+
Ein freier Blick auf die Kirche bleibt: Das geplante Boardinghaus am Ortseingang wurde abgelehnt.

Wohnen auf Zeit: Projekt gescheitert

Gemeinderat Au lehnt Boardinghaus bei Reichertshausen ab

  • schließen

Au/Hallertau - Die Errichtung eines Boardinghauses am Ortseingang von Reichertshausen (Markt Au) hat der Gemeinderat abgelehnt. Begründung: Der "XXL"-Bau ist zu wuchtig.

Bereits Mitte Januar war das Boardinghaus, das am Ortseingang von Reichertshausen geplant war, Thema im Gemeinderat. Obwohl viele Gemeinderäte dem Vorhaben grundsätzlich positiv gegenüberstehen, stand das Projekt bereits damals auf wackligen Beinen. Grund: Das Gebäude, in dem 15 kleinere Wohneinheiten vorgesehen sind, ist zu wuchtig, die Zufahrt aufgrund der unmittelbaren Nähe zur B 301 problematisch. Bevor man aber über das Bauvorhaben abstimmen wollte, sollte Architektin Sonya Goldbrunner Details bezüglich Stellplätze, Zufahrt, Ausgleichsflächen und Co. darlegen und eine Stellungnahme des Landratsamts einholen. Das hat sie nun getan.

Das Urteil von Kreisbaumeisterin Antonia Seubert fiel vernichtend aus: „Das Gebäude, das an einer topographisch markanten Stelle geplant ist, formiert und prägt eine neue Ortseingangssituation, die in der geplanten Umsetzung allerdings als negativ zu bewerten ist“, schrieb sie an die Gemeinde. „Das Vorhaben sprengt in seinen Ausmaßen den dörflichen Maßstab – dies wird durch die Lage am Hang noch verstärkt.“ Auch die Zufahrt zum Grundstück kann nach Seuberts Einschätzung „nicht gelöst“ werden.

Die Gemeinderäte waren angesichts der vorgelegten Pläne und Bilder gespaltener Meinung: Barbara Prügl (GoL) etwa ist „grundsätzlich für ein Boardinghaus, weil der Bedarf da ist“, jedoch empfindet sie den Bau als „arg wuchtig“. Sie würde zustimmen, wenn es „filigraner“ wäre. 2. Bürgermeister Hans Sailer (FWG) erinnerte daran, dass der Ort vom Abriss des einstigen Raiffeisen-Gebäudes profitiert habe. Mit dem „Riegel“, der nun geplant sei, „verschwindet die Kirche wieder“. Er werde dem Projekt an dieser Stelle „keinesfalls zustimmen“. Klaus Stuhlreiter (GoL), der im Januar das Projekt noch vorantreiben wollte, ruderte angesichts der neuerlichen Daten zurück: „Ich sehe nicht, dass das Gebäude integriert ist.“ Für Erika Wittstock-Spona (FWG) ist der Gebäudekomplex „an der Stelle unglücklich: Das ist viel zu mächtig.“ Das sah auch Martin Hellerbrand (CSU) so: Der „XXL-Bau“ sei für den Ort „prägend, aber nicht zum Vorteil“.

Mit dem Boardinghaus „anfreunden“ konnte sich indes 3. Bürgermeister Martin Linseisen (CSU), wenngleich es in „abgespeckter Version“ doch schöner wäre. Für Andreas Baumann (FWG) ist es „eine Schönheit im Vergleich zu dem, was in Au rumsteht“.

Letztlich fand das Projekt keine Mehrheit: Mit 8:12 Stimmen wurde es abgelehnt. Zu den Befürwortern zählten Barbara Prügl, Michael Hagl und Sabine Rabl (alle GoL), Franz Asbeck, Andreas Baumann und Stefan Grünberger (alle FWG) sowie Martin Linseisen und Lucia Schmidmair-Kaindl (beide CSU/PfW). Ob das Projekt an anderer Stelle, etwa in Au selbst, weiterverfolgt wird, bleibt offen – die Architektin war am Dienstag nicht anwesend.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ein Weg, Freisinger Geschichte lebendig zu machen
Unten lagen die Sonnenanbeter und genossen den Tag, oben beteten die Gäste und genossen den Anblick. Die Galerie der Brückenheiligen auf der Korbiniansbrücke bekam am …
Ein Weg, Freisinger Geschichte lebendig zu machen
Erzieher sein hat wieder Zukunft
Wenig Geld, kaum Möglichkeiten: Das Bild des Erziehers in der Öffentlichkeit ist nicht das Beste. Doch vieles hat sich geändert – und mit einem Abschluss an der …
Erzieher sein hat wieder Zukunft
Die Jungen rocken Kammerberg
Das Bandfestival rockte am Freitag Kammerberg. Auf Initiative von Michael Löwe, Lehrer an der Musikschule in Fahrenzhausen, heizten die jungen Schüler- und Newcomerbands …
Die Jungen rocken Kammerberg
Prinz Luitpold und die Traditionen
In der Veranstaltungsreihe „Schlossgespräche“ greift der Bundestagsabgeordnete Erich Irlstorfer (CSU) gesellschaftliche Themen auf: In der vierten Auflage und zugleich …
Prinz Luitpold und die Traditionen

Kommentare