Das Bild zeigt eine Baustelle und Bauarbeiter
+
In große Schwierigkeiten bringt es Handwerksbetriebe inzwischen, dass Baustoffpreise oft noch während der Bauarbeiten ansteigen.

Auf Dauer für viele Betriebe gefährlich

„Zahlen das Doppelte und Dreifache“: Handwerk im Landkreis Freising leidet unter den Pandemie-Folgen

  • Helmut Hobmaier
    VonHelmut Hobmaier
    schließen

Knappheit und hohes Preisniveau der Baustoffe bringt die Betriebe im Landkreis zunehmend in Schwierigkeiten. Die Pandemie hat alles verteuert und verknappt.

Landkreis – „Wir zahlen oft das Doppelte und Dreifache“, berichtet Martin Reiter, „und dann warten wir zehn Wochen auf die Lieferung“: Die Knappheit und das enorme Preisniveau der Baustoffe bringt die Betriebe im Landkreis zunehmend in Schwierigkeiten. Oft sei man schon froh, berichtet der Kreishandwerksmeister und Obermeister der Bau-Innung, wenn man bei einer Baustelle nicht noch draufzahlt. Ob Metallschienen, Holzlatten, Gipskartonplatten oder Dämmmaterial – die Pandemie hat alles verteuert und verknappt. „Die Ursachen der Misere sind vielfältig“ , weiß Reiter, selbst Inhaber einer Trockenbaufirma in Nandlstadt. Da blieben Lkw coronabedingt an der Grenze hängen, Fahrer mussten in Quarantäne – und Betriebe die Produktion einstellen, weil ein Mitarbeiter an Covid erkrankt war.

„Das war zum Beispiel bei der Firma der Fall, die uns die Brandschutztüren liefert“, berichtet Reiter: „Ein Krankheitsfall, und die ganze Produktion kam zum Erliegen.“ Sein Baustoff- Großhändler in München, berichtet Reiter, bekomme meist nur ein Drittel der Ware, die er bestellt hat – und das betreffe die gesamte Bandbreite der Materialien. Für ihn bedeutet das: Frühzeitig ordern, und soviel bunkern wie möglich. „Aber die Lagerkapazitäten sind begrenzt, und kleinere Betriebe haben oft gar keinen Platz, um hier etwas vorzuhalten“, weiß der Kreishandwerksmeister.

Früher Einkauf und Lagerhaltung aber seien derzeit die einzigen Möglichkeiten, ein Projekt auch zum früher fix vereinbarten Preis fertigstellen zu können. „Es gibt schon Baustellen, da ist man froh, wenn man plus-minus-null rauskommt“, berichtet Reiter. „Da bleibt oft nichts mehr übrig. Aber wir müssen den Bau ja erstens vertragsgemäß fertigstellen, und zweitens müssen wir ja auch unsere Leute beschäftigen“.

Auf Dauer sei der Baustoff-Engpass für viele Betriebe gefährlich. Manchmal könne man gar kein Angebot mehr abgeben, weil sich nicht abschätzen lasse, ob man den vereinbarten Preis innerhalb der Preissteigerungsklausel halten könne.

„Immerhin hat jetzt der Holzpreis leicht nachgegeben“. Ein Silberstreif am Horizont. „Es wäre unheimlich wichtig, dass sich die Lage wieder normalisiert“, sagt Reiter. „Natürlich werden wir die Preise wie vor der Pandemie nie mehr bekommen. Aber dreifache Preise und ein Vierteljahr Lieferzeit, das können wir auf Dauer nicht durchhalten.“

Freising-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Freising-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Freising – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare