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„Ich durfte 36 Jahre der Gemeinde dienen“: Johann Stegmair war nie ein Chef, der sich für Arbeit zu schade war.

Nach 24 Jahren im Amt

Bürgermeister Johann Stegmair verabschiedet sich als Gemeindechef - und hinterlässt keine offenen Baustellen

  • vonNico Bauer
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„Ich durfte 36 Jahre lang der Gemeinde Hohenkammer dienen.“ Johann Stegmair, der scheidende Bürgermeister von Hohenkammer, blickt voller Dankbarkeit zurück auf seine kommunalpolitische Zeit, die am 30. April endet. Der Countdown läuft. 

VON NICO BAUER

Hohenkammer „Ich durfte 36 Jahre lang der Gemeinde Hohenkammer dienen.“ Johann Stegmair, der scheidende Bürgermeister von Hohenkammer, blickt voller Dankbarkeit zurück auf seine kommunalpolitische Zeit, die am 30. April endet. Der Countdown läuft.

Auch trotz der verschobenen Bürgermeisterwahl in der Gemeinde endet die Ära Stegmair. Und mit ihm geht ein Bürgermeister, der seine Gemeinde gut für die Zukunft aufgestellt hat. Johann Stegmair zog 1984 in den Gemeinderat ein und zwei Perioden später, 1996, wurde er Bürgermeister. „Die Gemeinde war damals finanziell angeschlagen“, erinnert sich Stegmair zurück an eine Zeit, in der viel investiert wurde. Anfang der 90er Jahre brach dann noch mit der Brauerei der wichtigste Arbeitgeber am Ort weg. Stegmair war an den Grundstücksverhandlungen damals beteiligt: „Eigentlich wollte ich dort nur 20 Quadratmeter Grund kaufen. Das ging aber nicht, sodass ich am Ende alles gekauft habe.“ Heute steht auf dem Grundstück in der Ortsmitte ein gemeindliches Wohn- und Geschäftshaus. Gegenüber befindet sich eine grüne Wiese, auf der noch vor Kurzem das heruntergekommene Gebäude der Alten Post stand. Stegmair ist stolz, dass der von vielen Bürgern als Schandfleck bewertete Bau nun beseitigt wurde und der neue Gemeinderat eine große Chance hat, die Ortsmitte neu zu gestalten.

Rücklagen, mit denen man gut in die Zukunft planen kann

„Es ist mir wichtig, eine gut geschmückte Braut zu übergeben“, sagt der Bürgermeister und denkt dabei freilich auch an die Rücklagen, mit denen die Fläche im Zentrum bebaut werden kann. Nur ein Kauf hat nicht geklappt und da lacht Bürgermeister Stegmair noch heute selbst etwas über sich. In der Zeit, als Hohenkammer finanziell noch nicht so wie heute situiert war, spielte der seinerzeit noch junge Bürgermeister mit dem Gedanken, das gesamte Schlossensemble zu kaufen. Als er die Idee dem damaligen Landrat Manfred Pointner erzählte, traute der seinen Ohren nicht. Diesen Plan ließ Stegmair wieder fallen, und heute ist das Schlossensemble ein regional sehr bekanntes Tagungszentrum.

Den Wohlstand der Gemeinde Hohenkammer hat Johann Stegmair auch gesichert – mit dem 1998 geschaffenen Gewerbegebiet nahe Eglhausen. Auf acht Hektar Fläche sind 450 Arbeitsplätze entstanden mit einheimischen Unternehmen, die wachsen konnten, sowie mit neuen, zugezogenen Firmen. „Dieses Gewerbegebiet passt zu Hohenkammer“, sagt der scheidende Bürgermeister. Er sieht mit dieser wegweisenden Entscheidung auch die Basis, „damit sich künftige Generationen in Hohenkammer auch etwas leisten können“. Dieses Wachstum mit Augenmaß ist Johann Stegmair immer wichtig gewesen: Er achtete schon auf eine geringst-mögliche Flächenversiegelung, als dies in der großen Politik noch gar kein Thema war. „Wir waren auch die erste Gemeinde im Landkreis mit einer Solar GmbH“, sagt Stegmair. Dieses Tochterunternehmen hat konsequent Photovoltaikanlagen auf den gemeindlichen Liegenschaften realisiert und somit von Hohenkammer aus einen Betrag für die weltweite Energiewende geleistet. „Wir müssen vernünftig mit unserer Umwelt umgehen“, ist die Botschaft des Bürgermeisters an seine Nachfolger.

Stolz sagt er, mit der gemeindlichen Solarinitiative auch wirtschaftlich ein Vorbild für die Landwirtschaft im Gemeindegebiet gewesen zu sein. Überhaupt ist Johann Stegmair stolz darauf, dem künftigen Gemeinderat eine in vielen Bereichen zukunftsfähige Kommune übergeben zu können. Dabei denkt er an die Grundschule und die ausreichende Anzahl an Kinderbetreuungsprojekten. In das Bild passt auch der selbstbewusste Weg mit dem Austritt aus der Verwaltungsgemeinschaft Allershausen und der kompletten Nutzung des Rathauses. Früher waren in dem Gebäude noch ein Arzt und ein Zahnarzt untergebracht. „Heute haben wir ein richtiges Rathaus“, betont Stegmair.

Siedlungspolitik auf den eigenen Grundstücken

Eine der der wichtigsten Maßnahmen für den Rathauschef war aber die Realisierung des Baugebietes Oberfeld. „Wir machen unsere Siedlungspolitik auf eigenen Grundstücken“, sagt der Bürgermeister. Gerade diese Grundstückspolitik sei für ihn der entscheidende Faktor in vielen Belangen der Gemeinde. In dem Baugebiet stehen noch rund zehn Hektar Bauland zur Verfügung. „Das reicht noch mindestens für eine Generation“, erklärt Johann Stegmair. Das ist für ihn vorausschauende Politik.

Wenn der Bürgermeister am 30. April seinen letzten Arbeitstag hat, dann steht der Nachfolger noch nicht fest. In Hohenkammer haben die Bürger noch nicht gewählt. Die Wahl wurde verschoben, weil einer der Kandidaten überraschend verstorben war.

Stegmair hat aber kein Mandat mehr, weshalb der neue Gemeinderat aus seinen Reihen einen 2. Bürgermeister wählt und dieser dann zunächst die Geschäfte führt. Als gewähltes Mitglied des Kreistags macht Stegmair weiter. Und sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin kann ihn bei Fragen jederzeit anrufen . . .

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