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Gemeinderat Au beschließt das Ende des Kindergartens Maria de la Paz

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Von: Andrea Beschorner

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Der Kindergarten Maria de la Paz in Au.
Die Tage des Kindergartens Maria de la Paz sind gezählt. Sanierung und Erweiterung am alten Standort würden der Gemeinde fast zehn Millionen Euro kosten, ohne damit das Verkehrsproblem zu lösen. © Beschorner

Kindergarten sanieren oder neu bauen? Vor dieser Frage standen die Auer Marktgemeinderäte - und fassten einen Beschluss, von dem sogar der örtliche Bauhof betroffen ist.

Au/Hallertau – Emotionen mussten einige Gemeinderäte in Au am Dienstag außen vor lassen, um am Ende die Vernunft walten zu lassen: Es ging um den Kindergarten Maria de La Paz am Klosterberg. Und um die wegweisende Frage: Sanieren oder an anderer Stelle neu bauen?

Der Istzustand des ehemaligen Klosters

Architekt Michael Wacker war in einem ersten Schritt mit der wichtigen Aufgabe betraut, zunächst den Istzustand zu untersuchen. Und das Ergebnis ist ernüchternd, wenngleich nicht wirklich überraschend: „Die Grobkostenschätzung für eine Sanierung des Gebäudes liegt bei 4,4 Millionen Euro“, verkündete Wacker. Das Gebäude ist teilunterkellert, der Keller feucht. Da man nur von innen an die Kellerwände rankommt, wie der Planer erklärte, müsse man, um die Fundamente trockenzulegen, eine Betondecke einziehen. Geschätzte Kosten für die Trockenlegung: etwa eine halbe Million Euro. Um die Einrichtung barrierefrei zu bekommen, müsste ein Treppenhausturm mit Aufzug errichtet werden. Und wenn all diese Maßnahmen abgeschlossen seien, wäre das Gebäude – nachdem man Türen und Treppengeländer vorschriftsmäßig ausgetauscht hat – „nicht mehr wiederzuerkennen“, wie Wacker sagte. Damit war den Gemeinderäten schnell klar, dass die Tage des Kindergartens Maria de la Paz gezählt sind. Vor allem auch deshalb, weil es mit der Sanierung alleine nicht getan ist.

Die Kosten für die Sanierung und Erweiterung am alten Standort

Da man aus allen Nähten platzt, müsste auf dem Areal ein zweites Gebäude für vier Gruppen untergebracht werden – für weitere 4,5 Millionen Euro, auf Kosten der jetzigen Freiflächen. Architekt Wacker sprach in der Summe von grob geschätzten Gesamtkosten in Höhe von 9,5 Millionen Euro. Viel Geld, mit dem die katastrophalen Verkehrsbedingungen mitten im Wohngebiet jedoch nicht gelöst werden können.

Die Alternative zu Sanierung

Und so hat sich die Gemeinde parallel zu den Voruntersuchungen auf die Suche nach einem Standort für einen Neubau gemacht – „und wir sind fündig geworden“, wie Bürgermeister Hans Sailer verkündete. Eine Alternative zum bestehenden Standort, die weitreichende Folgen hätte. „Das Areal des jetzigen Bauhofs wäre absolut geeignet für den Neubau eines Kindergartens.“ Zu dem Ergebnis ist das Planungsbüro Wacker in seinen Voruntersuchungen gekommen.

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Da ein Bauhof in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schulzentrum und mitten im Wohngebiet ohnehin nicht optimal sei, hat man, so Sailer, in diese Richtung geplant. Und auch auf der Suche nach einem Ersatzstandort hatte der Rathauschef schon gute Neuigkeiten: Nahe der Umgehungsstraße am Eschenring, „wo früher die IsarAmperwerke waren“, hätte man die Möglichkeit, ein geeignetes Gebäude anzumieten und den Bauhof dorthin auszulagern. Eine Baugenehmigung für eine Halle, die dafür noch benötigt werde, sei bereits in Aussicht gestellt. Es gäbe dann endlich Sanitärräume für die Bauhofmitarbeiter. Alles in allem sprach Sailer von einem „Riesengewinn für den Bauhof“, zumal dann endlich auch die Verkehrsanbindung optimal wäre.

