müsse allerdings ein Warnsignal sein, dass bei der Kommunalwahl 2020 so viele Bürgermeister nicht mehr kandidieren würden wie nie zuvor. Er höre nicht auf, weil er nicht mehr mag – „sondern weil ich nicht mehr kann“. Sorge bereite ihm, dass Parteipolitik immer mehr Einfluss auf das Kommunale nehme. Ecker betonte: „In unseren überschaubaren Gremien sollte ausschließlich der Mensch zählen, und nicht die Ideologie einer Partei, die für uns oft nur lähmend wirkt.“

Alle Infos über die Kommunalwahl 2020 in allen Gemeinden finden Sie in unserem großen Überblicks-Artikel.

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