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Hopfengarten in der Hallertau
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In der Hallertau gehen den Hopfenbauern wegen Corona die ausländischen Saisonkräfte aus. Nun wirbt man um heimische Helfer.

Pandemie-Auswirkungen treffen Landwirte

„Rettet das Bier!“ Hallertauer Hopfenbauern schlagen wegen Corona Alarm: Saisonkräfte dringend gesucht

  • Armin Forster
    vonArmin Forster
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Hopfenpflanzer schlagen Alarm: In der Hallertau stehen dringende Arbeiten an, doch wegen Corona bleiben ausländische Saisonkräfte fern. Die Bauern hoffen nun auf heimische Helfer.

  • „Rettet das Bier!“ So beginnt ein Hilferuf, der gerade via Facebook und WhatsApp die Runde macht. 
  • Urheber ist der Maschinenring Ilmtal mit Sitz in Pfaffenhofen. 
  • Seine Botschaft betrifft auch den Kreis Freising.

Hallertau – Die Hopfenpflanzer schlagen Alarm: Dieser Tage stehen in der Hallertau dringende Arbeiten an, die ausländische Saisonkräfte erledigen sollten. Doch wegen Corona kommen die nicht mehr ins Land. Die Bauern hoffen nun auf einheimische Helfer – und das längst nicht nur für den Hopfen. 

„Rettet das Bier!“ So beginnt ein Hilferuf, der gerade via Facebook und WhatsApp die Runde macht. Urheber ist der Maschinenring Ilmtal mit Sitz in Pfaffenhofen. Seine Botschaft betrifft auch den Kreis Freising.

Wenn es in den kommenden Tagen wärmer wird, müssen die Pflanzer überall in der Hallertau den Hopfen andrehen, also Triebe wie bei einer Kletterpflanze per Hand am Draht befestigen. Nur so wachsen sie nach oben. Ein Durchschnittsbetrieb hat 50.000 Stöcke. Es ist eine mühselige und anstrengende Arbeit, die seit Langem nur noch osteuropäische Saisonkräfte erledigen. Und genau das wird nun zum Problem.

Ausländische Erntehelfer könnten daheim ihren Job verlieren

Wegen der Corona-Ausbreitung werden Arbeiter aus Polen oder Rumänien heuer fernbleiben – nicht unbedingt, weil sie nicht einreisen dürften, sondern weil sie nach ihrer Rückkehr eine Quarantäne fürchten müssen. Denn Deutschland gilt in diesen Ländern als Risikogebiet. 

„Für viele Helfer könnte das daheim bedeuten, dass sie ihren regulären Job verlieren – weil sie für eine 14-tägige Quarantäne nicht genug Urlaub haben oder tatsächlich erkranken“, sagt Hans Wolf (51) vom Maschinenring Ilmtal.

Viele Bauern sind verzweifelt, denn die Zeit drängt

Bei seiner Organisation, die Landwirten eigentlich Geräte und hiesige Betriebshelfer vermittelt, steht derzeit das Telefon nicht mehr still. Dutzende Bauern haben schon verzweifelt nach Saisonkräften gefragt. Denn das Zeitfenster, in dem das Hopfenandrehen zwingend notwendig wird, ist eng und naht. Was nicht rechtzeitig am Draht rankt, kann im Sommer nicht geerntet werden. Dazu stehen Ende April weitere umfangreiche Arbeiten an: Dann geht es ans Ausputzen. In manchen Großbetrieben fehlen dafür heuer 25 Helfer.

Aus diesem Grund buhlt man nun bei Facebook und Co. um einheimische Kräfte: „Keine Hopfenernte = kein Bier“, heißt es im Appell. Stundenlöhne ab zwölf Euro netto würden von den Betrieben bezahlt – „und das ist nur die Verhandlungsbasis“, sagt Hans Wolf. Für Verpflegung ist laut einem ähnlichen Aufruf des Hopfenpflanzerverbands ebenfalls gesorgt.

Eine Idee: Kellner zu Saisonkräften in der Landwirtschaft machen

Der Freisinger Maschinenring-Geschäftsführer Wolfgang Lang (53) hofft in diesem Zusammenhang auf Unterstützung aus der Politik. „Jetzt wären Weisungen von Oben nicht schlecht, die besagen: Kellner, die derzeit wegen Corona eh nicht in der Gastronomie arbeiten dürfen, können unbürokratisch in der Landwirtschaft aushelfen.“

Franz-Xaver Hobmaier, Vorsitzender des Mainburger Maschinenrings.

„Die Lage ist dramatisch“, warnt auch Franz-Xaver Hobmaier, Vorsitzender des Mainburger Maschinenrings. Bei ihm sind viele Hopfenbauern aus dem Kreis Freising Mitglied. „Die Stimmung bei den Landwirten schwankt zwischen Hoffen und Bangen.“ Hobmaier und sein Team versuchen derzeit, Studenten als Saisonarbeiter anzuwerben. Der 50-Jährige ist selbst betroffen, seine Hopfengärten befinden sich in Rannertshofen nahe Mainburg. „Ich habe mit meinen Polen ausgemacht, dass sie erst nach Ostern kommen, sofern das Wetter passt.“ Denn auch seine Helfer müssten nach einem deutschen Arbeitseinsatz erst einmal in Quarantäne.

Auch Gemüse- und Obstbauern betroffen - Versorgung gerät in Gefahr

Die Not wegen der fehlenden Arbeiter beschränkt sich bei Weitem nicht auf den Hopfen. Landesweit stehen bei Gemüse- und Obstbauern in den kommenden Wochen unaufschiebbare Frühjahrstätigkeiten an, die letztlich über die Nahrungsmittelversorgung im Sommer und Herbst entscheiden. 

Nach dem Aufhängen der Drähte in Hopfengärten (Foto) steht bald das Andrehen der Triebe an. Doch die nötigen Arbeiter fehlen wegen Corona.

„Die Spargelbetriebe sind beispielsweise hektarweise von dem Ausfall der Erntehelfer betroffen“, sagt Franz-Xaver Hobmaier. Viele Verbraucher würden jedoch seiner Meinung nach von dem Problem nichts ahnen. „Manche denken wohl, ihr Gemüse wächst im Supermarkt.“

Im Laufe des Mittwochs hat Argrarministerin Michaela Kaniber nun verkündet, dass Saisonkräfte trotz aktueller Einreisebeschränkungen weiter problemlos ins Land kommen dürfen – mit speziellen Formularen. Marcus Kawasch (60), Chef des Maschinenrings Ilmtal, reagierte auf diese Mitteilung jedoch zurückhaltend. „Die Frage ist, ob sich damit das Problem mit der Quarantäne bei der Rückkehr löst.“ Das Formular helfe vielleicht, um politische Missverständnisse zu klären, sagt Kawasch. Die medizinische Beurteilung stehe aber am Ende womöglich auf einem anderen Blatt.

Infos für Hilfswillige: Hier kann jeder zum Saisonarbeiter werden

Wer seine Dienste als Saisonkraft in der Hallertau anbieten möchte, kann sich entweder an den nächsten Maschinenring wenden (Freising: Tel. 08167/9588610; Mainburg: Tel. 08751/845611; Ilmtal: Tel. 08441/788330) oder per E-Mail mit dem Deutschen Hopfenpflanzerverband Kontakt aufnehmen: info@deutscher-hopfen.de.

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