Glasfaserkabel
+
Schnelles Internet soll mit Glasfaser im Markt Au für die Bürger angeboten werden. (Symbolbild)

Experte erklärt Ist-Zustand und weiteren Breitband-Fahrplan

Markt Au kommt schnellem Internet für alle ein Stückchen näher

Ein Breitbandausbau-Experte hat jetzt im Markt Au über die Anforderungen an den Glasfaserausbau, den aktuellen Zustand und den notwendigen Fahrplan berichtet.

Au/Hallertau – Es ist bereits seit über zwei Jahren im Gespräch, jetzt bekam das Vorhaben dann endlich Hand und Fuß: In der Sitzung des Auer Marktrats am Dienstag wurde der Masterplan zum Breitbandausbau in der Gemeinde vorgestellt.

Schnelles Internet ist längst nicht mehr nur ein Wunsch vieler, um schneller Surfen zu können. In Zeiten der Digitalisierung und mitten im Lockdown, durch den viele Menschen aus den heimischen vier Wänden heraus arbeiten, ist eine reibungslose und schnelle Internetverbindung essenziell wichtig. Das weiß auch Michael Räbiger: „Der Breitbandausbau ist ein Riesen-Thema.“ Der Experte der Firma Corwese, die sich auf den Breitbandausbau spezialisiert, erklärte den Marktgemeinderäten am Dienstag den Masterplan und den aktuellen Stand des Marktes.

Zunächst fasste Räbiger zusammen, welche Faktoren denn eigentlich eine bessere Internetleistung benötigen. Hier gibt es zwei klare Sieger: „IP-Fernsehen braucht eindeutig am meisten Internet“, so der Experte. Wer also reibungslos Filme und Serien streamen wolle, der werde über kurz oder lang auf Glasfaser angewiesen sein. Streaming sei insgesamt eine immer beliebtere Methode des Fernsehens. Besonders während der Pandemie hätten die Online-Mediatheken einen wahren Boom erlebt. Kein Wunder also, dass das Internet-TV ein treibender Grund für den Breitbandbedarf in Privathaushalten darstelle.

Es gibt jedoch laut Räbiger noch einen weiteren Internet-Fresser, der ebenso auf dem Vormarsch ist wie das Streamen: die berühmte „Cloud“. Auch hierfür hat der Experte von Corwese eine genauere Erklärung für das Gremium parat: „Wenn man gemütlich im Internet surft, dann muss nur der Download von Daten mit einer bestimmten Geschwindigkeit funktionieren. Wenn man allerdings im Homeoffice arbeitet, dann werden wichtige Daten längst nicht mehr auf dem Rechner gespeichert, sondern sofort in die Cloud hochgeladen.“ Dieser Upload habe den Vorteil, dass Mitarbeiter an verschiedenen Orten sich nicht jedes Dokument manuell hin- und herschicken müssten. Was für Menschen im Homeoffice also unverzichtbar sei, stelle einen weiteren Grund dar, der nach dem Breitbandausbau schreie.

Der Bedarf sei also gegeben. Als Nächstes war der Ist-Zustand nochmal Thema im Gremium. Während bis vor wenigen Jahren Kupferkabel das Internet in die Häuser lieferten, wurden bereits einige Strecken durch die deutlich schnelleren Glasfaserkabel ersetzt. Die Vorgabe des bayerischen Förderprogramms sei gewesen, dass jeder Haushalt im Freistaat eine Internetgeschwindigkeit von mindestens 30 Mbit/s zu Hause empfangen könne. „Insgesamt hat das auch gut geklappt, es gibt jedoch noch knapp 40 Haushalte im Marktgemeindegebiet, die weit darunter liegen“, berichtete Räbiger. „Die Betroffenen empfangen fünf, höchstens zehn MBit/s in ihren vier Wänden.“ So müsse nun also die High-End Lösung her, bei der die verbliebenen Kupferkabel restlos durch Glasfasertechnik ersetzt werden. „Der größte Vorteil bei Glasfaserkabeln ist, dass die Länge der Kabel keine Minderung des Internets mit sich zieht“, erläuterte der Referent im Gremium.

Das große Problem: die hohen Kosten

Das Endziel laute: In acht bis zehn Jahren soll flächendeckend jeder Haushalt und jedes Firmengebäude mit Glasfaser versorgt sein. Was zunächst machbar klingt, hat jedoch ein Problem: den Kostenpunkt. Um ein flächendeckendes Glasfasernetz zu ermöglich, muss jedes einzelne Gebäude angegraben werden. Die Kosten hierfür belaufen sich auf rund 70 Euro pro Quadratmeter unbefestigten Boden. Die gleiche Fläche befestigten Boden aufzugraben kann mit 250 Euro einkalkuliert werden.

„Es muss in jedes Gebäude ein Rohr gelegt werden, in das dann Glasfaser eingeblasen werden kann“, so Räbiger. „Man muss also zwingend an jedes Haus heran, auf jedes Grundstück und in jeden Garten.“ Deshalb spielt die sogenannte Mitverlegung im Masterplan der Firma Corwese eine zentrale Rolle. Grob gesagt heißt das: Man nutzt jede Grabungsarbeit, die die kommenden Jahre geplant ist, um dann gleich die Leerrohre in den Straßen zu verlegen. Für das Marktgebiet bedeutet das konkret: Im Jahr 2021 können beim Ausbau der Schmiedgasse, der Schmellerstraße und der Unteren Hauptstraße in Au, sowie bei der Verlängerung des Gehwegs in der Holzmair Straße mit einem relativ geringen Mehraufwand die nötigen Rohre für das Glasfasernetz mitverlegt werden. In diese kann dann, bei Bedarf, jederzeit Glasfaser eingeblasen werden.

Bei der Leerrohrverlegung in den betreffenden Straßen kommen auf die Kommune 104 500 Euro zu. Den geplanten Maßnahmen mit dem einhergehenden Kostenfaktor stimmte das Gremium um Bürgermeister Hans Sailer dann auch einstimmig zu. Somit ist die Marktgemeinde nun einen Schritt näher dran am schnellen Internet.
Pascale Fuchs

Mehr Infos zum Thema gibt es online unter www.markt-au.de/breitbanderschliessung.

Neues kostenloses Angebot: Moosburger Eisstadion wird zur Coronatest-Arena

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare