„Aufhängen“: Hasskommentar bleibt zwei Tage im Netz

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Freising – Aufruf zu einer Straftat oder Meinungsfreiheit? Darüber wurde am Wochenende auf der Facebook-Seite des AfD-Kreisverbands Freising-Pfaffenhofen diskutiert. Was war geschehen?

Die AfD Freising-Pfaffenhofen hatte am Samstag nach Mitternacht, um 0.43 Uhr, einen Link gepostet. Darin geht es um eine brutale Vergewaltigung in Erding. Dringend tatverdächtig: ein 23-jähriger Türke. Knapp zwölf Stunden später, am Samstag um 11.39 Uhr, lässt sich ein Follower der AfD-Seite zu einem unsäglichen Kommentar hinreißen: „Aufhängen“ schreibt er unter den Facebook-Post. Die Meinungen dazu gehen im Netz auseinander. Während sich die einen sofort darüber empören und ankündigen, diesen „Aufruf zum Mord“ der Polizei zu melden, finden andere, so eine Aussage dürfe im Zuge der Meinungsfreiheit durchaus sein. Wer sich in der Debatte zurückhält, ist der Betreiber der Seite selbst, die AfD Freising-Pfaffenhofen.

Andreas Mehltretter, Vorsitzender der Jusos im Landkreis Freising, hat diesen Kommentar am Samstagabend bei der Polizei zur Anzeige gebracht. „Meines Erachtens ist das ein öffentlicher Aufruf zu einer Straftat.“

Mehltretter schreibt noch am Samstag eine Nachricht an die Verantwortlichen der AfD-Seite mit der Bitte, den Kommentar schnellstmöglich zu löschen. Am Sonntagmittag bekommt er eine Antwort: „Ich danke ihnen für den Hinweis“, heißt es. Gelöscht wird der Kommentar jedoch nicht, worüber sich auch Katharina Grill, die Kreisvorsitzende des AWO-Kreisverbands Freising, empört: „Die AfD hier im Landkreis ist doch nicht so unscheinbar, wie sie sich nach außen gibt“, schlussfolgert sie.

Bernhard Kranich, der neue 1. Vorsitzende der AfD, Montagfrüh vom FT auf die Sache angesprochen, gibt sich bestürzt ob dieses Kommentars: „Das wird selbstverständlich gelöscht“, versichert er. Er selbst sei nicht auf Facebook. Und derjenige, der die Seite betreut, sei nach einer anstrengenden Woche im Job „im wohlverdienten Wochenende“ gewesen und habe wohl deshalb nicht gehandelt. Die Zeit, den Link zu dem Bericht über die Vergewaltigung zu posten, hatte sich der Verantwortliche allerdings schon genommen.

Auf die Frage, ob ein Löschen des Kommentars nicht weniger Aufwand gewesen wäre, als Mehltretter auf seine Bitte hin eine Antwort zu schreiben, meint Kranich: „Es ist noch nicht alles so eingespielt, wie es sein sollte durch den Rücktritt von Herrn Strixner (Bericht Seite 4). Ich kümmere mich um die unangenehme Sache.“ Drei Stunden später ist der Hasskommentar verschwunden – nachdem er 48 Stunden lang für alle zu lesen war.

Rubriklistenbild: © dpa

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