Bürgerwindrad bei Kammerberg

Es läuft rund: Seit November zwei Millionen Kilowattstunden Windstrom produziert

Kammerberg - Seit Anfang November dreht sich das Bürger-Windrad bei Kammerberg. Und schon kann die Bürger Energie Genossenschaft Freisinger Land (BEG) erste Erfolgsmeldungen absetzen: Am Mittwoch wurde die Marke von zwei Millionen Kilowattstunden Windstromproduktion überschritten.

Damit liege das Resultat der ersten drei Betriebsmonate „erfreulicherweise über den prognostizierten Erträgen“, sagt Martin Hillebrand von der BEG. Und noch eine frohe Botschaft: Schon des Öfteren in den vergangenen drei Monaten erreichte die Windkraftanlage des maximale Leistung von drei Megawatt. Das Windrad soll, so hatten es die Prognosen ausgesagt, rund 6,2 Millionen Kilowattstunden sauberen und emissionsfreien Strom pro Jahr produzieren, was dem durchschnittlichen Strombedarf von 4700 Personen entspricht. Nach einem Vierteljahr hat man also bereits zwei Millionen Kilowattstunden produziert und liegt damit über den vorausgesagten Erträgen. Unkenrufe der Windradgegner, die Prognosen seien fast utopisch und die Bürger, die sich mit ihrem Geld an dem Projekt beteiligt hätten, dürften große Verluste einfahren, haben sich bis jetzt also nicht bestätigt. Die Kosten für Windrad, Kabeltrasse und Trafostation betrugen rund 5,5 Millionen Euro. An der Finanzierung des Windrades haben sich 250 Personen mit Eigenkapital in Höhe von rund 1,7 Millionen Euro beteiligt.

Die restliche Finanzierung erfolgte mit KFW- und direkten Bankdarlehen. „Bei dieser Anlage handelt es sich um eine speziell für das Binnenland entwickelte Windenergieanlage“, erklärt Hillebrand. Sie zeichne sich durch einen sehr großen Rotor und eine im Verhältnis dazu relativ geringe Generatorleistung aus. Dadurch könne die Anlage auch schon bei relativ geringen Windgeschwindigkeiten viel Strom erzeugen. Den Beweis für diese Theorie haben nun die ersten drei Monate in der Praxis erbracht. Benötigten bisherige Windenergieanlagen derselben Leistung noch Windgeschwindigkeiten von über 50 Stundenkilometer auf Nabenhöhe, um ihre maximale Leistung zu erzeugen, so reichen dem Bürger-Windrad bei Kammerberg dafür schon 43 Stundenkilometer an Windgeschwindigkeit aus. „Im Teillastbereich wird dieses Verhältnis noch deutlicher“, so Hillebrand: Erzeugten bisherige Anlagen bei einer Windgeschwindigkeit von knapp 30 Stundenkilometer nur ein Viertel ihrer maximalen Leistung, so könne das Bürger-Windrad hier schon die halbe Leistung erbringen.

„Die BEG hat mit der Inbetriebnahme des Bürger-Windrads einen weiteren Meilenstein für die regionale Energiewende realisiert“, betont Hillebrand und kann sich jetzt auf die Erfolge bei der Erzeugung regenerativen Stroms berufen. Die BEG hatte sich im April 2013 gegründet mit dem Ziel, die Energiewende im Landkreis Freising voranzutreiben und zu realisieren. Die Genossenschaft ist seit ihrer Gründung kontinuierlich gewachsen und hat mittlerweile mehr als 530 Mitglieder. Darunter befinden sich 14 der 24 Landkreisgemeinden, Vereine, katholische und evangelische Kirchgemeinden, Pfarreien, regionale Firmen und viele Bürger. Während der Bauphase für das Windrad bei Kammerberg wurde eine ökologische Baubegleitung durchgeführt. Mehrere ökologische Ausgleichsmaßnahmen wurden zwischenzeitlich bereits realisiert. Und an den bayrischen Naturschutzfonds wurde eine Ausgleichszahlung geleistet.

Andreas Beschorner

Rubriklistenbild: © dpa

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