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Betrugsprozess

Abgehakt und abgeschrieben

Die meisten Geldgeber des 46-Jährigen aus dem Landkreis, der – wie berichtet – Freunde und Bekannte um insgesamt rund 420 000 Euro abgezockt haben soll, haben ihre Verluste abgehakt und abgeschrieben. So lassen sich die gestrigen Aussagen der „Opfer“ vor der 6. Strafkammer des Landgerichts, auf einen Nenner bringen. 

Landkreis – Die meisten Geldgeber des 46-Jährigen aus dem Landkreis, der – wie berichtet – Freunde und Bekannte um insgesamt rund 420 000 Euro abgezockt haben soll, haben ihre Verluste abgehakt und abgeschrieben. So lassen sich die gestrigen Aussagen der „Opfer“ vor der 6. Strafkammer des Landgerichts, auf einen Nenner bringen. Die Anklage wirft dem 46-Jährigen, der damals als Schwiegersohn in einer Firma im Landkreis im Verkauf tätig war, vor, ab 2012 Geldgeber aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis für seine angeblichen Investitions-Geschäftsideen im Fahrzeug-, Uhren- und Internethandel, mit großen Rendite-Versprechen geworben zu haben. Auf die Rückzahlung von insgesamt 420 000 Euro warteten die Geschädigten heute noch. Der Verkäufer hatte zum Prozessauftakt ein weitgehendes Geständnis abgeliefert. Schier unglaublich war für die Zuhörer im Gericht die Leichtgläubigkeit der Opfer. Sogar ein Banker (51) war unter den Geldgebern des Angeklagten. „Ich wusste, dass es ein spekulatives Geschäft war“, sagte der Mann nun vor Gericht, „aber ich hatte das Gefühl, er weiß, was er tut.“ Einmal 15 000 Euro und einmal 30 000 Euro habe er in bar übergeben oder überwiesen. Für die Beträge habe er sich nur eine Quittung geben lassen, so der Banker, über die Rückzahlung habe es keine Vereinbarung gegeben. „Sie sind privat offenbar blauäugiger als beruflich“, kommentierte Vorsitzender Richter Ralph Reiter.

„Schleichend“ sei alles vor sich gegangen, so ein weiterer Geldgeber (32). Für die Roller-Importe aus Italien habe er zunächst Beträge zwischen 4000 und 5500 Euro investiert, für die er dann bis zu 2500 Euro mehr zurückbekommen habe. Zuletzt habe er dann sogar 50 000 Euro bei der Bank aufgenommen: „Ohne Quittung, aber mit der Zusage, dass daraus 75 000 Euro werden.“

Für viel Heiterkeit und nicht weniger Verwunderung sorgte ein Handelsvertreter (63). Er selbst sei „Sammler“, bekundete er, und habe mit dem Autoverkäufer immer wieder „geschachert“. Für angebliche Traktoren- und Rollerkäufe habe er ihm dann immer wieder Darlehen gegeben: „Ich habe nie gezweifelt, dass er zurückzahlen kann, ich wollte auch keine Rendite, es war ein reiner Freundschaftsdienst.“ Um welche Summen es sich gehandelt hatte, daran konnte sich der 63-Jährige nur vage erinnern, bis ihm die Prozessbeteiligten vorrechneten, das er insgesamt rund 84 000 Euro investiert und lediglich 30 000 Euro zurückbekommen habe. Er sei aber dem Angeklagten nicht gram, so der Handelsvertreter. „Er hat doch jedem geholfen, er hat keine kriminelle Ader.“ Außerdem habe er selbst noch finanzielle Reserven.

Der Prozess wird am Freitag mit der Vernehmung weiterer Geschädigter fortgesetzt. 

Walter Schöttl

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