Wahl-Freisinger aus Berlin in sorge

Berliner in Freising: Mit dem Herzen in der Heimat

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Freising/Nandlstadt – Als Wahlheimat haben einige Berliner Freising auserkoren. Wir haben mit zwei echten Berlinerinnen, die hier im Landkreis wohnen, gesprochen.

Jutta Wienecke lebt seit 35 Jahren in Nandlstadt. Doch im Herzen ist die 79-Jährige immer Berlinerin geblieben. Und natürlich leidet sie mit den Menschen in ihrer Heimatstadt. „Als ich von dem furchtbaren Anschlag erfahren habe, habe ich gleich meine Freunde via What’sApp kontaktiert“, berichtet sie. „Die hatten noch gearbeitet und wussten noch gar nicht, was passiert ist. Sie haben sofort den Fernseher eingeschaltet.“

Auch die Rentnerin sitzt bis nach Mitternacht vor dem Bildschirm, und auch am nächsten Tag nehmen sie die Bilder, die sie gesehen hat, noch gefangen. „Die Gegend, in der sich der Anschlag abgespielt hat, kenne ich wie meine Westentasche“, berichtet Jutta Wienecke. „Dort habe ich glückliche Stunden beim Bummeln verbracht.“

Umso größer ist ihr Bedürfnis, sich sofort auf den Weg in die Stadt zu machen. Das letzte Mal, dass sie dieses unbändige Gefühl hatte, war zu einem freudigen Ereignis: als die Mauer fiel. „Ich habe es immer bereut, dass ich 1989 nicht da war“, berichtet sie. Spätestens im Januar fährt sie in die Bundeshauptstadt – zur Grünen Woche. „Jetzt habe ich zwar ein ungutes Gefühl, weil dort auch viele Menschen herumlaufen“, gesteht sie. Die Terrorangst soll bei ihr aber nicht die Oberhand gewinnen. „Ich werde trotzdem da sein.“

Jutta Wienecke glaubt, dass sich auch die Berliner nicht einschüchtern lassen. „Dazu hat die Stadt schon zu viel miterlebt“, sagt sie und berichtet davon, wie die Westberliner in der Nachkriegszeit mit der permanenten Angst lebten, dass die Russen einmaschieren könnten. „Wir sind Einiges gewohnt.“

Antje Schollweck (43), Wirtin der Kneipe „Klimperkasten“ in Vötting, hat die Nachricht auf dem Nachhauseweg von der Weihnachtsfeier mit ihrer Belegschaft erfahren. Danach hat die Gastronomin, die seit 17 Jahren in Bayern lebt, noch spät nachts alles versucht, Kontakt mit ihren Freunden zu bekommen: „Ich hab sie per Whats-App angeschrieben.“ Drei hätten dann Lebenszeichen von sich gegeben, zwei Rückmeldungen fehlen noch.

Derzeit verspürt Antje Schollweck ein Gefühl der Hilflosigkeit und Sorge. Das hatte sie schon einmal – nach dem Amoklauf in München: „Damals war meine Schwester in der Nähe des Tatorts und durfte das Haus nicht verlassen. Ich war damals mehr als besorgt um sie.“ Es sei ganz einfach fatal, meint sie, „wenn man im Frieden aufgewachsen ist und jetzt die Angst vor Terror zunimmt. Ich fühle mich manchmal nicht mehr sicher.“

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