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An Pinnwänden konnten die Moosburger ihre persönlichen Ideen verewigen. Sie fließen in den Prozess mit ein.

Diskussion bei der Bürgerversammlung

"Auf dem Plan": Parkplatzfrage spaltet die Moosburger

Moosburg - Der Saal war bei der Moosburger Bürgerversammlung vollbesetzt. Und schnell zeigte sich, wieso: Das Thema "Plan"-Umgestaltung mobilisierte die Bevölkerung. Und es wurde deutlich, wie sehr das Thema polarisiert.

Dass die „Plan“-Neugestaltung die Moosburger beschäftigt wie kein zweites Thema, ist bekannt. Und so zogen die Organisatoren der Bürgerversammlung am Donnerstag das Thema ganz an den Anfang. Sie hatten sich größte Mühe gegeben: Neben den Amtsträgern aus Rathaus und Stadtrat standen sämtliche Fachleute des Stadtentwicklungsprozesses parat. Aber auch die Vertreter des Bürger- und Anrainergremiums, die seit Monaten Gedankenspiele zur Neugestaltung betreiben, waren aufgereiht. So sollte eine ausgewogene Information der Bürger stattfinden und jeder Aspekte der „Plan“-Umgestaltung beleuchtet werden. Doch dass sich der Abend in der vollbesetzten Schäfflerhalle dann doch wieder (fast) nur um die Parkplatzfrage in der Altstadt drehen und so die Tagesordnung sprengen würde, damit hatten die Veranstalter nicht gerechnet.

Zunächst wollte Projektsteuerer und Städteplaner Rafael Stegen den Bürgern „Mut machen, sich den Veränderungen zu stellen“, wie er sagte. „Die braucht es, um im Wettbewerb mit anderen Kommunen mithalten zu können.“ Der „Plan“ berge ein großes Potenzial und könne zum Image-trächtigen Alleinstellungsmerkmal Moosburgs werden. „Es ist aber auch klar: Bei der Menge an Interessen braucht es Kompromissbereitschaft.“

"Eine der wichtigsten bayerischen Städte überhaupt"

So voll war es schon lange nicht mehr bei der Bürgerversammlung: Die Moosburger trieb vor allem ihr großes Interesse an der Zukunft des „Plans“ in die Schäfflerhalle.

Architektin Barbara Hummel erklärte dann den Zuhörern den Wettbewerbsprozess, an dessen Ende ein Siegerentwurf für die Neugestaltung stehen solle. Der Prozess werde begleitet von Ausstellungen, bei der sich die Bürger über die Ergebnisse der Jury informieren könnten. Hummels Vortrag schlossen sich die Ausführungen von Martin Pietsch an, dem zuständigen Referenten des Landesamts für Denkmalpflege. Er erklärte den Moosburgern die historische Bedeutung der Bodendenkmäler, die am „Plan“ zu erwarten seien. „Die Probebohrungen haben ergeben: Ab der Oberfläche finden sich in eine Tiefe von etwa 1 bis 1,7 Meter menschlich beeinflusste Schichten.“ 

Viele Fragen der frühen Stadtgeschichte könne man nur klären, in dem man sich den Boden ansehe. Artikel 1 des Denkmalschutzgesetzes besage aber: „Denkmäler müssen erhalten bleiben.“ Deshalb könne nicht einfach losgegraben werden. „Die zukünftigen Menschen werden bessere Methoden haben, das zu erforschen. Wir müssen diese Geschichte für spätere Generationen erhalten.“ Moosburg habe einst als eine der wichtigsten bayerischen Städte überhaupt gegolten. „Deshalb müssen diese Quellen als ungemein wichtig erachtet werden.“ Er empfehle also eine Umgestaltung, die mit möglichst wenig Bodeneingriffen auskomme.

Mehr Stellflächen vs. weniger Parkplätze

Verzichten oder erhalten? Die Meinungen der Bürger zum Thema Parken auf dem „Plan“ gingen weit auseinander.

Helga von Winter, die durch den Abend führte und auch die Treffen des 15-köpfigen Bürger- und Anrainergremiums moderierte, präsentierte dessen erste Ergebnisse. Die Interessensvertreter – etwa von Jugendparlament über Altstadtförderer und Kirche bis hin zu Seniorenbeirat aber auch Geschäftsleute und Immobilienbesitzer – regen demnach ein breites Spektrum von Verbesserungen an: mehr Aufenthaltsqualität schaffen, Baulücken füllen, Wasser am Platz integrieren, Barrierefreiheit, stärkere Belegung des Platzes durch Veranstaltungen, mehr Gastronomie ansiedeln oder auch mehr Sitzgelegenheiten integrieren – um nur einige Beispiele zu nennen. Das Kriegerdenkmal wolle die Mehrheit im Gremium nicht versetzen, sagte von Winter. Und berichtete dann: „Natürlich wurde das Thema Parken heiß diskutiert.“ Als Empfehlung für den Stadtrat habe sich die Gruppe für einen Verbleib von 20 beziehungsweise 30 Stellflächen plus/minus fünf ausgesprochen.

