Wie geht’s weiter? Die wenig ansehnliche Lagerhalle an Hauptstraße und Klosterweg soll einem Boardinghaus-Komplex weichen. Über den wird fleißigst diskutiert. Foto: Wilms

Boardinghaus: Planer zeigen kein Interesse

Eching - Das gibt es wohl auch nicht alle Tage, dass aus fachlicher Sicht gleich von drei Seiten abgewunken wird, ein innerörtliches Bauobjekt zu planen. So geschehen beim ohnehin viel diskutierten Bauvorhaben des Echinger Investors Herbert Krimmer, der am Eck Klosterweg/Obere Hauptstraße einen fünfgeschoßigen und mehrflügeligen Boardinghaus-Komplex mit 80 Zimmern errichten will.

Schon mehrfach hat dieses Thema zu intensiven Debatten im Ratsgremium geführt. In der letzten BPU-Sitzung vor der Sommerpause kam es erneut auf den Rathaustisch. Noch im Juni waren dem Grundstückseigentümer vom Gremium einige Adaptionen auferlegt worden, damit (wenigstens) gesetzlich erforderliche Abstandsflächen eingehalten werden. Aber auch nach den vorgenommenen, geringfügigen Änderungen erwies sich das Gesamtvorhaben als nicht an die angefragten Planungsbüros vermittelbar. Sie lehnten es kategorisch ab, den für das Genehmigungsverfahren notwendigen Bebauungsplan für das Bauvorhaben zu erstellen. Die wörtliche Begründung des langjährigen Ortsplaners Joachim Hansen: die Boardinghaus-Pläne seien „ortsplanerisch nicht gut gelungen.“ Ebenso wenig wollte ein Planungsbüro aus Dachau den Auftrag übernehmen. Auch vom Planungsverband „Äußerer Wirtschaftsraum“ kam ein klares Nein.

Als Ausweg aus dieser Situation schlug die Verwaltung, die mit dem Eigentümer seit Monaten im Gespräch steht, die Anwendung eines sogenannten „vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ nach § 12 BauGB (Baugesetzbuch) vor. Dieses Instrumentarium beinhaltet, dass der Grundstückseigentümer ein eigenes Planungsbüro für die Erstellung eines Planentwurfs beauftragt und dafür die Kosten übernimmt. Die Gemeinde führt weiterhin die gesetzlichen Verfahrensschritte durch, wie Bekanntmachungen und Anschreiben, sowie Einwände von Nachbarn und Behörden. Der Abwägungsprozess zu vorliegenden Stellungnahmen erfolgt dann in enger Abstimmung mit dem Eigentümer und seinem eingeschalteten Planungsbüro.

Es folgte eine lebhafte Diskussion über das Pro und Contra eines „vorhabenbezogenen Bebauungsplans“. Die SPD sprach sich deutlich dagegen aus: „Drei Planungsbüros haben abgesagt. Das Vorhaben ist einfach zu massiv und macht städtebaulich keinen Sinn“, argumentierte Anette Martin - und weiter: „Hier stehen unternehmerische Aspekte im Gegensatz zu Interessen der Allgemeinheit klar im Vordergrund.“. Rückendeckung bekam Martin von Sylvia Jung (Bürger für Eching). „Wenig Praxisbezug“ monierte dagegen Bürgermeister Josef Riemensberger bei den Planern, als er sich dem Bauvorhaben mehr von der praktischen Seite annäherte und merkte an, dass „manche Ortsplaner noch nie selbst etwas gebaut“ hätten.

Simon Schindelmayr (CSU) brachte als Argumente für einen vorhabenbezogen Bebauungsplan vor, denn was helfe es, „einen Bebauungsplan aufzustellen, den der Bauherr dann nicht umsetzen will“. Wenn er dagegen mit einem selbst finanzierten Bebauungsplan in Vorleistung gehe, sei das immerhin „sein Risiko“.

Bei der abschließenden Abstimmung konnten sich SPD, FW, BfE und Grüne gegen die CSU durchsetzen, womit die Durchführung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans mit 8:5 Stimmen abgelehnt wurde. Beim weiteren Vorgehen ist nun notwendig, einen konventionellen Leitplan zu erstellen. Und so stehen die Bauherrenpläne ein weiteres Mal auf dem Prüfstand. Fortsetzung folgt nach der Sommerpause.

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