Eine Seniorin wird von einer Person mit einem Kuscheltier unterhalten.
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Entlastung im Alltag: Tagespflegeeinrichtungen unterstützen Angehörige und Pflegebedürftige - bald auch in Au/Hallertau. (Symbolbild)

Umdenken im Gremium

Kehrtwende im Auer Marktrat: Senioren-Tagespflege darf nun doch ins Gewerbegebiet ziehen

  • Andreas Beschorner
    VonAndreas Beschorner
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Pflegende Angehörige in Au/Hallertau können sich bald Unterstützung holen: Der Marktrat lässt nun doch eine Tagespflege für Senioren im Gewerbegebiet zu.

Au/Hallertau – Im Juli hatte der Bauausschuss noch mit 3:5 Stimmen Nein gesagt, jetzt hat der Marktgemeinderat Au doch Ja gesagt: Jürgen Frieling, Geschäftsführer der Elme Service GmbH, darf das Gebäude am Gewerbering 1 in Seysdorf an Agnes Kapus vermieten, die dort eine Tagespflege für Senioren einrichten will. Gegen vier Stimmen wurde beschlossen, im gültigen Bebauungsplan für das Gewerbegebiet diese Einrichtung für soziale Zwecke ausnahmsweise zuzulassen. Grund für den Sinneswandel: Frieling und Kapus stellten ihr Projekt am Dienstag im Marktgemeinderat persönlich vor.

Dass aus dem derzeitigen Großraumbüro am Gewerbering 1 mit seinen 180 Quadratmetern Fläche durch kleinere Umbauten eine Tagespflegeeinrichtung werden soll, hatte man im Juli vor allem deshalb kritisch gesehen, weil man dadurch einen Präzedenzfall schaffen würde, obwohl man im Bebauungsplan explizit eine solche Nutzung ausgeschlossen hatte. Diese Bedenken gab es auch am Dienstag: Florian Schwaiger (CSU) beispielsweise argumentierte, dass eine solche Einrichtung wegen der Lärmbelastung in einem Gewerbegebiet nicht zugelassen werden solle. Martin Linseisen (CSU) fand eine solche Tagespflege eigentlich „top“, aber eben nicht in einem Gewerbegebiet. Ähnlich Beatrix Sebald (FWG): „Prinzipiell“ befürworte sie selbstverständlich eine Tagespflege für Senioren, aber wenn man diesem Vorhaben nun zustimme, schaffe man einen „Präzedenzfall“.

„Her damit!“

Frieling konnte allerdings die Mehrheit der Gemeinderäte beruhigen: Man habe nur einen Nachbarn – und das sei eine „sehr ruhige Firma“. Franz Asbeck (FWG) betonte außerdem, möglicherweise entstehender Lärm sei ja doch wohl dann das Problem des Betreibers, er habe mit einer Ausnahmegenehmigung „kein Problem“. Und Michael Hagl (GoL) ergänzte, diese Tagespflege sei ja „auch eine Art Gewerbe“, also: „Her damit!“

Denn dass es einen Bedarf für diese Einrichtung gebe, stand nicht nur für Hagl, Rita Straßberger (GoL; „Wir brauchen so etwas“) und Lucia Schmidmair-Kaindl (CSU) außer Frage, sondern für den gesamten Marktgemeinderat. Deshalb konnte auch Barbara Prügl (GoL) „nicht ganz verstehen, wieso der Bauausschuss Nein gesagt hat“. Jetzt hat also die klare Mehrheit des Gemeinderats Ja gesagt.

Senioren aus einem Umkreis von 15 Kilometern können aufgenommen werden

Kapus quittierte diese Entscheidung mit einem dreifachen „Danke“, sei ihr diese Einrichtung doch ein Herzensanliegen. Denn das Angebot entspreche dem größten Wunsch von Senioren, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben zu können. Da sei eine solche Tagesstätte, die tagsüber für Pflege, Verpflegung und Beschäftigung sorge, außerdem die pflegenden Angehörigen entlaste, ein zentraler Baustein.

Zwölf Gäste wird die teilstationäre Einrichtung also pro Tag aufnehmen, im Angebot enthalten ist außerdem ein Fahrdienst, der die Senioren aus einem Umkreis von rund 15 Kilometern nach Seysdorf und wieder nach Hause bringt. Geöffnet sein wird die Tagesstätte an den Wochentagen zwischen 9 und 17 Uhr, ein Team von wahrscheinlich vier Personen wird sich „professionell und liebevoll“, so Kapus, um die Senioren kümmern. Lediglich bettlägerige Senioren könne man nicht aufnehmen. Die Buchung ist tageweise möglich.

Mit dem Gebäude am Gewerbering 1 habe sie „das perfekte Objekt“ gefunden – modern, geräumig, hell und nach „ein bis zwei kleinen Umbauten“ auch barrierefrei, so die aus Ungarn stammende gelernte Krankenschwester Agnes Kapus, die seit 2008 in Deutschland lebt, sich vor zehn Jahren selbstständig gemacht hat und in Nandlstadt wohnt.

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