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Traditionswirtschaft Schlossbräukeller geschlossen - Kritik an Management

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Von: Armin Forster

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Die Abschiedsbotschaft vom Team des Auer Schlossbräukellers, der seit Mitte der Woche Geschichte ist.
Die Abschiedsbotschaft vom Team des Auer Schlossbräukellers, der seit Mitte der Woche Geschichte ist. © Hellerbrand

Der traditionsreiche Auer Schlossbräukeller stellt seinen Betrieb ein. Das sorgt für Bedauern im Ort, aber auch für Kritik am Konzept der Verantwortlichen.

Au/Hallertau – Es bedeutet das Aus für eine weit über die Region hinaus bekannte Traditionsgastronomie: Der Auer Schlossbräukeller, die Wirtschaft mit Biergarten auf dem Gelände der Schlossbrauerei mitten im Markt, hat seine Pforten geschlossen. Dies haben nun die Verantwortlichen verkündet.

Für viele im Ort kommt dieser Schritt wenig überraschend. Denn dass es mit der Wirtschaft unrund läuft, war schon seit geraumer Zeit zu beobachten. Nach mehreren Pächterwechseln hatte die Brauerei unter der Leitung von Michael Beck von Peccoz die Gastronomie in Eigenregie weitergeführt und lediglich das Tagesgeschäft einem Wirtsteam übertragen. Dieses Konzept jedoch erwies sich wohl auf Dauer nicht tragfähig – wie nun an der Schließung zu sehen ist. Es waren offenbar auch vor allem wirtschaftliche Gründe, die die Verantwortlichen zu der Entscheidung bewogen haben.

Nicht die ersten Schlagzeilen des Jahres aus der Schlossbrauerei Au

Es sind nicht die ersten Schlagzeilen, die die Brauerei in diesem Jahr verursacht, und die die Auer aufhorchen lassen: Erst im Frühling hatte der Einstieg einer chinesischen Holding bei dem Hallertauer Getränkebetrieb für einen Paukenschlag gesorgt. Die FCAA Castle Brewery Company werde „in den Brauereibetrieb investieren“, teilte Michael Beck von Peccoz damals mit. Damit sollten „Arbeitsplätze langfristig gesichert“ werden. Künftig werde man noch stärker im riesigen chinesischen Biermarkt mitmischen, hieß es in der Erklärung. Der Eigentümerfamilie sei es dadurch gelungen, „die Weichen für die weitere erfolgreiche Zukunft des Brauereibetriebs zu stellen“.

Nun also der Schlussstrich in der hauseigenen Gastronomie. Wie zu erfahren war, wurden zahlreiche örtliche Vereine und Firmen von der Entscheidung, die sie nicht direkt von den Verantwortlichen erfahren haben wollen, eiskalt erwischt. Sie müssen sich nun um eine neue Versammlungsörtlichkeit für ihre Weihnachtsfeiern kümmern. Das dürfte keine leichte Aufgabe werden, so kurzfristig vor Jahresabschluss.

Auer Bürgermeister ist verwundert und traurig

Einer, der sich trotz aller Vorzeichen überrascht zeigt, ist der Auer Bürgermeister Karl Ecker. Vom plötzlichen Aus der Wirtschaft hat er nach eigener Aussage am Mittwochabend via SMS erfahren, Verfasser war ein Gemeinderatsmitglied. „Von der Schlossbrauerei selbst hat mich niemand in Kenntnis gesetzt“, sagt Ecker im Gespräch mit unserer Zeitung. Als Nachbar und Bürgermeister hätte er sich eine solche Info schon gewünscht.

Ecker bedauert die Schließung der Wirtschaft, wie er betont: „Für den Markt Au insgesamt, aber auch für die Leute ist es eine sehr traurige Situation.“ Er erinnere sich noch gut an die Anfänge seiner Amtszeit, als im Gemeinderat ganz andere Diskussionen geführt worden waren: „Damals gab es das Problem, dass es rund um den Schlossbräukeller derart zugeht und die vielen Busse den Verkehr behindern.“

Nach Schließung von Schlossbräukeller Au: Konzept kritisiert

Dass der einst boomende Traditionsbetrieb nun nicht mehr rentabel sei, liege aus Eckers Sicht an Missmanagement. „Ich kenne die Zahlen nicht und bin auch kein Gastronom. Aber dass dieses Lokal aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben muss und zuletzt so wenig los war, ist für mich nicht nachvollziehbar. Wenn es hier nicht klappen soll, wo denn dann?“

Die Rahmenbedingungen seien ideal gewesen, die Qualität des Essens, der Bierauswahl und des Services habe gestimmt und das Ambiente sei einmalig gewesen, so Ecker, der allerdings das Konzept kritisiert: „Wenn ich als Wirt nur angestellt bin, ist es natürlich egal, ob ich drei Essen oder 300 pro Tag verkaufe.“ Aus Sicht des Bürgermeisters seien erkennbar zu wenig Werbung gemacht und Potenziale nicht genügend ausgeschöpft worden.

Die Verantwortlichen der Schlossbrauerei waren bislang für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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