Ein gefragter Mann ist Verteidiger Winfried Folda für die Medien. Foto: Moritz

"Es begleitet mich bis in die Nacht"

Freising/Weilheim - Der Weilheimer Anwalt Winfried Folda (55) verteidigt den mutmaßlichen Doppelmörder von Notzing. Warum der Vater von zwei Kindern, die Verteidigung von Christoph W. übernommen hat und wie er dabei vorgeht, erklärt er im Interview.

-Die meisten Menschen sind schockiert über die Grausamkeit der Tat, die ihrem Mandanten vorgeworfen wird. Werden Sie oft gefragt, warum Sie so einen Menschen verteidigen?

Ja, die Frage kommt oft, auch aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Aber wenn man die Berufswahl „Strafverteidigung“ trifft, muss man sich vorher damit auseinandersetzen, was man will. Für mich war von Anfang an ausschlaggebend, dass jeder ein Recht auf ein faires Verfahren hat, egal, was er getan hat. Das ist etwas, für das ich einstehen will und das auch einer der Gründe dafür ist, dass ich gern in Deutschland lebe. Der aktuelle Fall ist auch nicht die schwerwiegendste Verteidigung, die ich übernommen habe. Ich habe auch schon einen vierfachen Frauenmörder vertreten.

-Wie schaffen Sie es, emotional auf Distanz zu bleiben?

Es gibt Fälle, die einem sehr nahe gehen und solche, die einen nicht so sehr berühren. Im aktuellen Fall ist es ein Spannungsverhältnis: Auf der einen Seite ist es Ausdruck von Professionalität, eine gesunde Distanz zu wahren. Auf der anderen Seite braucht ein guter Verteidiger auch ein gewisses Einfühlungsvermögen für den Täter und das Tatgeschehen. Ich finde, diese Balance zu halten, ist wichtig. Sonst wird man entweder zum eiskalten Abwickler oder wird emotional überrollt.

-Können Sie bei Prozessen wie diesen außerhalb der Arbeitszeit abschalten?

Nein, das begleitet mich darüber hinaus, teilweise bis in die Nacht hinein.

-Wie kam es dazu, dass Sie die Verteidigung von Christoph W. übernommen haben?

Schon in der Nacht der Festnahme bin ich über die Familie des Angeklagten kontaktiert worden. Ein Anwalt, der die Familie und mich kennt, hat das vermittelt. Am nächsten Tag bin ich gleich hingefahren. In dem Moment wusste die Polizei nicht viel mehr, als dass es zwei Leichen, Blutspuren und erste Aussagen gab.

-Wie sah Ihre Arbeit als Verteidiger von diesem Zeitpunkt an aus?

Es ging erstmal darum, Kontakt zum Mandanten aufzubauen. Es war mir ein Anliegen, dass er früh medizinisch-psychiatrisch versorgt wird. Er war ja erst im Gefängnis in Landshut und kam dann in ein Spezialhaus in Straubing für psychisch Auffällige. Mein zweites Anliegen war, dass mein Mandant möglichst früh begutachtet wird, was von der Staatsanwaltschaft veranlasst wurde. Dann sind da noch die Angehörigen des mutmaßlichen Täters, die völlig fassungslos und von den Medien überrollt sind. Die zu betreuen, war auch meine Aufgabe. Später hat dann die Aktenarbeit das größte Gewicht eingenommen.

-Christoph W. hat von Anfang an gestanden, die Eltern seiner Ex-Freundin ermordet zu haben. Was bleibt da als Aufgabe für Sie als Verteidiger?

Formal ist es meine Aufgabe, dass es ein faires Verfahren gibt und kein den Angeklagten überrollendes Kurz-Urteil. Inhaltlich schaue ich darauf: Welches Urteil kommt heraus? Es gibt ja nicht nur „schuldig“ oder „nicht-schuldig“, wie man das aus Fernsehserien kennt, sondern es kann unterschiedliche mögliche Entwicklungen geben. Die Staatsanwaltschaft plädiert auf Mord, es kann sich aber zum Beispiel herausstellen, dass das ein oder andere Merkmal eines Mordes nicht zum Tragen kommt. Es könnte sein, dass verminderte Schuldfähigkeit vorliegt und eine lebenslängliche Haft nicht zwingend ist. Es geht auch um die Frage, wo und wie der Angeklagte nach dem Urteil untergebracht wird und welche Perspektiven er innerhalb der Haft bekommt.

-Können Sie schon sagen, auf was Sie plädieren werden?

Nein, das steht auch für mich am Ende der Hauptverhandlung. Es zeichnet sich aber ab, was ein Schwergewicht einnehmen wird: die Beleuchtung der Persönlichkeit meines Mandaten, seiner Hintergründe und Motive sowie die Frage einer möglichen Schuldunfähigkeit.

Interview: Stephanie Wolf

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