ZDF im Döpfner-haus

Auflehnung gegen das Familienmodell

Jahrzehntelang war sie Autorin des ZDF-Frauenmagazins Mona Lisa: Susann von Lojewski. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Starke Frauen, starke Worte“ der Hanns-Seidel-Stiftung sprach die 52-Jährige im Döpfner-Haus über Männerklüngel in der Medienlandschaft, Frauen in Führungspositionen, das Muttersein und die eigene Kindheit.

Freising – Fast hatte man das Gefühl im Wohnzimmer der ZDF-Fernsehjournalistin zu sitzen, so entspannt antwortete am Mittwochabend Susann von Lojewski auf die Fragen von Moderatorin Daniela Arnu (BR). Selbstverständlich „macht das etwas mit einem, wenn ein Format wie Mona Lisa, das berufliche Heimat gewesen ist, plötzlich, wie im Juli geschehen, eingestellt wird“, sagte von Lojewski: „Das ist ein Einschnitt.“

Sie ist seit 1996 mit dabei gewesen, wenn in den ZDF-Studios in Unterföhring, später am Ostbahnhof produziert wurde. Und damit war die sympathische Medienfrau gleich dort, wo sie einen Teil ihres „Frau-Seins“ definiert: in der Familie. Die Münchner Redaktion musste umziehen, und da sei viel Organisation im Familienalltag mit einher gegangen. Als sie ihren Freundinnen erzählt habe, sie lasse die beiden 16-jährigen Zwillinge die Woche über „alleine“ in München – ihr Arbeitsplatz befindet sich jetzt in Stuttgart – habe sie da erst einmal Fragezeichen gesehen, erzählt von Lojewski.

Sie selbst ist in einer Familie mit traditioneller Rollenverteilung groß geworden: der Vater, Günther von Lojewski, früherer Chef der Report-Redaktion des BR und späterer Intendant des Sender Freien Berlin (SFB), die Mutter „Hausfrau aus Leidenschaft“, die vier Kinder groß gezogen hat. In „Auflehnung gegen das Familienmodell“ habe sie stets eine Führungsposition angestrebt. „Ich wollte finanziell unabhängig sein“, erinnerte sich die Fernsehjournalistin. Führungspositionen in der Medienlandschaft seien immer noch mehrheitlich von Männern besetzt, das wurde im Laufe der Veranstaltung deutlich. Warum das so sei, darüber diskutierte das Publikum, das bis auf einen „Quotenmann“ ausschließlich weiblich besetzt war. Frauen neigten dazu, „jede Arbeit perfekt und noch perfekter“ machen zu müssen, meinte eine Zuhörerin. Männer drängten in solchen Situationen auf eine zusätzliche Stelle, damit sie entlastet würden. „Die haben da mehr Durchsetzungsvermögen“, meinte die Frau. Durch die Überlastung gebe es Ärger im Privatleben.

Und viele Frauen stellten sich da die Frage: „Ist die Karriere mir das Wert?“ Auch wenn mittlerweile mehr Frauen im Fernsehen als Moderatorinnen aufträten, entschieden in den Redaktionen mehrheitlich die Männer, welcher Beitrag als „Aufmacher“, als an erster Stelle gesendet werde, informierte von Lojewski. „Wir dürfen nicht müde werden, frauenspezifische Themen aufzugreifen.“

Maria Martin

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