Heikler Fund: Am Klosterberg wurde im Frühjahr 2019 Material zutage gefördert, das das Grundwasser belasten könnte. Nun geht es an die Detailuntersuchung.
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Heikler Fund: Am Klosterberg wurde im Frühjahr 2019 Material zutage gefördert, das das Grundwasser belasten könnte. Nun geht es an die Detailuntersuchung.

„Können nicht die Augen verschließen“

Mülldeponie am Auer Klosterberg: Untersuchungen sollen Klarheit bringen – Sorge um Kosten

  • Magdalena Höcherl
    vonMagdalena Höcherl
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Auf der ehemaligen Mülldeponie am Klosterber in Au sollen jetzt Untersuchungen Klarheit über die Belastungen bringen. Doch die Kosten bereiten Kopfzerbrechen.

Au/Hallertau – Eine laut Bürgermeister Hans Sailer „lange, aber hoffentlich nicht unendliche Geschichte“ dominierte die jüngste Sitzung des Auer Marktgemeinderats: die Sanierung der Spiel- und Freizeitanlage am Klosterberg. Wie berichtet, wurde dort bei Probebohrungen im Frühjahr 2019 eine rund 80 Jahre alte Müllhalde gefunden, die sowohl Grundwasser als auch Gelände belasten könnte. Nun muss der Boden genauer untersucht werden. Doch das birgt einige Probleme – und möglicherweise enorme Kosten.

Die Auffüllung sei sehr alt und damals nicht illegal gewesen, berichtete Gutachter Dieter Zerbes den Räten am Dienstag. Seit etwa 20 Jahren gibt es jedoch das Bundesbodenschutzgesetz, nach dem nun am Klosterberg geprüft werden müsse, inwiefern von der alten Müllhalde eine Gefährdung für das Grundwasser und den Menschen ausgeht.

Die Vorgehensweise ist abgestuft: Zunächst müsse es einen Anfangsverdacht geben, dann eine historische Erkundung, um Daten zu sammeln. Dazu gehöre etwa das Durchforsten von Archiven oder die Befragung von Zeitzeugen. Erst dann würden orientierende Untersuchungen an der Fläche selbst – in Au ist diese etwa 3500 bis 4000 Quadratmeter groß – gemacht. „Bei der damaligen Prüfung hat man Überschreitungen festgestellt“, erklärte Zerbes. Der Verdacht auf mögliche Altlasten im Boden habe sich erhärtet.

Möglicherweise Sanierungsmaßnahmen erforderlich

Jetzt gehe es an die Detailuntersuchung. Dabei gelte es, die seitliche sowie die Tiefenerstreckung der Deponie herauszufinden. Dann gebe es laut Zerbes zwei Optionen: Einerseits könne es sein, dass von der alten Müllhalde keine Gefahr für das Grundwasser oder den Menschen ausgehe. „Dann ist das keine Altlast im Sinne des Gesetzes – und das Ganze wird eingestellt.“ Andererseits könnten aber Schadstoffe gefunden werden, die ausgewaschen werden könnten. Dann stünden entsprechende Sanierungsmaßnahmen an, deren Ausmaß derzeit noch nicht abzuschätzen sei. „Wegen der gestuften Vorgehensweise, dieser Salamitaktik, sind auch noch keine Kosten prognostizierbar“, erklärte Zerbes. Das gelte auch für den zeitlichen Ablauf, nach dem sich Barbara Prügl (GoL) erkundigte: Die Geschwindigkeit bestimme die Gesellschaft zur Altlastensanierung in Bayern (GAB), auf deren finanzielle Unterstützung der Markt hofft.

Stichwort Finanzen: Beatrix Sebald (FWG) und ihr Fraktionskollege Andreas Baumann wollten wissen, ob Anwohner ebenfalls in der Pflicht stünden. Ingenieur Zerbes hatte keine guten Nachrichten: Grundstückseigentümer seien laut Gesetz aber der Detailuntersuchung, also ab jetzt, verpflichtet, sich an den Kosten zu beteiligen – das könne tatsächlich existenzgefährdend sein. Rathauschef Sailer sagte: „Wenn sich der Verdacht, vor allem in Sachen Grundwasser, erhärtet, geht es um Summen, die ich jetzt gar nicht erwähnen möchte.“ Zumal sei ungewiss, inwieweit die GAB das Projekt tatsächlich fördere.

Rita Straßberger (GoL) zeigte sich „entsetzt“ ob dieser Nachrichten. Sie fragte, ob der Markt im Notfall nicht doch noch einen Rückzieher machen und statt des geplanten Spielplatzes nur eine Grünfläche realisieren könnte? „Wenn das Grundwasser betroffen ist, gibt es keinen Rückzieher“, sagte Zerbes.

„Das ist eine schwierige Situation, aber wir können nicht die Augen davor verschließen“, resümierte der Bürgermeister. Nach und nach müssten nun alle notwendigen Schritte getan werden. „Das alles ist nicht erfreulich. Wir können nur hoffen, dass es glimpflich abläuft.“

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