Ein Arzt misst Blutdruck bei einem Patienten.
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Medizinisch unterversorgt ist derzeit der Markt Au. Und obwohl es Bemühungen um eine Lösung gibt, könnte der Zustand noch Monate andauern. (Symbolbild)

Hängepartie befürchtet

Praxis geschlossen, Patienten verunsichert: Tauziehen um ärztliche Versorgung in Au/Hallertau

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Nach der Schließung der Auer Ärztegemeinschaft herrscht große Ungewissheit, wie und vor allem wann es weiter geht. Die Lage ist verzwickt.

Au/Hallertau – Seit 5. März sind die Türen der Praxisgemeinschaft von Marina Kufner und Johannes Guggenmos in Au geschlossen. Ein Zettel an der Tür zur Praxis an der Pfaffenhofener Straße verkündet, man sei „tieftraurig“, das Ende der Ärztegemeinschaft in Au mitteilen zu müssen. Die Patienten sind verunsichert, wie es weitergeht, steht in den Sternen. Vorgänger und Vermieter Anton Freilinger versucht derzeit, über eine Notfallverordnung eine kassenärztliche Zulassung zu erhalten. Ob das aber klappt – vielleicht sogar noch vor Ostern –, sieht Freilinger allerdings eher skeptisch. Und auch die Bemühungen von Bürgermeister Hans Sailer waren bisher nicht von Erfolg gekrönt.

Rechtsstreit im Hintergrund

Eigentlich ist der Planungsbereich Au mit 110,85 Prozent ärztlich überversorgt. Doch wenn jetzt dann die Gemeinschaftspraxis in Au „wegen eines Rechtsstreits“, wie die Kassenärztliche Vereinigung (KV) schreibt, aufgegeben wird, ändert sich das Bild. Dann ist in Au eine Unterversorgung gegeben, die gerade auch in Corona-Zeiten die Patienten verunsichert. Guggenmos bedauert, dass die Tätigkeit seiner Ärztegemeinschaft Au endet. Er will sich ebenso wie Vorgänger und Vermieter Anton Freilinger zu den privatrechtlichen Streitigkeiten nicht äußern.

Vergebliche Mühen des Bürgermeisters

Die ungute Entwicklung hinsichtlich der ärztlichen Versorgung in Au hat auch Bürgermeister Hans Sailer auf den Plan gerufen: Seine Bemühungen, „eine Einigung über die Weiterführung der Praxis zu erreichen“, seien leider nicht erfolgreich gewesen, teilte er dem Tagblatt mit. Auch ein Antrag von Guggenmos auf Nutzungsänderung von Büro- in Praxisräume im Gewerbegebiet, die auf eine Fortführung der Praxis an anderer Stelle gedeutet hatte, sei „überraschend und kurzfristig“ vom Antragsteller zurückgezogen worden, berichtet Sailer. Zwei Mal habe er auch schon die Kassenärztliche Vereinigung kontaktiert, um auf die prekäre Situation in Au hinzuweisen. Er könne nur hoffen, dass die Zulassungen zeitnah wieder vergeben werden. Doch danach sieht es laut Freilinger nicht unbedingt aus.

Hängepartie für Patienten befürchtet

Eigentlich war Freilinger nämlich, so berichtet er dem FT, guter Hoffnung, dass die von ihm gegründete Ärztegemeinschaft nach der Übergabe an Guggenmos gut weiterlaufen werde. Doch es kam anders. Als sich im Verlauf des Jahres 2020 zeigte, dass es mit der Ärztegemeinschaft nicht weitergehen werde, habe er sich bereits Ende 2020 um eine kassenärztliche Zulassung für die Praxis bemüht, so Freilinger. Doch die Kassenärztliche Vereinigung, laut Freilinger „eine träge Institution“, habe das abgelehnt. Begründung: Die für den Bereich, zu dem der Markt Au gehört, vier freien Zulassungen sollen ausgeschrieben werden. Und das, obwohl es die Kernaufgabe der KV sei, die ärztliche Versorgung sicherzustellen.

Dieses Vergabeverfahren startet aber erst im April. Rechne man die Fristen dazu, sei mit einer Vergabe wohl erst im Juni zu rechnen. Freilinger, für den eine privatärztliche Tätigkeit nicht infrage kommt, teilte auf Anfrage des FT mit, er versuche nun mithilfe eines Anwalts, eine Notfallzulassung zu erhalten, um vielleicht doch noch ab April die ärztliche Versorgung der Bürger und Patienten in seiner jetzt verwaisten Praxis an der Pfaffenhofener Straße nahtlos sicherstellen zu können. Die müssen nämlich bereits seit dem 5. März nach Zolling in die Praxis von Andreas Podlaski fahren, der bis Ende März die Vertretung von Kufner und Guggenmos übernimmt.

Die Zeit drängt auch wegen der Impfungen

Freilinger betont, sein Team stehe parat, würde jederzeit zusammen mit ihm loslegen. Das sei, so ergänzt er, wichtig – schließlich seien Hausärzte demnächst besonders gefragt, wenn es um Impfungen gegen Covid-19 gehe. Er selbst engagiere sich bereits im Impfzentrum Freising, würde auch bettlägerige Patienten, die nicht ins Impfzentrum gelangen könnten, zu Hause impfen, wenn er denn eine Zulassung erhalte.

Dass Anton Freilinger dann auch einen Nachfolger findet, der seine Praxis übernehmen und fortführen könne, steht ganz oben auf seiner Liste. Doch das sollte ein Arzt sein, der aus der Gegend komme, sich hier auskenne und deshalb mit Herzblut bei der Sache sei, betont der Mediziner.

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