Außergewöhnlich: 40 Jahre Thomahof

Neufahrn - Ein lauer Sommerabend. Kinderlachen und das Quietschen einer Schaukel erfüllen die Luft. Gerne erinnern sich die Anwohner des Neufahrner Thomahofs an viele solcher Abende in den vergangenen Jahrzehnten. Jetzt wurde das 40-jährige Bestehen dieser außergewöhnlichen Wohnanlage gefeiert.

Architekt Hermann Stegschuster sitzt an seinem Schreibtisch, grübelt, skizziert. Was im Jahr 1974 mit einer Idee begann, sollte der Grundstein für eine nicht alltägliche Wohngegend werden: den Thomahof.

Wer schon einmal im Süden Neufahrns unterwegs war, dem sind die andersartigen Einfamilienhäuser sicherlich aufgefallen. Die Häuser, die auf verschiedenen Ebenen zu stehen scheinen und deren Dach schräg abfällt, wirken futuristisch. Kaum zu glauben also, dass diese Bauten in den 1970er Jahren entstanden sind. Und auf das langjährige Bestehen der Wohnanlage „Am Thomahof“ haben die Bewohner nun angestoßen.

Kürzlich veranstalteten sie ein Grillfest, um das 40-jährige Jubiläum zu feiern. Dieses fand im 500 Quadratmeter großen Innenhof, der sogenannten „Piazza“ statt, die von 13 Einfamilienhäusern umgeben ist. Und auch ein Ehrengast kam zum Jubiläumsfest: Hermann Stegschuster, der Architekt von damals. So trafen sich die Thomahof-Parteien, unter denen sich noch viele „Ureinwohner“ befinden, bei deftigem Grillfleisch unter der Linde. Dieser Baum hat für die Bewohner symbolischen Charakter, da er kurz nach der Fertigstellung 1976 im Zentrum des Hofs gepflanzt worden war.

Damals bezogen vor allem junge Familien die Wohnanlage der etwas anderen Art. So diente die „Piazza“ mit Sandkasten und Schaukel als Spielplatz oder als geeigneter Ort für Kindergeburtstage. Und auch heute noch treffen sich die Bewohner zum Wintergrillen im Advent, oder zum gemütlichen Plausch am Biertisch. Was den Innenhof verkehrsberuhigt bleiben lässt: die Gemeinschaftsgaragen an der Nordwest-Ecke.

Doch nicht nur die innengelegene Piazza macht die Wohnanlage zu einem besonderen Ort. Die Split-Level-Bauweise wurde bewusst offen gehalten, so dass Studios, Emporen und Ateliers mit reizvollem Durchblick entstehen konnten. Eine Fernwärme-Gemeinschaftsheizung, die im Baujahr neuester ökologischer Standard war, sorgt auch heute noch für niedrige Heizkosten.

Kein Wunder also, dass die Anlage, die von 1975 bis 1977 erbaut worden war, von der Presse als „Bauanlage mit Modellcharakter“ gelobt wurde. Selbst in dem 1985 erschienenen Buch „Architektur zum Wohnen“, ist der Thomahof unter den Auserwählten. Besonders dankbar waren die Bewohner nicht nur dem Architekten, sondern auch Bauamtsleiter Ludwig Grundner, der damals das eingereichte Wohnkonzept gegenüber der vorhandenen Planung durchgesetzt und unterstützt hatte.

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