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Die Arbeitsplätze der Zukunft - Coworking Spaces revolutionieren den Bürojob

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Helmut Krcmar klärt über die Vorteile von Coworking Spaces auf.
Helmut Krcmar klärt über die Vorteile von Coworking Spaces auf. © Helmut Krcmar

Coworking Spaces haben das Potential, die Arbeitsplätze der Zukunft zu sein. Sie bieten unzählige Vorteile für Arbeitnehmer.

Dieses Modell hat das Zeug dazu, die Arbeitswelt komplett umzukrempeln: Coworking Spaces sind Büroflächen, in denen Unternehmen für Angestellte einzelne, oft wohnortnahe Arbeitsplätze anmieten können. In Zeiten der Digitalisierung, in der die Anwesenheit von Mitarbeitern am Firmensitz oft nicht mehr notwendig ist, fungieren diese Kapazitäten als professionell ausgestattete Homeoffice-Plätze. Die zentrale Infrastruktur sowie unterstützende Dienstleistungen wie digitale Arbeitsumgebung, Besprechungsräume, Empfang und Kaffeeküche können von allen Nutzern unterschiedlicher beruflicher Herkunft gemeinsam genutzt werden. Professor Helmut Krcmar, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der TU München, hat viel Erfahrung mit der Umsetzung solcher Konzepte. Er erklärt, welche Vorteile solche Coworking Spaces bieten, und welchen Mehrwert sie bringen.

Herr Professor Krcmar, wer sind die Hauptnutzer solcher Coworking Spaces? 

"Ganz unterschiedlich. Erstens: Freelancer und Selbstständige, denen Arbeitsflächen anderweitig nicht immer zur Verfügung stehen. Zweitens: Menschen, die im Homeoffice arbeiten, dies aber nicht allein tun wollen und nach wohnungsnahen Alternativen suchen. Drittens: Gründer, die für den Anfang flexibel Arbeits- und Besprechungsflächen brauchen. Viertens: Menschen, die zu einem Arbeitsplatz keine langen Anfahrtswege in Kauf nehmen möchten. Und fünftens: Firmen, die Büroarbeitsplätze suchen, ohne große Flächen für lange Dauer anmieten zu müssen. Im ländlichen Bereich besteht oft auch nur in dieser Immobilie die Breitbandverbindung in der Qualität, die für berufliche Tätigkeiten benötigt wird."

Wie funktioniert das Konzept ? 

"Meist gibt es einen Immobilien-Vermieter, eine Betreiberfirma für die Coworking Spaces und Nutzer. Sie müssen zusammen die richtige Mischung finden, die für diese Gemeinde, diese Immobilie und diese Nutzergemeinschaft zu einer nachhaltigen Nutzung führt. Es bedarf also einer Bedarfserhebung, die sehr ortsspezifisch ausfallen kann, und eines Betreiberkonzepts, das die verschiedensten Ansätze nachhaltig integriert. Auch Gemeinden spielen als Netzwerker eine große Rolle – vor allem im ländlichen Raum.

Welche Ansätze gibt es denn?

"Zum Beispiel kann die Mietdauer von mehreren Monaten bis zur stundenweisen Vermietung eines Arbeitsplatzes reichen. Die gemeinsamen Einrichtungen können spartanisch ausfallen, aber auch modernes Design und hippen Flair bieten."

Welche Vorteile bieten diese Stätten? 

"Bei Home Office kann Coworking zum Beispiel Vereinsamung entgegenwirken, denn das Büro war schon immer nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch sozialer Treffpunkt. Wenn der Coworking Space von Pendlern genutzt wird, verringert sich das Verkehrsaufkommen. Es entsteht die Möglichkeit, wohnortnah zu arbeiten, mehr Freizeit und Lebensqualität zu gewinnen, und dennoch bleibt die Trennung von Privatleben und Job erhalten. Im ländlichen Raum sind Coworking Spaces eine hervorragende Möglichkeit, um zum einen das Verkehrsaufkommen zu vermindern und damit auch etwas für den Klimaschutz zu tun, zum anderen die Attraktivität des Standorts zu erhöhen und Innovationsmöglichkeiten zu schaffen, wenn etwa Firmen mit digitalisierten Produkten in der Nähe ansässig werden."

Es gibt auch Coworking Spaces, die mit Gastronomie oder Fitnessräumen kombiniert werden. 

"Ja. Sie können eine Begegnungsfunktion besitzen und so zur Belebung von Ortszentren beitragen. Sie können aber auch zum Wissensaustausch dienen und damit zu Innovation und Weiterbildung führen. Bedeutsam sind immer die Kernwerte Zusammenarbeit, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit, Offenheit und Zugänglichkeit.

Interview: Manuel Eser

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