Aufmüpfige Ladendiebin hat Glück

Neufahrn - Die Aufmüpfigkeit, die eine Ladendiebin (26) noch vor dem Amtsgericht Freising an den Tag gelegt hatte, wertete die Berufungskammer beim Landgericht Landshut nicht als straferschwerend. So kam sie für den Diebstahl von Filets im Wert von 118 Euro mit einer Bewährung davon.

Die Neufahrner Hausfrau und Mutter hatte am 22. März vergangenen Jahres in einem Supermarkt Nahrungsmittel im Gesamtwert von 118 Euro - hauptsächlich Schweine- und Putenfilets - eingesteckt und den Laden, ohne zu bezahlen, verlassen. Noch während sie die Ware im Auto verstaute, wurde sie von Mitarbeiterinnen des Supermarktes gestellt und landete schließlich wegen Diebstahls auf der Anklagebank vor dem Strafrichter beim Amtsgericht Freising.

Dort erwies sie sich als aufmüpfig und, so stufte es sogar ihre Verteidigerin Christina Kell ein, verscherzte sich mit „unflätigen Bemerkungen“ sämtliche Sympathien, vor allem auch die des Richters, der dann eine dreimonatige Freiheitsstrafe verhängte, die nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Eine nicht unerhebliche Rolle spielte dabei allerdings auch, dass die 26-Jährige sich im Jahr 2014 bereits zwei Verurteilungen eingefangen hatte: einmal wegen eines Ladendiebstahls mit Waren im Wert von 60 Euro, eine Geldstrafe von 150 Euro (zehn Tagessätze à 15 Euro) und einmal wegen Betrugs eine solche von 1275 Euro (85 Tagessätze à 15 Euro). Da hatte sie beim Kauf eines Pkw für 1700 Euro, der durch das Jobcenter gefördert wurde, die Kontonummer im Bescheid geändert, so dass der Kaufpreis nicht beim Pkw-Verkäufer, sondern auf ihrem eigenen Konto gelandet war. In beiden Fällen war ihr allerdings die Anklagebank erspart geblieben, die Verurteilungen erfolgten per Strafbefehl.

Vor der Berufungskammer räumte die 26-Jährige den Filet-Diebstahl unumwunden ein. Da ihr Ehemann als Kraftfahrer lediglich 1400 Euro verdiene und die Familie rund 15 000 Euro Schulden gehabt habe, sei es zuletzt ziemlich „eng“ hergegangen. Da habe sie es „einfach probiert“, was sie inzwischen tief bedauere. Die Anwältin hielt deshalb eine Bewährungsstrafe von zwei Monaten für schuldangemessen, zumal auch die Staatsanwaltschaft in erster Instanz lediglich eine Bewährungsstrafe beantragt gehabt habe.

Umso überraschender dann, dass Staatsanwältin Maria Offenbeck die vom Amtsgericht verhängte Vollzugsstrafe für angemessen hielt und beantragte, die Berufung zu verwerfen. Als straferschwerend führte sie dabei die einschlägigen Vorstrafen und die schnelle Rückfallgeschwindigkeit ins Feld. Damit sei der 26-Jährigen keine positive Sozialprognose mehr zu stellen. Die Berufungskammer folgte allerdings der Argumentation der Verteidigung, beließ es zwar bei den drei Monaten Freiheitsstrafe, setzte die aber zur Bewährung aus. Als Auflage muss die Frau 200 Euro an die Staatskasse berappen. Richter Robert Mader verwies darauf, dass es sich um die erste Freiheitsstrafe handle, die gegen die 26-Jährige verhängt werde. Und da sei - insbesondere bei Vermögensdelikten mit relativ geringer Schadenshöhe - eine Strafaussetzung zur Bewährung die Regel.

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