Damit war die Fragerunde eröffnet. Die Reaktionen im Publikum auf die Wortmeldungen und jeweiligen Antworten zeigten schnell: Die Parkplatzfrage spaltete die Moosburger. Sowohl für Forderungen nach mehr Stellflächen oder einer Tiefgarage unter dem „Plan“ als auch den Wunsch nach einem verkehrsberuhigten Zentrum mit weniger Parkplätzen und mehr Raum für Fußgänger gab es viel Beifall: jeweils aus einem der beiden Lager.

"Ein Denkmal, das kein Mensch sieht"

Rudi Mayer etwa forderte, man solle sich doch auch mal Orte wie Dorfen oder Vilsbiburg ansehen. „Da gibt es Stadtplätze, auf denen die Leute parken können. Das funktioniert.“ Vieles im vorgestellten Konzept erscheine ihm nicht stimmig. „Man muss mehr auf die Bevölkerung zugehen.“ Robert Fetzer fragte: „Was bringt uns die Achtung eines Denkmals, das kein Mensch sieht, wenn es die nächsten 500 Jahre da vergraben liegt? Warum geht man nicht weiter runter, macht eine Tiefgarage und hat etwas für die Zukunft?“ 

"Wie sollen die Geschäfte denn überleben?" - meldete sich die Moosburgerin Dagmar Seghutera zu Wort.

Architektin Hummel entgegnete ihm, dass heute viele Kommunen den Bau von Tiefgaragen wegen horrender Unterhalts- und Sanierungskosten bereuen würden. Außerdem: „Das war nicht irgendein Ort. Man muss damit adäquat umgehen, nicht einfach alles wegputzen.“ Und Denkmalpfleger Pietsch erklärte: „Wenn ein Bodendenkmal zerstört wird, muss es auf Kosten des Verursachers ausgegraben und dokumentiert werden. Das ist Gesetz.“ Beim „Plan“ seien mit Kosten von rund 300.000 Euro und einer 30-wöchigen Ausgrabung zu rechnen.

Leserbrief zum Thema:
Martin Pschorr kritisiert "Verkaufsshow statt Bürgerbeteiligung"

Dagmar Seghutera wunderte sich: „Man will mehr Leute in die Innenstadt bringen. Aber wie sollen die Geschäfte denn überleben, wenn die Besucher von außerhalb keinen nahen Parkraum zur Verfügung haben?“ Und Anton Neumaier warnte davor, Parkplätze einfach nur zusammenzuzählen: „Die am ,Plan‘ sind in keinster Weise vergleichbar mit jenen an der Münchner Straße. Fragen’s doch mal ältere Leute, ob die da rückwärts rausfahren. Man muss die Parkplätze auch nach Qualitätsmerkmalen unterscheiden.“

"Erschreckende Diskussion"

Manfred Weinhöpl fand es „erschreckend, dass die ganze Diskussion um Moosburgs Stadtentwicklung zu einer reinen Parkplatzdiskussion verkommt“. Und ein anderer Zuhörer meinte: „Wenn wir mehr Radwege hätten, würden weniger Autos fahren.“

Nach langer Diskussion schaffte man es zum nächsten Programmpunkt: Die Bürger waren aufgefordert, Ideen und Vorstellungen zu Papier zu bringen und sich so an zwölf Pinnwänden im Saal zu verewigen. Diese Möglichkeit fand großen Anklang: In dichtem Gedränge entlang der Stellwände debattierten die Besucher mit den Fachleuten und Entscheidern, notierten Gedanken und Ideen. Am Ende hingen Hunderte von Zetteln. Für zwei Drittel der Zuhörer schien damit das Pensum des Abends erreicht: Sie verließen den Saal – noch vor dem Referat der Bürgermeisterin.

Armin Forster

Jeder kann sich beteiligen

Alle Bürger haben bis 5. Februar die Möglichkeit, eigene Wünsche und Anregungen (mit Begründung) zur „Plan“-Umgestaltung einzubringen: persönlich im Rathaus, per Post an die Stadt oder via info@moosburg.de. Die Ergebnisse werden öffentlich ausgestellt.

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