Eine Hand hält Hopfendolden.
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Einen Rückblick auf die abgelaufene Anbau-Saison hat jetzt der Verband Hallertauer Hopfenpflanzer gegeben.

Digitale Mitgliederversammlung

Von Corona bis Pflanzenschutz: Gemischte Gefühle bei den Hallertauer Hopfenpflanzern - und ein Appell

Wie ist die Hallertau durch die Krise gekommen? Wie sieht es an der Schädlings-Front aus? Fragen wie diese wurden jetzt vom Hopfenpflanzerverband beantwortet.

Hallertau – Trotz aller Herausforderungen im zurückliegenden Jahr sei im „Haus des Hopfens“ ein guter Job gemacht worden, befand Verbandspräsident Adolf Schapfl am Mittwoch: In der digitalen Mitgliederversammlung des Hallertauer Hopfenpflanzerverbands präsentierte er ein „zufriedenstellendes Ergebnis, mit dem wir gut zurechtkommen“.

Allen Unkenrufen aus dem Frühjahr zum Trotz konnte die Ernte eingebracht werden und fiel nur wenig schlechter aus als im Vorjahr. Dies sei nicht zuletzt auf das Engagement des Verbands in diesen turbulenten Zeiten zurückzuführen, betonte Schapfl.

Präsident Adolf Schapfl begrüßte die Hopfenpflanzer zur digitalen Mitgliederversammlung des Verbands.

Enorme Anstrengung in der Corona-Krise

In ihren Video-Grußbotschaften hatten Pfaffenhofens Landrat Albert Gürtner und der Vorsitzende des Agrarausschusses im EU-Parlament, Norbert Lins, bereits die wechselnden Vorgaben und Beschränkungen durch Corona als „DIE Herausforderung 2020“ für den Verband hervorgehoben. Teilweise täglich hatte es seit März neue und immer wieder andere Vorschriften gegeben, berichtete Schapfl den Mitgliedern. Geschäftsführer Otmar Weingarten und sein Team hätten Tag und Nacht versucht, gangbare Lösungen für die Pflanzer zu finden. So mussten etwa Luftbrücken und Ausreisemodalitäten für die Saisonarbeiter geklärt und organisiert werden.

Pflanzenschutz mit Hindernissen

Neben Corona und den Saisonarbeitskräften waren die Pflanzenschutz- und Düngeverordnung, die Schädlingsbekämpfung und das Citrus Bark Cracking Viroid weitere Herausforderungen für die Branche. Diese Themen würden die Verbandsmitglieder in nächster Zeit weiterhin begleiten, wie Otmar Weingarten ausführte. Beim Pflanzenschutz würden die Mittel immer weiter eingeschränkt, das Stoppen von Bodenschädlingen, Mehltau oder Spinnmilben sei kaum mehr möglich. Neue biologische Lösungen ließen aber noch lange auf sich warten. Im laufenden Jahr 2020 sei man durch drei Notfallgenehmigungen noch über die Runden gekommen, in den kommenden Jahren könnte dies aber zum Problem werden.

Neues Viroid: Appell an die Pflanzer

Beim Thema Düngeverordnung sieht der Geschäftsführer den Verband gemeinsam mit der Erzeugergemeinschaft auf einem guten Weg. Sorgen bereite das neue Citrus Bark Cracking Viroid, das in der Hallertau weiter auf dem Vormarsch sei. 2020 seien weitere vier Betriebe davon betroffen gewesen. Zur Eindämmung dieser Bedrohung appellierte Weingarten eindringlich an die Eigenverantwortung der Pflanzer.

Beim Thema Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ist die Hopfenbeihilfe per Überbrückungsverordnung bis 2022 gesichert. Ab 2023 gibt es eine neue Rechtsgrundlage für die EU-Beihilfe. Diese wird nach Ansicht von Werner Albrecht vom Bundeslandwirtschaftsministerium einen höheren Verwaltungs- und Kontrollaufwand bedeuten.

Digital auf dem Laufenden halten

Über alle Entwicklungen werden die Hopfenpflanzer wie schon seit Beginn der Corona-Krise digital auf dem Laufenden gehalten. Lutz Hädrich, zuständig für das Verband-Marketing, ermutigte die Mitglieder daher, die virtuellen Kanäle wie Internetseite, Facebook, YouTube oder die digitale Hopfenrundschau zu nutzen. So kämen die Infos des Verbands am schnellsten zu den Pflanzern – und auch deren Anliegen an die Öffentlichkeit. Hädrich verwies dabei auf den sehr erfolgreichen Aufruf an Studenten und Kurzarbeiter, die die Pflanzer bei der Hopfenernte unterstützen können.

Zum Schluss der digitalen Mitgliederversammlung wurde es etwas wehmütig. Denn der stellvertretende Geschäftsführer, Werner Brunner, wird sich Ende 2020 nach 35 Jahren Verbandsarbeit in den Ruhestand verabschieden. Adolf Schapfl bedankte sich bei ihm für das jahrzehntelange Engagement im Dienste des Hopfens. Die Versammlung beschloss Schapfl mit der Hoffnung, dass es 2021 etwas ruhiger und geordneter abgehen möge.

Josef Fuchs

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