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Die Chefin hält viel von ihrem Schützling: Margit Gantner (M.) vom Auer Friseursalon „Carisma“ hat für den engagierten Azubi Kovan (19) nur Lobesworte übrig.

19-Jähriger begeistert seine Mitmenschen

Vom Flüchtling zum Friseur-Azubi: Kovan, ein echter Gewinn für Au

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Er floh mit 17 aus Mossul, lebte in einer Freisinger Turnhalle - und hat es inzwischen zu einem geschätzten Mitglied des Marktes Au gebracht: Das ist die Geschichte von Kovan, dem fleißigen Friseur-Azubi.

Au/Hallertau – Er hat stets ein freundliches Lächeln im Gesicht, er ist immer höflich, er ist extrem motiviert und interessiert. Sein Name: Kovan. Sein Alter 19. Seine Heimat: der Irak, genauer Mossul in Kurdistan. Mit 17 kam Kovan im Juni 2015 in Deutschland als Flüchtling an. Jetzt hat er bereits ein halbes Jahr Ausbildung zum Friseur bei „Carisma“ in Au hinter sich. Und alle, wirklich alle sind von Kovan begeistert.

Die Kunden, meist Kundinnen, finden ihn „supernett“, „sie stehen alle auf ihn“, beschreibt Margit Gantner, die Chefin von „Carisma“ und seit 1. August die Ausbilderin für Kovan, die Reaktionen der Damen im Salon. Und das kommt nicht von ungefähr, denn Kovan ist einer, den Gantner nicht mehr missen will.

2015 bis 2016 war er zunächst in der Turnhalle an der Wirtschaftsschule in Freising untergebracht, seit September 2016 lebt er im Caritas Alveni Jugendhaus in Au. Weil es schwer sei, Auszubildende im Handwerk zu finden, habe sie im September 2016 dem jungen Flüchtling ein einwöchiges Praktikum mit anschließender Hospitation angeboten, erzählt Gantner.

Vor der Ausbildung stand eine riesige Hürde

Und siehe da: Kovan war begeistert von der Arbeit, Gantner war begeistert von Kovan. Doch bevor der Iraker eine Ausbildung anfangen konnte, gab es eine riesige Hürde zu überwinden: Obwohl Kovan der religiösen Minderheit der Jesiden angehört, die im Irak nach wie vor verfolgt werden, wurde sein Asylantrag abgelehnt. Nun galt es also, die 3-plus-2-Regelung zu erwirken – drei Jahre Ausbildung plus zwei Jahre Aufenthaltsrecht.

Gantner und Peter Spies vom Caritas Alveni Jugendhaus haben das schließlich mit großem Einsatz und in persönlichen Gesprächen im Landratsamt erreicht. Am 31. Juli 2017 kam die Ausbildungserlaubnis, einen Tag später stand Kovan im Friseursalon und begann mit der Arbeit. Seit September besucht er auch die Berufsschule in Erding. „In der Praxis ist er sehr gut“, lobt Gantner ihren Schützling, doch Probleme mit der deutschen Sprache machen die Schule schwer.

Bis Ende Mai muss er eine neue Bleibe gefunden haben

Eine Auszubildende, die gleichzeitig mit Kovan im „Carisma“ begonnen hat, hilft ihm in der Schule. Die Kolleginnen im Salon stehen ihm auch zur Seite, und dadurch, dass er täglich Deutsch sprechen muss, wird es ständig besser. „Ich hoffe, er zieht die drei Jahre durch“, sagt Gantner. Bei einem wie Kovan, der sich ärgert, wenn er mal wegen Krankheit einen Tag nicht arbeiten kann, muss man sich da aber wohl keine Sorgen machen.

Doch schon wartet die nächste Herausforderung auf den jungen Mann: Ende Mai läuft die Jugendhilfe für ihn aus, er muss aus dem Jugendhaus ausziehen. Jetzt ist er also auf der Suche nach einer kleinen Wohnung oder einem netten Zimmer – am besten in Au, denn der 19-Jährige besitzt weder Führerschein noch Auto. Dass ihn in Au inzwischen viele Bürger als „echt netten Kerl“ kennen, wie Gantner sagt, dass die Kunden von „Carisma“ um seine Suche nach einer Wohnung wissen, macht Kovan, das Caritas-Team und auch die Ausbilderin hoffnungsfroh.

Video: Generalstreik am Bau für diesen Flüchtling

Kovans Fleiß hat sich bis zum Bürgermeister durchgesprochen

Was für ein Gewinn Kovan für den Friseursalon, aber auch für Au ist, das hat sich auch bis zu Bürgermeister Karl Ecker herumgesprochen: Sehr freundlich und höflich, das seien die Attribute, die er ständig über den 19-Jährigen zu hören bekomme. Umso mehr freue es ihn, dass der jetzt diese Chance bekomme. Denn: „Das sind ja jetzt die wichtigsten Jahre, in denen er etwas lernt und etwas lernen soll.“

Das dachte sich auch Gantner: Wenn Jugendliche in diesem Alter nur „rumsitzen“ und keiner sinnvollen Beschäftigung nachgehen dürften, dann seien Probleme doch praktisch vorprogrammiert. Das wollte sie verhindern – und hat mit Kovan einen echten Glücksgriff getan.

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