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Durchhalteparolen, Appelle und auch gute Nachrichten: Auer Ortschef ruft Bürger zum Zusammenhalt auf

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Von: Andreas Beschorner

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Besucher der Bürgerversammlung von Au/Hallertau
Zur ersten Bürgerversammlung im Markt Au seit dem Corona-Ausbruch waren am Dienstag über 100 Menschen in die Hopfenlandhalle gekommen. © Beschorner

Von Hauptstraßen-Umbau über Verkehrsfrust bis hin zu Wärmeversorgung und Kirchenaustritte: Die Themenpalette bei der Auer Bürgerversammlung war breit.

Au/Hallertau – 6662 Einwohner zählte der Markt Au zum Stichtag 30. Juni 2022. Über 100 davon waren am Dienstag in die Hopfenlandhalle gekommen, um nach zweieinhalb Jahren Corona zum ersten Mal Bürgermeister Hans Sailer bei einer Bürgerversammlung live zu erleben. Der hatte am Ende seines zweistündigen Berichts über die Gemeindepolitik der Jahre 2020 bis 2022 eine eindringliche Bitte und einen Wunsch an die Bürger: „Einfach zusammenhalten.“

Kirchenaustritte heuer „immens angestiegen“

Bürgermeister Hans Sailer bei der Bürgerversammlung in Au/Hallertau
Berichtete und beantwortete Bürgerfragen: der Auer Ortschef Hans Sailer. © Beschorner

Wie das bei Bürgerversammlungen so üblich ist, startete auch Sailer mit Fakten, Fakten, Fakten: 56,7 Prozent der Auer sind römisch-katholisch, auch wenn die Zahl der Kirchenaustritte heuer „immens angestiegen“ sei, so Sailer: In 2022 haben bisher bereits 74 Gläubige der Kirche den Rücken gekehrt. Von den 6662 Einwohnern haben derzeit 1334 eine von 55 verschiedenen Staatsangehörigkeiten. Konstant sei die Belegung der Kindergärten und der Krippe, in der Grundschule verzeichne man einen „kontinuierlichen Anstieg“ auf derzeit 234 Schüler. Zum echten Renner für die Auer habe sich die Realschule entwickelt.

Solide Finanzlage

Und weiter ging’s mit Zahlen: Finanziell stehe der Markt Au gut da. Beispiel: Gewerbesteuer. Mit 2,4 Millionen Euro Einnahmen hat man heuer gerechnet, aktueller Stand sind 3,76 Millionen. Kontinuierlich steige auch der Einkommensteueranteil (für 2022 sind 4,3 Millionen angesetzt). Das Resultat: ein „überschaubarer“ Schuldenstand von knapp 860.000 Euro.

Und dann ging es um Projekte und Bauvorhaben: Sailer erklärte, weshalb sich der Gemeinderat zu einem Neubau statt einer Generalsanierung des Kindergartens Maria de la Paz entschieden habe.

Beim Bürgerpark „jetzt Druck machen“

Das erste wirklich schwierige, weil langwierige Thema war Sailers Bericht zum Sachstand beim Bürgerpark am Klosterberg. Da seien die Bohrungen abgeschlossen, die Analysen lägen vor, jetzt warte man auf die Stellungnahme des Landratsamts, danach werde man Gespräche mit den Nachbarn aufnehmen. Das alles sei „sehr, sehr und extrem mühsam“, so Sailer, der betonte, man müsse jetzt „Druck machen“, weil man sonst Gefahr laufe, dass das Förderprogramm auslaufe.

Durchhalteparole beim Hauptstraßen-Umbau

Der andere, nicht immer erfreuliche Dauerbrenner ist der Umbau der Hauptstraße. Der Bauabschnitt 1 habe für „sehr viel Absperrungen und sehr viel Verwirrung“ gesorgt, blickte der Bürgermeister zurück. Und auch wenn der Bauabschnitt jetzt fast abgeschlossen sei, werde die Kreuzung Pfaffenhofener Straße nochmals vom 23. September bis 28. Oktober für Pflasterarbeiten gesperrt. Bauabschnitt 2 soll zwischen März 2023 und Mitte 2024 ablaufen, Bauabschnitt 3 dann zwischen Juli 2024 und Ende 2025. „Das müssen wir jetzt durchziehen“, so der Appell Sailers auch an die Bürger, dann habe man aber auch für 30 bis 40 Jahre Ruhe. Zumindest in der Hauptstraße, denn wie ein Überblick Sailers zeigte, stehen für die kommenden beiden Jahre schon weitere Straßenbaumaßnahmen auf der Agenda.

Gedankenspiele zur Wärmeversorgung

Große Herausforderungen sieht Sailer bei den Themen Hochwasserschutz und Stark-regenereignisse, aber auch die Energieeinsparung werde den Markt stark beschäftigen. Alle gemeindlichen Gebäude würden über Erdgas versorgt, mittelfristig müsse man sich über die Umstellung auf ein Nahwärmenetz Gedanken machen.

Nach einem Blick auf Brückenbau, Radwege und Ortsplatzgestaltung in Osterwaal hatte Sailer auch eine ganz erfreuliche Nachricht mit im Gepäck: In Zeiten, in denen „die Royals“ in aller Munde seien, könne auch Au mitreden: „Wir haben eine Hopfenkönigin.“

Es wird „vieles miesgemacht“

Am Ende seines Berichts wandte sich Sailer an die Bürger: Da werde „vieles miesgemacht“ und „schlechte Stimmung“ verbreitet, so sein Eindruck. „Aber so kommen wir nicht weiter.“ Deshalb lautete sein Wunsch: „Einfach zusammenhalten“, um das große Potenzial des Markts Au zu nutzen.

Es folgte die Fragestunde: Was den Hochwasserschutz beim Leitersdorfer Bach angehe, werde der Gemeinderat demnächst entscheiden, mit welchen Angeboten man an die Grundstückseigentümer herantreten werde. Freilich: „Wenn Eigentümer absolut nicht wollen, haben wir keine Chance.“ Dasselbe gelte auch für den Maria-Hilf-Weg, der vergangenes Jahr vom Hochwasser teilweise stark betroffen war. Da prüfe man derzeit, wie man bei Starkregen das Wasser zurückhalten könne.

Studie für das Hopfenhallen-Areal

Interessant war die Nachricht, dass man demnächst wohl eine Machbarkeitsstudie für das gesamte Areal, auf dem sich die drei ehemaligen Hopfenhallen befinden, in Auftrag geben werde. Grünes Licht für eine Förderung habe die Regierung gegeben.

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Michaela Sachsenhauser wollte wissen, was mit dem Maria de la Paz-Gebäude passiere, wenn die Kita ausgezogen sei. Sailer versicherte, man werde das Haus nicht verkaufen und nicht verfallen lassen. Es solle den Bürgern und Vereinen zu Gute kommen. Genaue Vorstellungen habe man noch nicht, man habe ja auch noch viel Zeit.

Frust über schweren und schnellen Verkehr

Woher die „schlechte Stimmung“ kommt, von der Sailer gesprochen hatte, konnte man an all den Wortmeldungen erahnen, die sich über zu viel und zu schnellen Verkehr beschwerten. Ein Anwohner der Schlesischen Straße schimpfte über 40-Tonner, Lkw und Raser, man überlege schon, ob man eine Bürgerinitiative gründen solle. Sailers Antwort: Was solle man machen, wenn der Fahrer eines 40-Tonners dort hineinfahre? Der Anregung eines anderen Bürgers, ein Lkw-Durchfahrtsverbot in der Hauptstraße zu erlassen, werde man nachgehen, so Sailer.

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