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Gemeinde will Neubau wegen Hochwasser verhindern und verliert Prozess - jetzt ist dort Land unter

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Von: Armin Forster

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Befürchtungen bestätigt: Am Montag war eine Baustelle an der Auer Bergmannstraße von Regenwasser umspült.
Befürchtungen bestätigt: Am Montag war eine Baustelle an der Auer Bergmannstraße von Regenwasser umspült. © Markt Au

Der Markt Au wollte einen Neubau gerichtlich verhindern, aus Sorge vor Hochwasser. Die Klage scheiterte. Nun steht die Baustelle tatsächlich unter Wasser.

Au/Hallertau – „Land unter in der Bergmannstraße“: Mit dieser Überschrift und einer eindringlichen Pressemitteilung hat der Auer Bürgermeister Karl Ecker am Montag seinem Ärger über ein Bauvorhaben Luft gemacht. Er erhebt dabei schwere Vorwürfe gegen das Landratsamt Freising – das wiederum verweist auf die Rechtslage und beurteilt die Situation deutlich weniger dramatisch.

Im Juli 2018 hatte die Kreisbehörde den Neubau eines Mehrfamilienhauses an der Bergmannstraße genehmigt. Weil im Markt Sorgen bezüglich Hochwasser aufkamen, verweigerte man dem Antrag das Einvernehmen. Doch das Landratsamt ersetzte dieses und verwies darauf, dass das Grundstück weder „in einem festgesetzten noch in einem vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebiet“ liege.

Gutachter und Wasserwirtschaftsamt sehen keine großen Probleme

„Da das Grundstück aber tatsächlich von Überschwemmungen betroffen sein kann“, wie Landratsamtssprecher Robert Stangl einräumt, „hat die Untere Bauaufsichtsbehörde vom Bauherren eine 2D-Berechnung für den Fall eines hundertjährigen Hochwassers angefordert“. Das Gutachten habe ergeben, dass durch das geplante Haus 105 Kubikmeter Retentionsraum verloren gingen. Stangl: „Aus diesem Grund wurde die Auflage verfügt, dass der verlorene Stauraum durch Abgrabungen auf dem Nachbargrundstück wiederherzustellen ist.“ Der Behörde sei momentan nicht bekannt, ob die Abgrabungen schon durchgeführt worden seien, hieß es am Montagabend. „Nach Abschluss der Baumaßnahmen wird dies aber im Rahmen der Aufsicht überprüft.“

Wie der Sprecher ausführt, sei auch das Wasserwirtschaftsamt München im Verfahren zu dem Ergebnis gekommen, dass durch den Bau „keine erheblichen Beeinträchtigungen der Hochwasserrückhaltung und des Abflussgeschehens zu erwarten“ seien. Stangl: „Aus diesem Grund gab es für das Landratsamt keine rechtlichen Gründe, die Baugenehmigung abzulehnen.“

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Die Marktgemeinde klagt - und verliert

Aus Eckers Sicht ein schwerer Fehler: „Obwohl mit den derzeitigen Regenereignissen keineswegs von einem hundertjährigen Hochwasser gesprochen werden kann, haben sich unsere Befürchtungen leider schon bestätigt“, schrieb er in seinem offenen Brief – und legte Fotos von der Baustelle bei. Darauf ist zu sehen, wie der Bau von braunem Wasser umringt ist. Bereits in den frühen Morgenstunden des Montags seien die Garagen unterspült und die künftigen Stellplätze komplett überschwemmt gewesen, betont Ecker.

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© Markt Au

Nach der Genehmigung hatte der Markt Au Rechtsmittel eingelegt. Doch die Klage wurde vom Bayerischen Verwaltungsgericht abgewiesen. Im Landratsamt erklärt Robert Stangl, warum: Das Gericht habe nach einem Ortstermin geurteilt, „dass das genehmigte Vorhaben weder für seine Bewohner noch für die Nachbarschaft rechtlich relevante Gefahren durch Hochwasserereignisse verursacht“. Das habe auch daran gelegen, dass nach den genehmigten Plänen Vorkehrungen getroffen worden seien. Stangl: „Zum einen wurde der Hauseingang höher angelegt, zum anderen sind – wie auf den Fotos ersichtlich – Wohn- und Kellerräume nicht betroffen.“ Der Keller im Hanggeschoß sei durch bauliche Vorkehrungen vor dem Eindringen von Wasser geschützt. Wohnräume seien im Hanggeschoß nicht geplant.

„Sorgenkind mit höchstrichterlichem Beschluss geerbt“

Laut Karl Ecker will der Markt Au nun in Berufung gehen, der Antrag laufe. „Unabhängig von den nicht nachvollziehbaren Entscheidungen des Landratsamts und der Justiz sind jetzt die Eigentümer, die sich dort eingekauft haben, die Leidtragenden der Situation“, beklagt Ecker. Und auch der Markt habe somit wieder „ein weiteres ,Sorgenkind‘ mit höchstrichterlichem Beschluss geerbt“.

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