Bürgermeister Hans Sailer vor dem Rathaus im Markt Au/Hallertau, August 2020
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Viel mehr Abwechslung als in seinem alten Beruf als Lehrer attestiert Hans Sailer seinem neuen Amt als Auer Bürgermeister. Der 63-Jährige zieht nach 100 Tagen im Dienst ein positives Fazit.

Erste Zwischenbilanz

„Ich bin für die Zukunft gut gerüstet“: Hans Sailer ist seit 100 Tagen Bürgermeister von Au

  • Magdalena Höcherl
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Mitten im Corona-Lockdown trat Hans Sailer das Amt als Bürgermeister von Au an. 100 Tage später zieht er eine erste Bilanz.

Au/Hallertau – Die Kommunalwahl liegt gut fünf Monate zurück, und in dieser Zeit hat eine Pandemie das Leben maßgeblich bestimmt. Mittendrin trat Hans Sailer (Freie Wähler) das Amt als Bürgermeister von Au an. Wie er seinen Start in der Marktgemeinde, einem Corona-Hotspot, erlebt hat, inwiefern sich seine jetzige Arbeit von der als Lehrer unterscheidet und warum Au wirtschaftlich ein klares Zeichen setzen muss, darüber spricht der 63-Jährige im Tagblatt-Interview.

Herr Sailer, Sie haben zum 1. Mai das Lehrerpult gegen den Chefsessel im Rathaus getauscht. Wie groß war die Umstellung?

An der FOS/BOS Freising war ich Mitarbeiter in der Schulleitung, hatte also dort auch schon viel mit Verwaltungsangelegenheiten zu tun. Das mache ich jetzt wieder, nur eben im Rathaus. Aber natürlich fällt das Korrigieren weg – und leider auch die Ferien (lacht). Ehrlich gesagt, bin ich aber am Anfang kaum dazu gekommen, groß über den Wechsel nachzudenken. Weil die Schulen ab Mitte März zu und wir im Lockdown waren, konnte ich mich leider nicht mehr von meinen Schülern verabschieden. Mein Start als Bürgermeister war wegen Corona sehr turbulent.

Sie haben die Amtsgeschäfte mitten im Lockdown übernommen. War das ein schwieriger Start?

Au war ein Hotspot und die Angst vieler war spürbar.

Bürgermeister Hans Sailer

Das war schon anstrengend, alle waren sozusagen gehandicapt. Kommunikation fand hinter Plexiglasscheiben statt. In der Verwaltung hatten wir viele Besprechungen, wir mussten ein Hygienekonzept erarbeiten und alles auf die Schutzmaßnahmen abstimmen. Eigentlich wollte ich gleich zuerst das ganze Team noch besser kennenlernen und die Abläufe im Rathaus vertiefen, aber das war am Anfang alles Nebensache. Corona stand im Mittelpunkt.

Der Markt Au war sehr früh und sehr stark von der Pandemie betroffen. War das Ihre bislang größte Herausforderung?

Ja, das war wirklich schwierig. Verwaltungsmitarbeiter waren in Quarantäne oder sogar selbst infiziert, wir hatten wirklich alles. Au war ein Hotspot, und dass viele Angst hatten, war deutlich spürbar. Immer wieder haben Bürger angerufen. Wir haben die Krise aber bislang gut gemeistert, und inzwischen ist die Situation bei uns Gott sei Dank wieder sehr entspannt. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Leute sehr diszipliniert sind.

Ich bin vorsichtig optimistisch, dass alles Schritt für Schritt weitergeht.

Bürgermeister Hans Sailer

Der Haushalt ließ sich von der Krise bisher allerdings nicht sehr beeindrucken. In Au sind nach wie vor große Investitionen geplant.