Der Neubau und seine Folgen

Um den Gemeinderäten die Entscheidung leichter zu machen, hatte Wacker das jetzige Bauhofareal grob überplant. Darin ging er von zwei Bauabschnitten aus: Im ersten solle ein Gebäude mit sechs Kindergartengruppen für rund 6,4 Millionen Euro errichtet werden. „Die Kosten hierfür sind recht konkret, weil wir einen Kindergarten eben dieser Größe gerade in Moosburg bauen“, erklärte der Planer. In einem zweiten Bauabschnitt wäre dann noch Platz für einen Erweiterungsbau für bis zu vier Gruppen. Kostenpunkt: rund vier Millionen Euro.

Das sagen die Gemeinderäte dazu

Und dann waren die Gemeinderäte am Zug. 3. Bürgermeisterin Beatrix Sebald brachte es auf den Punkt: „Wir müssen wohl schweren Herzens erkennen, dass wir um einen Neubau nicht herum kommen.“ Auch wenn in ihrer Brust zwei Herzen schlagen – „und so geht es sicher vielen, vor allem der alteingesessenen Bevölkerung“. Diese pragmatische Herangehensweise an die Sache war am Ende fraktionsübergreifend: Martin Linseisen sprach sich ebenso für einen Neubau aus wie Barbara Prügl, die allerdings auch noch eine kritische Anmerkung hatte: „Die Sitzungsunterlagen sehen für mich so fix aus. Ich würde mir gerne Kindergärten anschauen, über die Gestaltung müssen wir natürlich auch noch sprechen und die Verkehrssituation am neuen Standort gehört ebenfalls untersucht.“ Michael Wacker erklärte, dass es sich lediglich um eine erste Grobplanung handle. Und laut Hans Sailer sei bei der Ausschreibungssumme ohnehin ein Architektenwettbewerb vonnöten.

Florian Schwaiger sprach sich für einen Neubau aus einem Guss aus, sprich keine zwei Bauabschnitte, sondern gleich einen zehngruppigen Kindergarten.

Der Bauhof in Au.
Der Bauhof in Au muss dem neuen Kindergarten weichen. © Beschorner

Rita Straßberger wollte wissen, ob die Kinder im alten Kindergarten bleiben dürfen, bis der Neubau fertig ist. Das klare Ja Sailers wertete sie ebenfalls als großen Vorteil gegenüber der Sanierung, da man dann nicht jahrelang in teure Container ausweichen muss. Franz Asbeck war es ein großes Anliegen, das Gebäude, sobald die Kinder ausgezogen sind, möglichst schnell zu sanieren und wieder einer neuen Bestimmung zu übergeben. „Wir dürfen Maria de la Paz nicht verkommen lassen.“ Das war auch Martin Linseisen wichtig: „Wenn kein Kindergarten mehr drin ist, sind die Auflagen nicht so hoch und man kann mehr vom Charakter des Gebäudes erhalten.“

Einstimmiger Beschluss: Ja zum Neubau

Am Ende war sich das Gremium einig: Einstimmig fasste es den Grundsatzbeschluss für einen Neubau des Kindergartens am Bauhofgelände. „Mit diesem klaren Ja geben wir ein Signal an die Menschen, dass wir geschlossen dahinter stehen“, bedankte sich Hans Sailer am Ende bei den Gemeinderäten. Zumal das Thema in der Bevölkerung sicher emotional diskutiert werde. „Das ist zwar alles verständlich, aber wir müssen jetzt etwas Zukunftsträchtiges schaffen.“ Architekt Michael Wacker wurde abschließend noch nach einem Zeitplan gefragt: Wenn man sehr schnell beginnt, so seine Prognose, könnte man in drei Jahren fertig sein.

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