Denkbar knappes Ergebnis beim Bürgerentscheid

Bürgerentscheid in Rudelzhausen: Viel Platz für Interpretationen

Ein Kreuz mehr als anderswo war am Wahlsonntag in Rudelzhausen zu machen. Der Bürgerentscheid über die umstrittene Ortsumfahrung spaltete die Gemeinde. Es ging denkbar knapp aus. Die Spannung zwischen Gegnern und Befürwortern war kaum auszuhalten. Am Ende gaben 22 Stimmen den Ausschlag.

Rudelzhausen – Schon am frühen Nachmittag zeichnete sich eine rege Wahlbeteiligung ab. Am Ende gingen knapp 2000 von 2700 Rudelzhausenern an die Urne für den Bürgerentscheid. Gegen 13.30 Uhr waren bereits so viele Stimmzettel in der schwarzen Plastikbox, dass Wahlhelfer Josef Fahn sie hin und wieder ordentlich durchschüttelte, um Platz für den Nachschub zu schaffen.

Wie sie wohl abgestimmt hätten, in der heiklen Frage, ob es eine Ortsumfahrung braucht oder nicht, dazu wollte das Wahlvolk aber nicht so recht etwas sagen. Die meisten hielten sich bedeckt, wo sie ihr Kreuz beim Bürgerentscheid gemacht haben. Das gehe niemanden etwas an, meinte einer der Befragten. Nicht verwunderlich, wie man am Tisch der Wahlhelfer in der Schulaula feststellte. „Das ist ein heißes Eisen“, hieß es.

Auch ein Mittdreißiger, der gerade seinen Wahlzettel in die Urne gesteckte hatte, wollte nicht sagen wie er abgestimmte hat. „Weil ich direkt betroffen bin von dem Ganzen“, sagte er. Einem Familienvater, der mit seiner Tochter ins Wahllokal kam, war es „ehrlich gesagt egal“, ob die Ortsumfahrung kommt oder nicht. Auf die Frage, warum er dann überhaupt seine Stimme abgegeben hat, antwortete er: „Ich habe es für jemand anders gemacht.“

Einer der Befürworter sagte lapidar: „Jedes Bauerndorf hat eine Órtsumfahrung, warum sollen wir keine haben?“ Auskunftsfreudiger war da schon eine junge Studentin. Sie sagte: „Ich habe gegen die Umgehung gestimmt. Mir geht es vor allem ums Prinzip. Wenn andere die Straße nicht wollen, dann finde ich das unfair, dass die das Recht haben, ihnen die Umgehungsstraße vor die Haustüre hinzubauen. Es kostet Geld und es geht zu Lasten der Umwelt.“

Die Sympathien waren etwa gleich verteilt. Bis zum Ende war es ein offenes Rennen. Die beiden Lager näherten sich bis kurz vor 21 Uhr weitgehend an. Kurz nach 21 Uhr herrschte schließlich Klarheit. Die Befürworter der Ortsumfahrung hatten knapp die Nase vorn. Das Votum der Bürger fiel mit 1002 Nein-Stimmen und 980 Ja-Stimmen ungemein knapp aus. Die Frage hatte nämlich gelautet ob die Gemeinde die Pläne einer Ortsumfahrung einstellen soll. Die Wahlbeteiligung lag bei 73,91 Prozent. 1992 von 2695 Stimmberechtigen nahmen an dem Bürgerentscheid teil. 50,55 Prozent stimmten mit Nein, 49,45 Prozent mit Ja. Die Mehrheit der Bürger will also die Pläne weiterfolgen. Ein Ergebnis, das trotzdem viel Platz für Interpretationen ließ.

„Ich bin glücklich“, sagte Befürworter Bruno Stahl – auch wenn es knapp war. Mit „dieser grünen Idee kann man heute schon einige Leute begeistern“, urteilte Stahl über die Strategie der Umfahrungsgegner. Laut Stahl habe sich aber der gesunde Menschenverstand durchgesetzt.

Georg Brunner sieht das freilich anders. „Wir fühlen uns nicht als Verlierer“, sagte er. Das Ergebnis wertete er als Signal. „Wir wollten zeigen, wie die Rudelzhausener wirklich eingestellt sind“, sagte der Sprecher der BI „B 301 – Zeit für Vernunft“. Das Ergebnis mache Mut – man werde den Weg weitergehen.

Alexander Fischer

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