Es ist wichtig, dass wir das klare Zeichen setzen, dass es weitergeht. Mitte Juni haben wir öffentlich das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept, kurz ISEK, für die Ortsdurchfahrt vorgestellt. Das ging zum Glück problemlos coronakonform, da wir für solche Veranstaltungen unsere große Hopfenlandhalle haben. Zudem wurde die Veranstaltung per Live-Stream übertragen. Bald soll die Ausschreibung stattfinden, und wenn alles klappt, können wir die Arbeiten nächstes Jahr starten. Auch die Straßenbauprojekte sind bisher nicht gekürzt worden, noch läuft alles wie geplant. Freilich müssen wir abwarten, wie sich die Situation entwickelt, notfalls müssen ein paar Projekte geschoben werden. Der Haushalt ist wegen Corona ohnehin vorsichtig gerechnet. Wir hoffen, dass wir ohne Nachtragshaushalt hinkommen. Aber zum Beispiel hat der Markt für den ersten Bauabschnitt der Städtebausanierung 760.000 Euro Zuschuss bekommen. Das Geld wollen wir natürlich auch abgreifen. Zudem ist es auch für die Unternehmen und die Wirtschaft wichtig, dass Aufträge vergeben werden. Ich bin vorsichtig optimistisch, dass alles Schritt für Schritt weitergeht.

Es zahlt sich aus, dass ich Pädagoge bin.

Hans Sailer, der 30 Jahre Lehrer war

Sie sind seit 18 Jahren im Marktgemeinderat, seit zwölf Jahren Kreisrat, außerdem waren Sie sechs Jahre lang 2. Bürgermeister von Au. Kommt Ihnen diese langjährige politische Erfahrung jetzt zugute?

Sehr. Jetzt geht es zwar mehr um Details und ich muss mich auch intensiver mit Bürgerbelangen auseinandersetzen. Aber viele Abläufe und vor allem die Themen sind bei mir sehr präsent, es gibt keinen Bereich, in den ich mich enorm einarbeiten muss. Und meine berufliche Erfahrung kommt mir auch zugute: In der Zusammenarbeit mit unseren Kindergärten zahlt es sich zum Beispiel aus, dass ich Pädagoge bin.

Trotzdem unterscheidet sich Ihr neuer Job deutlich vom alten.

Ja, in der Schule lief der Tag wesentlich strukturierter ab. Im Rathaus kommen oft völlig neue Themen und Situationen daher, auf die man schnell reagieren muss. Es gibt viel mehr Abwechslung. Das war am Anfang wirklich anstrengend, da habe ich Probleme auch mit nach Hause genommen. Aber ich glaube, dass ich bisher alles ganz gut gemeistert habe.

Sie sind nun Chef des 20-köpfigen Marktgemeinderats, der durch die Wahl deutlich verjüngt wurde. Ein Vorteil?

Es gibt jetzt neun neue Markträte, fast die Hälfte. Ich habe das Gefühl, dass sie sehr engagiert sind und viel bewegen wollen. Ich hoffe, dass diese Motivation lange anhält.

Jetzt, in den Ferien, stehen aber keine Sitzungen an, die Politik hat eine kleine Sommerpause. Wie nutzen Sie diese Zeit?

Es tut gut, dass es gerade etwas ruhiger ist. So kann ich ein paar Sachen nacharbeiten, die liegen geblieben sind. Ich selber habe erst im September eine Woche Urlaub, den ich im Voralpenland verbringen möchte. Ich brauche schon etwas Abstand, um die vergangenen Monate in Ruhe Revue passieren zu lassen.

Ich gehe nach wie vor gerne ins Rathaus.

Bürgermeister Hans Sailer

Und was ist das Erste, das Sie im Herbst dann anpacken wollen?

Da gibt es einiges, aber zunächst müssen Dinge in der Verwaltung geklärt werden. Wir benötigen mehr Personal, unter anderem für das Bauamt, und zusätzliche Büroräume, da die Platzverhältnisse im Rathaus recht beengt sind. Das werde ich als Erstes anpacken.

Am 8. August waren Sie die ersten 100 Tage im Amt. Hand aufs Herz: Macht Ihnen das Bürgermeister-Sein noch Spaß?

Auf jeden Fall! Ich gehe nach wie vor jeden Tag gerne ins Rathaus. Jetzt freue ich mich vor allem auch darauf, dass langsam wieder Veranstaltungen stattfinden, und ich zum Beispiel auch Jubilaren zum Geburtstag gratulieren kann, wenn sie das möchten. Während der ersten Monate war wegen Corona terminlich alles sehr reduziert. Das war zwar gut, um reinzukommen. Aber jetzt darf es auch wieder mehr werden – natürlich langsam und vorsichtig. Schön war auch, dass ich Anfang August die Bürgermeister-Fortbildung nachholen konnte, die im April leider ausfallen musste. Also bin ich jetzt für die Zukunft gut gerüstet.

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