Belastete Bodenproben in Mauern

Wie viel Gift steckt im Gandorfer Berg?

Mauern - Am Gandorfer Berg in Mauern wurden Schadstoffbelastungen nachgewiesen, deren Ausmaße unklar sind. Während das Wasserwirtschaftsamt keine großen Gefahren erwartet und weitere Gutachten prüfen will, rechnet die BI Mauern mit Schlimmerem.

Der Schriftverkehr ist gewaltig. Unzählige Briefe haben die Mitglieder der Bürgerinitiative Mauern schon verschickt, um ihren Kampf gegen den geplanten Funkmast am Gandorfer Berg voranzutreiben. Die meisten Schreiben gingen an Regierungsstellen und Behörden. An eines erinnert sich BI-Sprecher Rudolf Koller besonders: „Wir haben bereits vor einiger Zeit an das Landratsamt und den Bayerischen Landtag die provokante Frage gestellt, ob in Mauern ein Umweltskandal vertuscht werden soll“, sagt er. Und ist sauer, denn genau dieser Skandal scheint sich aus Sicht der BI nun abzuzeichnen.

Das bestätigt laut Aussage von Koller und seinen Mitstreitern jedenfalls ein Gutachten, das Mitte Mai über die Schadstoffbelastung am Gandorfer Berg erstellt wurde. „Dort sind Grenzwerte teilweise um das 40-fache überschritten worden, unter anderem finden sich da laut Probebohrung krebsverursachende Stoffe im Erdreich.“ Werte seien das, die jene aus der kontaminierten Gammelsdorfer Grube übersteigen würden, über die in der Nachbargemeinde so heftig diskutiert wurde. „Dabei gab es bei der Verfüllung der früheren Kiesgrube am Gandorfer Berg nie eine Genehmigung für schadstoffbelastetes Material.“

Eigentlich hätte bei den Bohrungen in Mauern nur geprüft werden sollen, ob der Boden die Festigkeit besitzt, das Gewicht eines Funkmastens zu tragen. Als dann im Bauantrag für die Sendeanlage explizit darauf hingewiesen wurde, dass, falls bei einer Bohrpfahlerstellung kontaminiertes Erdmaterial gefördert werde, dieses ordnungsgemäß entsorgt werden müsse, wurde die BI stutzig. „Im Oktober 2012 haben wir diverse öffentliche Stellen darauf aufmerksam gemacht, dass Gift im Boden nicht auszuschließen ist“, heißt es in einer Presemitteilung der BI. Daraufhin wurde erneut gebohrt - und in einer Tiefe von rund fünf Metern der Schadstoff-Mix gefunden. Koller ist empört: „Ohne unsere Initiative wäre das nie mehr geprüft worden.“ Das Ausmaß der Belastung ist derzeit noch unklar. „Die Kiesgrube war riesig, da könnte ja 100 Meter weiter weg auch noch was im Boden sein.“

Um Aufschluss über die Dimension der Schadstoffbelastung und mögliche Auswirkungen auf Umwelt und Bevölkerung zu erhalten, wurde Ende vergangener Woche erneut gebohrt. „Es gilt jetzt zu prüfen, wie viel Material tatsächlich belastet ist, oder ob es sich um das berühmte einzelne Teerbröckelchen handelt“, sagt Hubert Sailer vom Wasserwirtschaftsamt, zuständig für Altlasten. Er war vergangene Woche selbst in Mauern, um Proben zu entnehmen. Es könne sein, sagt er, dass dabei gar nichts herauskomme, falls bei der letzten Bohrung nur durch Zufall entsprechende Stoffe gefunden wurden. „Wir glauben - unter Vorbehalt -, dass das Grundwasser überhaupt nicht betroffen ist, da bei früheren Bohrungen in großer Tiefe kein Grundwasser gefunden wurde.“ Dennoch hat Sailer auch Wasserproben genommen, nachdem ihn BI-Mitglieder auf ein Leitungsrohr am Südhang der Grube aufmerksam gemacht hatten. Sailer konnte dort rötlich verfärbtes Wasser entnehmen. „Die Untersuchung im Labor wird ein paar Wochen dauern. Generell ist aber derart verfärbtes Wasser nicht unüblich in tertiärem Hügelland, der rote Schlamm muss nicht unbedingt giftig sein.“

Mauerns Bürgermeister Alfons Kipfelsberger möchte sich zu der ganzen Thematik „kein Urteil erlauben“, wie er sagt. „Wir als Gemeinde sind da nicht involviert, wir haben das Gutachten nur als Info bekommen.“ Zuständige Behörde sei das Umweltamt des Landratsamts Freising. Die entsprechende Fachstelle war jedoch am Montag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Rudolf Koller und seine BI-Kollegen wollen weiter kritisch verfolgen, was am Gandorfer Berg passiert - und sich nicht auf Behörden oder die Gemeinde verlassen. Mit dem ganzen Thema fühlt sich Koller alleingelassen. „Wir machen unser gesamtes Engagement nebenberuflich“, sagt er. „Eigentlich sollte es aber jemanden in der Gemeinde geben, der ein Auge darauf hat, was da vor sich geht. Schließlich werden die Leute im Rathaus dafür bezahlt.“

von Armin Forster

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ortsdurchfahrt Inkofen weiterhin gesperrt: Jetzt liegt es nicht mehr an der Kapelle
Die Standsicherheit der Kapelle in Inkofen ist seit kurzem wiederhergestellt. Dennoch bleibt die Ortsdurchfahrt gesperrt. Und das hat nichts mit dem kleinen Kirchlein zu …
Ortsdurchfahrt Inkofen weiterhin gesperrt: Jetzt liegt es nicht mehr an der Kapelle
CSU will Neubau auf der grünen Wiese als Ersatz für Moosburgs Stadthalle
Bei der Vorstellung des Wahlprogramms hat die Moosburger CSU diverse Ideen präsentiert. Im Zentrum: Wohnraum, Hallenbad - und ein Vorstoß beim Thema Stadthalle.
CSU will Neubau auf der grünen Wiese als Ersatz für Moosburgs Stadthalle
Nandlstädter Marktrat stimmt für Klage gegen Windrad-Genehmigung
Was sich abgezeichnet hatte, wurde jetzt beschlossen: Der Nandlstädter Marktrat will gegen die Genehmigung des Windrads bei Großgründling klagen.
Nandlstädter Marktrat stimmt für Klage gegen Windrad-Genehmigung
Wahlen sollen synchron werden: Echinger Rathauschef beendet Amtszeit eher
Echings Bürgermeister Sebastian Thaler nimmt ein Risiko in Kauf: Weil die Kommunalwahlen synchron werden sollen, beendet er eine Amtszeit frühzeitig.
Wahlen sollen synchron werden: Echinger Rathauschef beendet Amtszeit eher

Kommentare