Einen monumentalen Klangteppich bildete das Orchester zu den großartigen Stimmen des Chores und der Solisten. FOTO: GLEIXNER

Vom Chaos zu stehenden Ovationen

Freising - Der Schöpfungsbericht der Bibel hat den Komponisten Joseph Haydn zu einem Oratorium angeregt. Am Samstag interpretierten Domchor und Domberg-Kammerorchester das Werk im Freisinger Dom.

Es sei der „Höhepunkt“ des musikalischen Jahres, sagte Monsignore Rainer Boeck. Ein großes „Vergelt’s Gott“ gehe an die Künstler, die sich mit viel Ausdauer und Motivation den hohen Anforderungen des Werkes gestellt hätten.

Das Oratorium beschreibt die Schöpfungsgeschichte aus dem ersten Buch der Bibel: die kurze Zeit, in denen es den Menschen im Paradies vergönnt war, sorglos zu sein. Die reichhaltige Besetzung des Orchesters mit drei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotten, einem Kontrafagott, zwei Hörnern, zwei Trompeten, drei Posaunen, Pauken und Streichern bildeten einen monumentalen Klangteppich zu den schönen Stimmen des vierköpfigen Chores und der drei Gesangssolisten.

Schon zu Beginn der Darbietung trug das Werk sphärisch wirkende Klänge. Zunächst wurde das Chaos beschrieben, aus dem Gott Himmel und Erde erschuf. Dieser wohl berühmteste Abschnitt der Komposition beginnt mit einem Rezitativ, dem die Arien folgen. Im Mittelpunkt standen dabei die drei Solisten Beate Hariades (Sopran), Markus Roberts (Tenor) und Thomas Hamberger (Bariton). Als Erzengel Gabriel, Uriel und Raphael kommentierten sie in den Arien und den Rezitativen die Geschehnisse der einzelnen Schöpfungstage. Die stimmlichen Qualitäten der konzentrierten Chorsänger überzeugten die Zuhörer. Die Texte schwebten präzise artikuliert durch den weiten Kirchenraum des Mariendoms. Strategisch gut positioniert nahm man die unterschiedlichen Instrumentengruppen des Orchesters vor dem großen Chor gut wahr.

Eine wichtige Stütze im großen Kreis der Instrumente war das Cembalo von Angelika Sutor. Die zahlreichen Rezitative begleitete sie souverän und zurückhaltend. Die Gesangssolisten ergänzten die kompakte Leistung des Chores mit ihren stimmungsvoll interpretierten Arien. Mit ihrem wundervoll jugendlich wirkendem Sopran sang sich Beate Hariades (Erzengel Gabriel und Eva) in die Herzen der Zuhörer. Mit stimmlicher Wärme und hoher Präzision überzeugte der Bassbariton von Thomas Hamberger (Erzengel Raphael und Adam). Vor allem die bekannte Arie „Nun scheint in vollem Glanze der Himmel“ ließ aufhorchen. Markus Roberts (Erzengel Uriel) setzte mit seinem tragfähigem Tenor weiterhin gesangliche Akzente im Reigen der Solisten.

Die Darbietungen rührten die Zuhörer zutiefst. Am Ende des Oratoriums erhoben sich immer mehr von ihren Sitzplätzen: Es gab stehende Ovationen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

MVV führt 365-Euro-Ticket ein: Zwei Gruppen profitieren - SPD reagiert kritisch
Schüler und Azubis fahren ab Sommer für einen Euro am Tag. Die Gesellschafterversammlung des MVV hat am Freitag einer Finanzierung zugestimmt. Der SPD geht das nicht …
MVV führt 365-Euro-Ticket ein: Zwei Gruppen profitieren - SPD reagiert kritisch
Alarm in Freising: Kohlenmonoxid tritt in Wohnhaus aus
Alarm an der Freisinger Jägerwirtsgasse: Austretendes Kohlenmonoxid löste dort einen Rettungseinsatz aus.
Alarm in Freising: Kohlenmonoxid tritt in Wohnhaus aus
Jens-Uwe Klein kandidiert als Bürgermeister für Nandlstadt - mit Seitenhieb für Amtsinhaber
Jens-Uwe Klein tritt mit der neuen Gruppierung „Interessengemeinschaft Nandlstadt“ zur Bürgermeisterwahl an - und gibt einen Seitenhieb auf den Amtsinhaber.
Jens-Uwe Klein kandidiert als Bürgermeister für Nandlstadt - mit Seitenhieb für Amtsinhaber
Planung für Bierfestival Attenkirchen 2020 läuft: Veranstalter verraten Termin und erste Details
In 2020 steht wieder das Bierfestival Attenkirchen an. Die Organisatoren wollen dann einem anderen Großereignis die Stirn bieten - und haben eine Strategie gegen …
Planung für Bierfestival Attenkirchen 2020 läuft: Veranstalter verraten Termin und erste Details

Kommentare