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Der Anfang ist gemacht: Sabina (l.) und Lena sind stolz auf die erste selbst gepflanzte Wildkirsche.

Klimaschutz im grünen Klassenzimmer

Handeln statt demonstrieren: Münchner Schüler pflanzen 80 Bäume in Auer Wald

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Die Siebtklässler der Münchner Anni-Braun-Schule wollten jetzt selbst etwas fürs Klima tun - und haben sich zu einer großen Pflanzaktion entschlossen.

Au/Hallertau – Die Schneise ist mehr als zehn Meter breit. Hier, im Forst zwischen Au und Haslach, wurde vergangenes Jahr eine neue Erdgas-Pipeline verlegt, die von Franken in den Kreis Erding führt. Mehrere hundert Bäume sind dem zum Opfer gefallen. Grundbesitzer Anton Freilinger möchte nun wieder aufforsten. Hilfe bekommt er dabei von den Siebtklässlern der Münchner Anni-Braun-Schule, die Freilingers Lebensgefährtin Verena Horné unterrichtet. Die Mädchen und Buben wollen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten – und an diesem Tag mehrere Dutzend Bäume pflanzen.

Theoretisch sind die elf Schüler gut vorbereitet. „Einer von ihnen war einmal auf einer der ,Fridays for Future’-Demos. Als Ausgleich für den Stundenausfall hat er einen Vortrag darüber gehalten“, erzählt Lehrerin Verena Horné. Doch besser als zu streiken fanden die Jugendlichen, selbst etwas zu verändern. Deshalb steht die Klasse 7a an diesem Tag gut ausgerüstet mit bunten Handschuhen, Spaten und Spitzhacken vor dem brachliegenden Hang im Wald. Bevor es an die Arbeit geht, erklären Förster Hans-Helmut Holzner und Waldarbeiter Stefan Elfinger, warum es so wichtig ist, gerodete Flächen wieder aufzuforsten. „Der Wald ist kein Holzacker“, sagt Holzner. „Er ist vor allem ein gesunder Lebensraum, mit dem wir so umgehen müssen, dass er erhalten bleibt.“

Voller Körpereinsatz: (v. l.) Thomas, Elias und Amon bereiten die Löcher für die Setzlinge vor.

Dann macht sich die Truppe ans Werk: Zuerst müssen die Schüler in Gruppen die Fläche vermessen und mit rot-weißen Stäben markieren, wo die kleinen Wildkirschen, Buchen und Eichen gepflanzt werden sollen. „Achtet auf die Hölzer, die die Gasleitung markieren“, erinnert der Förster immer wieder. Dort dürfe natürlich nicht gegraben werden. Als alle Markierungen stehen, gibt Holzner den Startschuss. „Aber hier geht es nicht um Schnelligkeit“, betont er. Am wichtigsten seien Gründlichkeit und Sorgfalt. „Denkt daran: Das Bäumchen, das ihr jetzt setzt, steht hier mindestens 60 Jahre – vielleicht sogar länger.“ Die Schüler nicken pflichtbewusst und legen los.

Waldbesitzer hat Vermutung, woher die Hindernisse im Untergrund stammen

Die Löcher für die Setzlinge auszuheben, ist allerdings gar nicht so einfach. Der Boden ist recht trocken, und er besteht nicht nur aus Erdreich. Die Buben und Mädchen, die eifrig werkeln, graben dicke Äste und sogar Steine aus. „Die Firma, die die Gasleitung verlegt hat, hat nur darauf geachtet, dass die Fläche von außen in Ordnung ausschaut – was drin ist, war ihnen offenbar egal“, sagt Grundbesitzer Freilinger.

Doch Jammern hilft nicht, denn auf dem Bulldog-Anhänger warten die Setzlinge. Mithilfe von Freilinger und seinem Team schaffen es die Jugendlichen schließlich, die Löcher groß genug zu buddeln. Fast feierlich setzen Lena und Sabina das erste Bäumchen, eine Wildkirsche, in den Boden. „Das macht echt Spaß“, meint Sabina. Lena ergänzt: „Man sieht, dass man selbst etwas für die Natur tut.“ Die Mädchen klopfen die Erde gut fest und machen sich auf, um die nächste Kirsche zu pflanzen.

Gut zwei Stunden sind die elf Schüler fleißig am Werkeln – und danach etwas geschafft, aber sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Ihren Beitrag zum Klimaschutz kann nun jeder sehen. Mindestens 60 Jahre lang.

Auch lesenswert: In der Nachbargemeinde von Au, im Markt Nandlstadt, ist den Baumgartner Burschen einen Maibaum-Diebstahl gelungen. Das Besondere: Sie wilderten dafür im Nachbarlandkreis. Und dabei hielten sie sich streng an die goldenen Regeln für Maibaum-Diebstähle. Kennen Sie alle?

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