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Für "Sensationsbilder"

Behörden-Funk abgehört: Übereifriger Fotograf vor Gericht

Landkreis - Schneller als Polizei und Feuerwehr am Unfallort: Weil er für seine Sensationsbilder den Funk der Einsatzkräfte abgehört hat, muss ein 60-jähriger Fotograf 5400 Euro Strafe zahlen.

Da wunderten sich Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte: Ein 60-jähriger Fotograf aus dem Landkreis Landshut war nicht selten schon vor ihnen an den Unfallorten oder Schauplätzen von Bränden. Des Rätsels Lösung: Mit sogenannten Funkscannern hatte er quasi permanent sein Ohr an Tragödien und Unfällen. Strafrichter Stefan Kolb vom Landshuter Amtsgericht verhängte jetzt gegen ihn eine eine Geldstrafe von 5400 Euro und machte keinen Hehl aus seiner Abscheu, dass „mit dem Unglück anderer Leute Kasse gemacht wird.“

Zoff mit dem Fotografen hatte es am 17. Juni vergangenen Jahres bei einem Autobrand auf der A 92 gegeben, als sich Polizei- und Feuerwehrkräfte von dem 60-Jährigen in ihrer Arbeit behindert fühlten. „Er war schon vor uns da, hat fotografiert und gefilmt. Die Aufforderung, den Unfallort zu verlassen, um die Löscharbeiten nicht zu behindern, hat er ignoriert“, so ein Beamter der Verkehrspolizeiinspektion Freising. Seinen Wagen habe der Fotograf auf der Autobahn abgestellt. Und dann sei dem Beamten die große Antenne auf dem Autodach aufgefallen. Beim Blick in den Wagen habe er zwei Funkscanner entdeckt und den 60-Jährigen darauf angesprochen. Der habe sich ins Fahrzeug gebeugt und die beiden Geräte versteckt, die aber später zusammen mit einem funktionstüchtigen Feuerwehr-Alarmpiepser trotzdem sichergestellt werden konnten. Bei der Überprüfung habe sich herausgestellt, dass einer der Scanner auf die Frequenzen der Polizeiinspektionen Landshut, Freising und Erding eingestellt war.

Nicht einmal vier Wochen später hatte der Fotograf schon wieder aufgerüstet: Am 13. Juli tauchte er bei einem Unfall im Landkreis Landshut auf. „Als wir eintrafen, fiel mir ein Mann, der fotografierte, auf“, so ein Beamter der PI Landshut. Auch er habe die große Antenne auf dem Autodach bemerkt, bei einem Blick ins Auto habe er dann verdächtige Geräte entdeckt. „Da hat er sich ins Auto gebeugt und danach war das Gerät weg. Der Fotograf selbst wartete neben einem Bushäuschen.

Danach, so lobte Strafrichter Kolb, sei der Beamte „mustergültig“ vorgegangen: Er habe seine Dienststelle über den Verdacht informiert, die habe die Staatsanwaltschaft verständigt. Da kein Richter erreicht werden konnte, habe der zuständige Staatsanwalt grünes Licht für die Durchsuchung wegen „Gefahr in Verzug“ gegeben. Hinter einem Stein am Bushäuschen habe man dann das Gerät gefunden, auf dem die Frequenzen für die Polizei, die Feuerwehr und den Rettungsdienst eingestellt gewesen seien. Der Fotograf habe bei seiner Vernehmung vor Ort bestritten, dass der Scanner ihm gehöre.

Vor Gericht beschwerte sich der Mann über die „Konkurrenz“: Feuerwehren machten bei Einsätzen Fotos, stellten sie ins Internet. Auch Journalisten hätten sich inzwischen aufs Abhören spezialisiert: „Nur wer zuerst vor Ort ist, kann Bilder verkaufen.“

Für Strafrichter Kolb bestand kein Zweifel darin, dass die Ergebnisse der beiden Durchsuchungen verwertbar waren. Das habe sich der Fotograf durch seine Bemühungen, die Scanner verschwinden zu lassen, selbst zuzuschreiben: „Damit war Gefahr in Verzug.“ Für die Verstöße gegen das Abhörverbot und das Abfangen von Daten wurde der 60-Jährige zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 45 Euro verurteilt. Um einerseits die Sensationsgier anderer zu befriedigen und um mit „krassen Bildern“ viel Geld aus dem Leid anderer zu schlagen, habe der Fotograf den Funk abgehört, tadelte Richter Stefan Kolb.

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