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Verheerende Folgen: Im Kursana-Domizil in Au sind 14 Senioren mit dem Coronavirus infiziert worden. Auch drei Todesfälle wurden bestätigt.

„Dramatische Folgen bei einer Infektion“

Corona-Alarm in Seniorenheim in Au: 14 Infektionsfälle - Arzt in großer Sorge um Hochrisiko-Patienten

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Jetzt ist es passiert: Im Seniorenheim in Au haben sich Bewohner mit dem Coronavirus infiziert. In Moosburg macht sich ein Arzt ebenfalls große Sorgen um Senioren - aus gutem Grund.

  • In einem Seniorenheim in Au kam es zu einem Coronavirus-Ausbruch. 
  • An anderer Stelle im Landkreis ist ein Arzt in großer Sorge. 
  • In Moosburg fehlt es seinen Schilderungen nach an Schutzausrüstung für Heimpersonal. 

Au/Hallertau – Im Seniorenheim in Au haben sich Bewohner mit dem Coronavirus infiziert. Das bestätigte eine Sprecherin von Kursana, dem Träger der Einrichtung, dem FT am späten Mittwochnachmittag (1. April): „Mit Stand vom 1. April wurden 14 Bewohner positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Wir haben entsprechende Maßnahmen ergriffen.“

Demnach wurden neun betroffene Bewohner ins Krankenhaus verlegt, fünf werden derzeit im Haus isoliert versorgt. „Drei Bewohner, die ebenfalls positiv auf Corona getestet waren, sind leider im Krankenhaus verstorben“, berichtet die Kursana-Sprecherin weiter. „Nach unserer Kenntnis war in diesen drei Fällen die Todesursache nicht die Corona-Infektion.“ Man stehe in engem Austausch mit den zuständigen Behörden und stimme das weitere Vorgehen ab.

Seniorenheim Au: Es fehlen Erkenntnisse über die Infektionskette

Wie es zu der Ansteckung kam, ist noch unklar. „Wir haben bislang keine Erkenntnisse über die Infektionskette“, erklärt die Sprecherin. An mangelnder Schutzausstattung für die Angestellten der Einrichtung soll es aber nicht gelegen haben. „Wir verfügen über ausreichende Mengen an Schutzausrüstung.“

Großes Risiko: Das Personal im Haus Moosburg soll ohne Schutzausrüstung arbeiten müssen.

Das ist längst nicht in allen Senioreneinrichtungen der Fall. In Moosburg zeichnet Dr. Karl Heinz Holzer ein anderes Bild – eines, das nichts Gutes verheißt. Der Chirurg hat seine Praxis in den Räumen des ehemaligen Moosburger Krankenhauses. In den oberen Stockwerken des selben Gebäudes befindet sich das Seniorenwohnheim „Haus Moosburg“, in unmittelbarer Nachbarschaft der AWO-Seniorenwohnpark.

Arzt in großer Sorge: Kein Corona-Schutz für Heimpersonal in Moosburg

„Die Bewohner beider Einrichtungen werden von mir regelmäßig chirurgisch behandelt und medizinisch versorgt“, berichtet Holzer. So wird er selbst regelmäßig Zeuge, unter welch untragbaren Bedingungen das Personal dort gezwungen ist, derzeit zu arbeiten. Die Angestellten beider Häuser müssen ohne Schutzkleidung auskommen – obwohl sie in engstem Kontakt zu den Bewohnern stehen.

„Wenn auch nur ein infizierter Beschäftigter mit noch fehlenden klinischen Symptomen in den Einrichtungen arbeitet, wird es zu einer Infektion aller Bewohner kommen.“, prognostiziert Holzer. „Bei den Hochrisikopatienten der beiden Seniorenheime sind schon jetzt die dramatischen Folgen bei einer Corona-Infektion absehbar.“ Betroffen wären 110 Betreute im AWO-Seniorenpark, 30 im Haus Moosburg. So viele Plätze bieten die beiden Heime zumindest nach Informationen auf der jeweiligen Homepage.

Corona im Landkreis Freising: „Wann kommt die erforderliche Schutzkleidung?“

Die Heimleitung der AWO darf selbst keine Presseauskünfte geben und verweist an die Unternehmenskommunikation des AWO-Bezirksverbands Oberbayern. Dort bekam das FT trotz zahlreicher Versuche keinen Mitarbeiter ans Telefon. Ines Mann, Geschäftsführerin von Haus Moosburg wiederum erklärte, dass sie zum Thema Corona-Schutzkleidung unter ihrem Dach keine Auskünfte geben wolle.

Kein Schutz: Auch im AWO-Seniorenheim gibt es für die Mitarbeiter offenbar keine FFP2-Masken.

Dabei gibt Holzer den Heimleitungen gar nicht die Schuld an der Misere. Dem Personal stünde schlichtweg kein Schutz zur Verfügung. Seine abschließende Frage, die einem Brandbrief gleicht: „Wann erhalten die beiden Einrichtungen endlich die erforderliche Schutzkleidung und FFP2-Masken für die Angestellten?“ Angehörige von Senioren können sich selbst kein Bild mehr machen, wie die Arbeit in den Heimen erfolgt. Für sie gilt, wie für alle, das von M inisterpräsident Markus Söder verhängte Besuchsverbot.

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