Festgenommene Person in Handschellen.
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Ein Betrüger ist der Polizei in Au/Hallertau ins Netz gegangen.

Dubiose Sammlung für angeblichen Defibrillator

Betrüger will mit Kirchen-Masche Firmen prellen - bis ihm die Polizei eine Falle stellt

Mit einer dubiosen Masche hat ein 79-Jähriger versucht, Firmen um ihr Geld zu bringen. Doch er geriet an den falschen Unternehmer - und in die Falle der Polizei.

  • Ein Betrüger hat in der Hallertau diverse Firmen aufgesucht.
  • Ein Unternehmer warnte daraufhin die Öffentlichkeit.
  • Die Polizei konnte dem gesuchten Betrüger das Handwerk legen - mit einer Falle.

Au/Hallertau – Es war ein Krimi mitten in der Hallertau – und er hat ein gutes Ende genommen: Am Donnerstag ging der Polizei in Au ein flüchtiger Betrüger ins Netz, als er mit einer höchst fragwürdigen Masche erneut Geschäftsleute prellen wollte.

Ins Rollen gebracht hat den Ermittlungserfolg der Auer GoL-Marktrat Michael Hagl. Er hatte am Donnerstagvormittag folgende Warnung in der Facebook-Gruppe „Au i. d. Hallertau, do bin i dahoam“ gepostet: „Achtung! Betrüger unterwegs! Vorgestern war bei mir ein Herr Kacher (Name von der Redaktion geändert), der vorgab, Unterstützer für einen Defi am katholischen Pfarrheim in Nandlstadt zu suchen.“ Wie der 59-Jährige weiter berichtete, sollte der Defibrillator auf einer Werbetafel platziert werden, und Hagl – selbstständiger Software-Entwickler – könne mit seiner Firma dort inserieren. Die Anzeigen-Fläche sollte pro Monat 110 Euro kosten, ein Jahr lang.

Angebliche Geld-Sammlung für Kirchen-Defibrillator

Im Gespräch mit dem FT ging Michael Hagl noch ins Detail: „Er sagte mir, es seien 16 Felder geplant. Das ist mir dann schon reichlich dubios vorgekommen, schließlich wären da über 20.000 Euro für ihn herausgesprungen. So ein Defi kostet aber nur 2000 bis 3500 Euro.“ Als sich Hagl von dem Mann – laut seiner Erinnerung ein sonnengegerbter, schlanker Typ älteren Semesters mit knallroter, kurzer Hose, „dicker Uhr und auffällig ungepflegten Fingernägeln“ – einen Vertrag zeigen lassen wollte, folgte die nächste Merkwürdigkeit: „Er hat nichts dabei gehabt und mir nur eine Handynummer gegeben. Er werde sich dann nochmal melden, hieß es“, erinnert sich der Auer.

Kirchen-Verantwortliche geschockt von dreister Masche

Statt mit dem ominösen Hausierer nahm Michael Hagl Kontakt zum Nandlstädter Pfarramt auf. Und sein Verdacht bestätigte sich: „Die wussten nichts von einer Sammlung – und haben auch bereits einen Defi.“ Bei Birgit Linseisen, der Verwaltungsleiterin des Pfarrverbands Holledau, schrillten ebenfalls die Alarmglocken, wie sie unserer Zeitung berichtete: „Wir haben eine Mail an die Polizei geschickt und informieren gerade alle Firmen im Pfarrverband“, sagte sie am Donnerstagmittag. „Da ist offenbar ein Betrüger unterwegs – und wir wollen auf keinen Fall mit ihm in Verbindung gebracht werden.“ Man habe nach Hagls Info bereits einen weiteren Anrufer gehabt, der sich nach der Rechtmäßigkeit der Sammlung erkundigen wollte. „Wir sind aus allen Wolken gefallen, als wir von der dreisten Masche gehört haben.“

Polizei stellt Betrüger in Au/Hallertau eine Falle

Die Moosburger Polizei hielt sich am Donnerstagmittag noch mit Auskünften zu dem Fall bedeckt – aus ermittlungstaktischen Gründen, wie sich wenige Stunden später herausstellte: „Gerade eben sind die Handschellen zugegangen“, berichtete Moosburgs Vize-Polizeichef Hans-Jürgen Hintermeier dem FT am Nachmittag. „Der Mann konnte aufgrund eines bestehenden Verfahrens festgenommen werden.“

Die Hinweise von Michael Hagl sowie die Kommentare von weiteren Betroffenen in der Facebook-Gruppe hätten die Ermittler direkt als Zeugenaussagen verwerten können und damit einen 79 Jahre alten Mann dingfest gemacht, der bereits wegen Betrugs per Haftbefehl gesucht worden war – jedoch abgetaucht gewesen ist. Mit den Hinweisen aus Au hätten die Polizisten dem Mann eine Falle stellen können, in die er dann auch tatsächlich getappt sei, so Hintermeier. Zum laufenden Verfahren gebe es zwar noch keine belastbare Aussage. „Aber aus der früheren Verurteilung erwarten ihn zweidreiviertel Jahre Haft.“

Wenig später meldete sich auch Michael Hagl mit der Erfolgsmeldung, abermals bei Facebook: „Wurde schon vorgegangen! Der durfte jetzt gerade mit der Zivilstreife mitfahren.“

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