1. Startseite
  2. Lokales
  3. Freising
  4. Au/Hallertau

Flüchtlinge in Abens „einfach abgeliefert“: Helferkreis und Landratsamt erklären sich

Erstellt:

Von: Andrea Beschorner

Kommentare

Seit Dienstag gibt es in Au und Abens Mitfahrbankerl, damit die Geflüchteten zum Einkaufen kommen. Zeyniddin und seine Tochter Mariam (8) mussten am Mittwoch in Abens nicht lange warten, bis sie nach Au mitgenommen wurden.
Seit Dienstag gibt es in Au und Abens Mitfahrbankerl, damit die Geflüchteten zum Einkaufen kommen. Zeyniddin und seine Tochter Mariam (8) mussten am Mittwoch in Abens nicht lange warten, bis sie nach Au mitgenommen wurden. © Hellerbrand

Der Helferkreis für Geflüchtete leistet in der Marktgemeinde Au vorbildliche Arbeit. Doch die BI Au wünscht sich eine bessere Kommunikation mit dem Landratsamt.

Au/Hallertau – In Abens, einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Au, sind am Dienstag der vergangenen Woche 39 Menschen aus der Ukraine angekommen, darunter 14 Kinder. Den genauen Termin kannten weder die Gemeinde noch die BI Au, die sich mit rund 15 Mitgliedern ehrenamtlich um Geflüchtete kümmert. „Das hat uns völlig überrascht, wir wussten von nichts.“ So hat es der Bürgermeister der Marktgemeinde Au, Hans Sailer, am Dienstag in der Gemeinderatssitzung formuliert. Das Landratsamt hingegen beteuert: „Es wurden sowohl der 1. Bürgermeister als auch den Helferkreis in Au vorab schriftlich informiert.“

Was ist hier schief gelaufen? Die 3. Bürgermeisterin von Au, Beatrix Sebald, die sich auch selbst aktiv in der BI Au engagiert, will niemandem den schwarzen Peter zuschieben. Fakt sei jedoch, dass es oftmals an der Kommunikation mit der Behörde scheitere. „Wir wissen, was die dort leisten, würden uns aber im Gegenzug wünschen, dass auch wir Ehrenamtliche ernst genommen werden und unsere Arbeit wertgeschätzt wird“, sagt Sebald. Denn: „Es geht nur miteinander.“

Hilfsbereitschaft der Menschen und Dankbarkeit der Geflüchteten sind überwältigend

Franz Asbeck, Gemeinderat in Au und ebenfalls aktiver BI’ler ergänzt auf FT-Nachfrage: „Es wäre schön, wenn die Verantwortlichen erkennen würden, dass wir ihnen viel Arbeit abnehmen und keine zusätzliche machen. Wir entlasten das Landratsamt.“ So hat der Helferkreis in Au vier Ukraine-Dolmetscher am Start, die das Miteinander um ein Vieles einfacher machen. Es gibt eine WhatsApp-Gruppe der BI, über die auf dem „kurzen Dienstweg“ alles, was den Menschen an Alltagsgegenständen fehlt, organisiert wird. „Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist überwältigend“, betont Asbeck, Die Dankbarkeit der Menschen, die hier ankommen, ebenso.

Über jenen Dienstag vergangener Woche, als die Flüchtlinge in Abens „einfach abgeliefert wurden“, berichtete Beatrix Sebald in der Marktgemeinderatssitzung: Bürger aus Abens hätten mitgeteilt, dass Flüchtlinge gebracht worden seien. Zusammen mit Franz Asbeck habe sie sich sofort auf den Weg gemacht: „Die Leute hatten weder etwas zu essen noch zu trinken und seit dem Frühstück nichts mehr gegessen“, berichtet Sebald. Die Vertreter der BI hätten schnell zwei Autos voll mit Lebensmittel eingekauft, um alle mit dem Nötigsten zu versorgen.

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Freising-Newsletter.)

Auch diesbezüglich hat das FT beim Landratsamt nachgefragt. „Der Umzug von der Turnhalle in Moosburg nach Abens war um 11 Uhr abgeschlossen, sodass alle Bewohner ausreichend Zeit hatten, sich im Ort zu erkundigen“, erklärt Landratsamtssprecherin Eva Zimmerhof. Und: Einer der Bewohner fahre ein großes Auto und habe sich gleich angeboten, für den ersten Tag einkaufen zu gehen. Weder Asbeck noch Sebald können das bestätigen: „Von den Flüchtlingen hat definitiv keiner ein Auto.“

Mitfahrbankerl: Damit die Menschen zum Einkaufen kommen

Zwischenzeitlich ist die BI kreativ geworden: Seit Dienstag gibt es nun in Abens und an der Pfaffenhofener Straße in Au sogenannte Mitfahrbankerl, die der Bauhof aufgestellt hat, damit die Menschen nach Au zum Einkaufen kommen. Sebalds Appell an alle Bürger: „Wenn Sie dort vorbeifahren, und jemand am Bankerl sehen, bitte halten Sie an und nehmen denjenigen mit nach Au oder zurück nach Abens.“

Eine Begegnung mit einer jungen Frau habe Sebald besonders beeindruckt: „Sie hat mir erzählt, dass sie die letzten vier Wochen nur geweint hat. Jetzt, seit sie in der Unterkunft in Abens ist, kann sie endlich wieder lächeln.“

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Freising finden Sie auf Merkur.de/Freising.

Auch interessant

Kommentare