Bericht aus dem Gericht 

Bewährungsstrafe für Wiederholungstäter

Ein 20-Jähriger aus dem Jugendwerk Birkeneck in Hallbergmoos hat immer wieder einen 14-Jährigen malträtiert. Das Opfer gab sich vor Gericht zunächst wortkarg und betont lässig – rückte dann aber heraus mit der Sprache. Der 20-Jährige ist zudem kein Unbekannter. Es war ein Geduldsspiel für Jugendrichter Boris Schätz.

Hallbergmoos – Einen 14-Jährigen hat der Angeklagte (20) im Jugendwerk Birkeneck bei Hallbergmoos mehrfach malträtiert. Aus Dezember und Januar allein sind fünf Vorfälle bekannt. Zuletzt verdrehte er dem Buben beim Fernsehen das Bein. Dabei hielt er ihm den Mund zu, so dass er keine Hilfe rufen konnte.

Vor dem Amtsgericht Freising schwieg der 20-Jährige. Nach Informationen einer Betreuerin schlägt er sich im Haus wacker. Er ist fünffach vorbelastet, saß wegen Diebstahls, einfacher und gefährlicher Körperverletzung wiederholt zum Teil für mehrere Wochen in Arrest.

Der Unterschied zwischen einfacher und gefährlicher Körperverletzung ist in der Tatausführung begründet: Sobald der Täter ein gefährliches Werkzeug nutzt oder mehrere Angreifer im Spiel sind, handelt es sich um gefährliche Körperverletzung. In einem Fall hatte der 20-Jährige sein Opfer mit dem Korkenzieher seines Taschenmessers traktiert. Die Verletzungen hielten sich aber in Grenzen. Eigenen Angaben zufolge blutete der 14-Jährige nicht mal.

Überhaupt fiel auf, dass der Bub nicht übermäßig bemüht schien, seinen Peiniger zu belasten. Der 14-Jährige gab sich im Gerichtssaal betont lässig und so musste Richter Boris Schätz mehrere Versuche unternehmen, die Verhandlung ernsthaft zu gestalten. Vielleicht fürchtete der Bub ja Vergeltungsmaßnahmen des 20-Jährigen. Denn: Seine bevorzugte Antwort auf Fragen des Gerichts lautete „keine Ahnung“. Offenbar ist es aber seine Art, als schmächtiges Bürschlein mit ungerührtem Auftreten und flotten Sprüchen aufzuwarten.

Dem Jugendrichter zumindest war bald anzumerken, dass ihm seine Zeit zu kostbar ist für solcherlei Spielchen. „Ziemlich viel passiert im Dezember und Januar vergangenen Jahres“, startete Schätz einen letzten Versuch: „Was genau ist nun passiert?“‘, fragte er den 14-Jährigen. Weiterhin entspannt auf einem Kaugummi herum schmatzend, blieb der Zeuge seiner Linie treu: „Keine Ahnung! Nichts“, antwortete er nach einer kurzen Pause.

Aufgebracht, wie man ihn selten erlebt hat, fuhr Schätz den 14-Jährigen daraufhin an, drohte ihm ein Ordnungsgeld an, das durchaus schon mal 300 Euro betragen kann. Es dauerte dann noch ein Weilchen, bis der 14-Jährige sein Kaugummi entsorgte. Dann erst beschuldigte der Bub den Angeklagten, einer zu sein, der gern auf Jüngere losgeht. Der Angeklagte habe ihm den Korkenzieher in den Bauch gestochen, sagte er. Er habe ihn gebeten, aufzuhören. Gerade erst sei er doch am Blinddarm operiert worden.

Auf Frage des Gerichts verneinte der anwesende Polizist, dass der Angeklagte mit seinen fünf Verurteilungen schon als Intensivtäter gilt. Seit seinem dritten Lebensjahr hält er sich in Heimen auf. Kontakt zu den Eltern besteht nicht. Dafür bemüht er sich um ein gutes Verhältnis zu seinen beiden Geschwistern und den fünf Halbgeschwistern.

Der 14-Jährige zumindest scheint in seiner Not gern zu provozieren. Laut Staatsanwältin aber hat der Angeklagte den Jüngeren richtiggehend gequält. „Jemandem Schmerzen zuzufügen, nur weil der womöglich provoziert“ – das gehe gar nicht.

Das Gericht verurteilte den 20-Jährigen zu acht Monaten Bewährung und einem dreiwöchigen „Warnschussarrest“. Auf das von der Anklägerin beantragte Antiaggressionstraining verzichtete Schätz: „Alles schon probiert.“ Mit seinen 20 Jahren steht der Angeklagte unmittelbar vor der Tür zum Erwachsenenstrafrecht.

Rubriklistenbild: © dpa

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