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Die Helfer in der Mehrzweckhalle hatten beim Auszählen des Bürgerentscheids in Fahrenzhausen alle Hände voll zu tun.

Das Ergebnis zum Rathausneubau steht fest

Bürgerentscheid Fahrenzhausen zum Rathausneubau: Enttäuschte Gewinner, zufriedene Verlierer

Neues Rathaus auf Kirchen- oder auf Gemeindegrund? Die Bürger Fahrenzhausens haben am Sonntag darüber  abgestimmt. Die Auszählung kam am Ende einem Krimi gleich. 

Fahrenzhausen – Das war knapp: In Fahrenzhausen wurde am Sonntag endgültig über den Rathausstandort abgestimmt. Erst durch die Stichfrage herrschte am Ende Klarheit: Die Gemeinde darf die bisherigen Pläne weiterverfolgen, das Rathaus wird auf Kirchengrund in Erbpacht errichtet.

Bürgerentscheid in Fahrenzhausen: Entspannter Tag, dramatischer Abend

Gestern erlebte Fahrenzhausen einen ganz entspannten Sonntag: Gemeinderätin Eva Stocker arbeitete im Garten, und Christian Pallauf von der Bürgerinitiative war bei einem Jugendfußball-Hallenturnier. Niemand blies zum großen Finale des Bürgerentscheids, in das Wahllokal kamen nur etwas mehr als 100 Personen, die meisten hatten die Möglichkeit zur Briefwahl genutzt. 1998 von 3967 wahlberechtigten Personen hatten insgesamt abgestimmt – eine Wahlbeteiligung von etwas mehr als 50 Prozent.

Das erste Kreuz war beim Ratsbegehren zu setzen: Dabei stimmten 1078 Bürger für den Rathausbau in Erbpacht auf dem kirchlichen Grundstück (57,8 Prozent), 793 waren dagegen. Das zweite Kreuz sollten die Fahrenzhausener beim Bürgerbegehren machen. Mit 906 Ja-Stimmen gab es aber auch hier eine Mehrheit von 50,96 Prozent – und zwar für ein Rathaus nebenan auf gemeindlichem Grund. 872 Personen hatten bei Frage Nummer zwei dagegen gestimmt. Rund 100 Befürworter des Rathauses auf Kirchengrund hatten bei dieser Frage auf das Kreuzchen verzichtet. Zudem gab es 218 ungültige Stimmen.

Am Ende fiel die Entscheidung durch die Stichfrage. Hier entfielen auf ein Rathaus auf Kirchengrund 1060 Stimmen (54,6 Prozent) und auf ein Rathaus auf Gemeindegrund 881. „Ich hätte mir ein klareres Ergebnis gewünscht“, sagte Bürgermeister Heinrich Stadlbauer, der nicht sonderlich glücklich auf die Ergebnisse blickte.

Bürgermeister Stadlbauer: Alle müssen wieder zusammenarbeiten

Sein Wunsch ist es nun, dass alle Beteiligten den Ausgang dieser Entscheidung akzeptieren: „Jetzt müssen wir alle wieder zusammenarbeiten.“ Die Gemeinde habe durch den Stillstand der vergangenen Monate Zeit verloren, brauche aber dringend das neue Rathaus mit mehr Platz für die Verwaltung.

Auf der anderen Seite stand gestern die Bürgerinitiative, die sich bestätigt fühlte durch den engen Ausgang der Abstimmung. „Wir sind zufrieden“, sagte Michael Müller, der Sprecher der BI. Der Bürgerentscheid habe Positives bewirkt, „denn die Bürger wollten informiert werden und die andere Seite hat sich dann hingesetzt, um zu rechnen. Wir haben unsere Ziele erreicht.“

Bürgerinitiative ist zufrieden mit dem Ergebnis

Auch angesichts des knappen Ergebnisses sah es Christian Pallauf rückblickend als den richtigen Weg an, dass die BI keine Infoflyer an die Bürger verteilt hatte: „Sonst hätte sich das alles immer weiter hochgeschaukelt.“

Müller und Pallauf kandidieren für den Gemeinderat bei der Fahrenzhausener Kommunalwahl und betonten unisono: Sollten sie in den Gemeinderat einziehen, würden sie das Ergebnis des gestrigen Abends akzeptieren. „Wir sind alle Demokraten und nehmen das Ergebnis so an, wie es ist“, sagte auch Ursula Schwarz.

Eva Stocker war eine derjenigen Gemeinderäte, die in den vergangenen Wochen leidenschaftlich für ein Rathaus auf dem kirchlichen Grund gekämpft hatte. Sie war in den vergangenen drei Jahren Mitglied eines Arbeitskreises, der diesen Standort befürwortet und den Weg hin zum neuen Rathaus geebnet hatte. Sie machte schon vor der Abstimmung deutlich, dass sie bei einer Umplanung hin zu einem Rathaus auf Gemeindeflächen ihr Mitwirken in diesem Arbeitskreis überdenken würde. Denn dann müsse sie etwas vorantreiben, hinter dem sie nicht voll und ganz stehe.

Daumen hoch: Erleichtert über das Ergebnis waren Heinrich Kislinger, Eva Stocker, Robert Kern, Heinrich Stadlbauer, Markus Kistler und Christian Kislinger.

Stocker war bei all den hitzigen Debatten der vergangenen Monate über den Ruf, der Kommunalpolitikern offenbar vorauseile, enttäuscht: „Wir Gemeinderäte werden mit der großen Politik in einen Topf geworfen. Dabei arbeiten wir doch ehrenamtlich mit dem Ziel, die Gemeinde in eine gute Zukunft zu führen.“

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