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Eschenbacher fürchtet Massenzuzug

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Von: Manuel Eser

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Stabile Zahlen: Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Bevölkerungszahlen in den einzelnen Kommunen nur marginal verändert. Aber sollte die 3. Startbahn kommen, könnten die Balken deutlich länger werden. © Diaz

Landkreis - Der Landkreis Freising hat eine neue Marke geknackt: Laut Bayerischem Landesamt für Statistik leben erstmals über 170 000 Menschen in der Region. In der Stadt Freising stagnieren die Einwohnerzahlen zwar. Doch dem OB bereiten schon jetzt die Auswirkungen einer 3. Startbahn Sorgen.

Der Landkreis Freising wächst und wächst. Um fast 1000 Menschen pro Jahr steigt die Einwohnerzahl in der Region durchschnittlich. Das geht aus den Unterlagen des Bayerischen Landesamts für Statistik hervor, das gerade die jüngsten Zahlen herausgebracht hat. Und die besagen: Zum 31. Dezember 2014 waren 170 357 Menschen im Landkreis gemeldet. 2010 waren es noch unter 166 000 Bewohner.

Eva Dörpinghaus, Sprecherin des Landratsamts, nennt mehrere Gründe für dieses Wachstum. Hauptfaktor sei die blühende Wirtschaft, die dazu führe, das Arbeitskräfte von auswärts kämen. „Aber auch der Münchner Speckgürtel wirkt da mit rein. Und wir rühmen uns der weichen Standortfaktoren, die für Firmen ebenfalls eine Rolle spielen.“ Dazu gehören Bildungseinrichtungen, Kinderbetreuungsstätten und ein reichhaltiges Angebot für Jugendliche. „Aber auch die Nähe zu den Bergen zählt zu diesen weichen Standortfaktoren.“

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Stabile Zahlen: Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Bevölkerungszahlen in den einzelnen Kommunen nur marginal verändert. Aber sollte die 3. Startbahn kommen, könnten die Balken deutlich länger werden. © Diaz

Von Freising aus sind die Alpen bei Föhnwetter gut zu sehen. Trotzdem stagniert die Einwohnerzahl der Stadt. Lag sie vor fünf Jahren knapp unter 45 000, hat sie sich im Augenblick bei 45 857 eingependelt. „Die Zahlen schwanken zwar manchmal, aber über Jahre hinweg werden sie steigen“, sagt Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher.

Vor allem für den Fall, dass am Flughafen München die dritte Piste gebaut wird, rechnet er mit einer Flut von Zuzügen. „Die IHK spricht von 21 000 neuen Arbeitsplätzen, wenn die Startbahn realisiert wird. Da wir faktisch Vollbeschäftigung im Landkreis haben, müssen die Arbeitskräfte von auswärts kommen. Bezieht man die Familien mit ein, dürften rund 70 000 Menschen in unsere Region ziehen“, rechnet Eschenbacher vor.

Das Problem: Wo sollen diese Menschen wohnen? Da der Wald im Norden für eine natürliche Grenze sorgt, kann die Stadt nur im Süden wachsen, doch dort fallen potenzielle Wohnareale durch den Pistenbau weg, wie Eschenbacher betont: „Das ist das Paradox: Auf der einen Seite würde der Bau einer dritten Startbahn den Bedarf steigen lassen, auf der anderen Seite raubt sie uns das Wachstumspotenzial im Süden.“

Eschenbacher geht auch davon aus, dass massenhafter Zuzug die ohnehin hohen Preise für Grundstücke und Mieten nach oben schnellen lässt. „Vor allem das Nord-Süd-Gefälle wird zunehmen“ sagt der OB. Schon jetzt seien die Immobilienpreise im Norden viermal so hoch wie im Süden. Eschenbachers Fazit: „Ein Prozent Wachstum können wir verkraften, um mit der Infrastruktur hinterherzukommen. Alles andere würde uns überrollen.“

Immerhin: Eine Tendenz zur Verstädterung lässt sich an den Zahlen des Statistikamts nicht ablesen. Eine Landflucht gibt es in der Region nicht. „Der Kreis tut aber auch einiges dafür, um das zu verhindern“, betont Eva Dörpinghaus. Erst kürzlich waren im Kreistag die MVV-Linien auf dem Prüfstand, kurz darauf wurden Verbesserungen für 260 000 Euro beschlossen. Auch der Ausbau des Radwegenetzes, der Bau der Realschule in Au und die Umsetzung des Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts tragen zur Stärkung der Landgemeinden bei, berichtet Dörpinghaus: „Und wir haben einen Notruf, bei dem gewährleistet ist, dass die Rettung in 15 Minuten da ist – egal, wo man im Landkreis wohnt.“

Die kleinste Gemeinde im Landkreis ist Gammelsdorf mit 1407 Bewohnern. Vor fünf Jahren waren es noch fast 1600. Doch der Einwohnerverlust existiert nur auf dem Papier, wie Bürgermeister Paul Bauer erklärt. Die Zahlen seien im Zuge der Volkszählung vor einigen Jahren nach unten korrigiert worden. „Da hat uns der Zensus geschadet“; sagt der Rathauschef. „Eine Auswanderungswelle hat es nicht gegeben.“ Damit es auch nicht so weit komme, sei es wichtig, Kindergarten und Grundschule am Leben zu halten, sagt Bauer. Und die Kommune tut etwas dafür: Nach insgesamt fünf Jahren Pause weist der Gemeinderat wieder einmal ein Baugebiet aus. In seiner jüngsten Sitzung hat das Gremium den Startschuss dazu gegeben. Im Baugebiet „Fahrtfeld“ sollen 40 Wohneinheiten entstehen.

Thema Dritte Startbahn: Lesen Sie hier unseren Live-Ticker zum Seehofer-Besuch in Attaching.

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