Christian Holzmann, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Au/Hallertau, hat sein Amt Ende Juli 2020 niedergelegt.
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Christian Holzmann, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Au/Hallertau, tritt von seinem Posten zurück.

Unverständnis innerhalb der Wehr

Kameraden kritisieren Schutzmaßnahmen: Auer Feuerwehr-Kommandant tritt wegen Corona zurück

Paukenschlag im Markt Au: Feuerwehrkommandant Christian Holzmann tritt zurück. Als Gründe nennt der 44-Jährige die Corona-Krise und ihre Folgen.

Au/Hallertau – Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Christian Holzmann tritt von seinem Amt als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Au/Hallertau zurück. „Am Ende war es zu viel“, schildert der 44-Jährige die Beweggründe, die ihn zu diesem Schritt zwangen. Ursächlich ist auch Corona dafür verantwortlich.

Holzmann begründet Rücktritt: „Irgendwann wird man mürbe“

Am vergangenen Samstag fällte Christian Holzmann den Entschluss, seinen Kommandantenposten aufzugeben. Schwer sei es ihm natürlich schon gefallen, eineinhalb Jahre vor der turnusgemäßen Wahl, sagt der 44-Jährige. „Irgendwann aber wird man mürbe.“ Dass die Corona-Pandemie der Hauptgrund sei, schildert Holzmann an mehreren Beispielen.

Aufgrund der Tatsache, dass der erste Fall im Landreis Freising in Au verortet wurde, sei der Markt von Beginn an ein Hotspot gewesen. Dementsprechend hätten Maßnahmen getroffen und Situationen bewältigt werden müssen. Dass die Auer Floriansjünger bereits eine Woche vor Einführung der Maskenpflicht mit Mund-Nase-Schutz ausgerückt seien, was von umliegenden Wehren teils höhnisch bedacht worden sei, sei nur der Anfang gewesen, so Holzmann. Beruflich bei der Flughafen-Wehr beschäftigt, wusste er hingegen um die Gefahren, die das Nichteinhalten geboten hätte – was aber nicht alle so gesehen hätten wie er. Persönliche Treffen, die sonst bei der Wehr zu Übungen oder Nachbesprechungen im Florianstüberl zwingend erforderlich waren, seien durch den Austausch via WhatsApp ersetzt worden: „Dabei ist die persönliche Kommunikation bei derlei Sachen immer das Beste.“

Unmut über Maßnahmen aus den eigenen Reihen

Weitere Problemfelder, etwa, dass Übungen zeitweise gar nicht durchgeführt wurden, oder bei Einsätzen nur eine begrenzte Zahl von Alarmierten benötigt wurde und die anderen wieder nach Hause geschickt werden mussten, hätten nicht gerade zur Motivation der Truppe beigetragen. Daraufhin habe schließlich der eine oder andere zunehmend mit Unverständnis reagiert, inwieweit die von der Regierung eingeführten Corona-Maßnahmen zweckmäßig und einzuhalten wären.

Bereits eine Woche bevor die Maskenpflicht in Bayern eingeführt wurde, waren die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Au mit Mund-Nasen-Schutz im Einsatz.

Dabei habe für die Auer Feuerwehr immer die Maßgabe gegolten, dass man weiterhin „einsatzfähig“ sei. Denn ein Corona-Fall unter den 54 Aktiven hätte die Stützpunktwehr mit Quarantäne sicherlich außer Kraft gesetzt. Ein Quarantäne-Fall unter den Feuerwehrkameraden gleich zu Beginn der Pandemie habe früh und eindringlich gezeigt, dass Vorsicht geboten sei, betont Holzmann. Allerdings hätten das nicht alle Einsatzkräfte so gesehen. Dabei sei er als Kommandant eben für die Einhaltung der Schutzmaßnahmen verantwortlich, wobei seine eigentliche Arbeit wegen Corona auch noch „um jede Menge Schriftkram bereichert“ worden sei. Und das im Ehrenamt, mit Familie im Hintergrund, zwar unterstützt von pflichtbewussten Feuerwehrleuten, jedoch auch mit Unzufriedenen im Rücken – das sei dann zu viel geworden.

Holzmann hatte eine erfolgreiche Feuerwehr-Karriere

Dabei liest sich die „Feuerwehrkarriere“ des 44-Jährigen eigentlich wie aus dem Lehrbuch: Wie bereits sein Vater Erwin, der im Rang eines Kreisbrandinspektors ausschied, hat sich auch der Junior bereits in jungen Jahren der Hilfsorganisation verschrieben. Dem Eintritt folgten turnusgemäß die nötigen Prüfungen im Eiltempo, mit dem Aufbau einer Jugendfeuerwehr rückte auch Holzmann junior umgehend in den Blick der Funktionäre. Mit 28 Jahren 2. Kommandant, wurde er 2010 Chef der Freiwilligen Feuerwehr Au, einer Stützpunktwehr im 6000-Einwohner-Markt in der Hallertau. Mit einer motivierten Mannschaft an der Seite bewegte Holzmann in der Folge einiges: Mehrere Fahrzeuge wurden gekauft, das Wechsellader-System wurde eingeführt und sogar ein neues Feuerwehrgebäude errichtet. Auch dem Kreis-Feuerwehr-Museum wurde in Au ein Domizil gewährt. Groß wurde im Jahr 2019 noch die 150-Jahr-Feier begangen, auch der Landkreis konnte sich zeitgleich beim Kreis-Feuerwehrtag von den Leistungen vor Ort überzeugen.

Doch das ist alles von gestern. Ein Telefonat am Samstagnachmittag, das Holzmann mit einem der unzufriedenen Kameraden führte, habe das Fass zum Überlaufen gebracht: Die Entscheidung fiel. Oder in Holzmanns Worten: „Wenn du einmal an diesem Punkt bist und kriegst die letzte Watschn, dann musst du diesen Schritt gehen.“ Martin Hellerbrand

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