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Kulturanerkennungspreis des Landkreises Freising 

Chorleiterin aus Eching: „Volkslieder sind ein kostbares Kulturgut“

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Im Rahmen der Kulturpreisverleihung des Landkreises Freising geht einer der Anerkennungspreise nach Eching: An den Chor Silberklang des ASZ-Mehrgenerationenhauses unter Leitung der gebürtigen Japanerin Kayao Katsuta Grandy.

Eching – Im September 2005 begann die Musikpädagogin und Logotherapeutin Kayao Katsuta-Grandy (Doktor der Philosophie) damit, im Echinger Alten- und Service-Zentrum zu einem offenen Singen einzuladen – mit nachhaltigem Erfolg. Viele der Sänger sind seitdem regelmäßig dabei und freuen sich auf jeden zweiten Montagvormittag im Monat, wenn sie sich zur Gesangsstunde treffen. Aus dem Singkreis hat sich in gut einem Jahrzehnt ein veritabler Chor unter dem sinnigen Namen Silberklang entwickelt.

Silberhell und klar sollen nicht nur die Stimmen erklingen – auch so mancher silbrige Haarschopf inspirierte zu dieser charakteristischen Bezeichnung. Allen Mitgliedern ist gemeinsam, dass sie bereits – mehr oder weniger weit fortgeschritten – in der zweiten Lebenshälfte stecken und die Freude am gemeinsamen Singen entdeckt haben. Im Interview spricht Kayao Katsuta- Grandy über ihre Vergangenheit und die Entwicklung des Chors.

-Was hat Sie dazu bewogen, ihre Familie und ihr Heimatland Japan zu verlassen und in Deutschland zu leben?

Ich bin zusammen mit einer jüngeren und einer älteren Schwester in Tokio in einer traditionsbewussten Ärztefamilie aufgewachsen. Mein Vater war Krebsforscher an der Uni. Die Erwartung der Großeltern, dass ich auch Medizin studieren sollte, habe ich bereits in meiner Kindheit gespürt. Ich wollte aber einen anderen Weg als meine Vorfahren nehmen, und meinen eigenen Interesse folgen - Musik, Bildende Kunst oder Geschichte. Ich habe mich schließlich für Philosophie entschieden, denn sie ist überhaupt das Fundament für all diese Dinge. Nach dem Magister-Abschluss an der Uni in Tokio habe ich mich um ein Stipendium des Kultusministeriums Bayern beworben, um meine Promotionsstudien fortzusetzen. So bin ich nach Deutschland gekommen.

-Und wann kam die Musik ins Spiel?

Während des Studiums hatte ich einen deutschen Studenten kennengelernt und wir wollten heiraten. Da ich zum Haushalt mehr beitragen wollte, machte ich die Ausbildung für Chorleiter und Singschullehrer in Augsburg. Seither bin ich musikpädagogisch tätig. Ein Schwerpunkt war viele Jahre die Arbeit mit kleinen Kindern und ihren Müttern. Ich bin sehr dankbar, dass ich in der Musikschule Eching die Möglichkeit bekam, mein Lehrkonzept für musikalische Früherziehung völlig frei aufzubauen. Die habe ich mit einer psychotherapeutischen Zusatzausbildung der Logotherapie vertieft.

-Wer oder was hat Sie bewogen, einen Seniorenchor zu gründen?

Dafür gibt es einen ganz persönlichen Auslöser: Meine Mutter in Japan, die den letzten Teil ihres Lebens in einer schönen betreuten Wohnung lebte, war mit dem Wohnheim sehr zufrieden. Nur eines hat ihr gefehlt: Singen in der Gemeinschaft. Und ich dachte, es könnte doch sein, dass es auch in meinem Umfeld viele ältere Menschen gibt, die gerne miteinander Lieder singen wollen. Sie gehören zu der Generation, die in ihren jüngeren Jahren bereits oft miteinander gesungen hat. So habe ich 2005 mit der Unterstützung des Mehrgenerationenhauses Eching den Seniorenchor „Silberklang“ ins Leben gerufen.

-Wie hat sich der Chor aus Ihrer Sicht in den zwölf Jahren entwickelt?

Am Anfang waren es nur drei oder vier Leute, die regelmäßig zum Singen kamen. Ich wusste aber durch meine Erfahrung, dass so ein Projekt eine lange Anlaufzeit braucht. Ich habe immer wieder die Frage gestellt: Was wollen wir singen? An welche schönen Lieder können Sie sich erinnern? Da sind viele traditionelle Volkslieder wie beispielsweise „Das Wandern ist des Müllers Lust“ , „Ännchen von Tharau“ oder das „Heideröslein“ im Gedächtnis haften geblieben. Dann machte schließlich der Chor einen solchen musikalischen Fortschritt, dass wir nun in der Lage sind, zwei- oder dreistimmige, anspruchsvolle Chorsätze einzustudieren und auch vorzutragen. Ich war sehr erstaunt über die große Lernfähigkeit der Sängerinnen und Sänger. Wir sind nun fast 30 Chormitglieder und das Durchschnittsalter beträgt 76 Jahre.

-Welche Lieder gehören zum Repertoire von Silberklang?

In Deutschland gibt es so viele wunderschöne Volkslieder. Das ist ein kostbares Kulturgut, das nicht in Vergessen geraten werden darf. Ja, ich kann mich noch daran erinnern, dass ich in der Musikstunde in Japan sehr viele Volkslieder aus Deutschland. gesungen habe – die Lorelei, Am Brunnen vor dem Tore. . . Auch meine Eltern liebten deutsche Lieder. Ich denke, man nimmt als Ausländer viel bewusster wahr, wie wertvoll solche Lieder sind, die durch mehrere Jahrhunderte überliefert worden sind. Ich sehe es als meine Aufgabe an, die Kultur des gemeinsamen Singens weiter zu pflegen, die aber leider zum Teil in unserer Zeit verloren gegangen ist.

-Was ist das Besondere am Singen mit älteren Menschen?

Es ist eine ganz besondere Freude für mich, mit älteren Menschen zu arbeiten. Sie sind begeisterungsfähig, dankbar und vor allem treu. Wenn ein neues Lied einstudiert wird, probe ich manchmal sehr genau und es ist sicherlich etwas anstrengend für manche, die an schmerzhaften Behinderungen und ernsthaften Krankheiten leiden. Ich bin aber immer wieder sehr gerührt, dass sie trotz allem versuchen, bei jedem Wind und Wetter zur Probe zu kommen. Vor allem schätze ich sehr, dass jedes Mitglied sich um eine gute Gemeinschaft bemüht und darum, füreinander da zu sein, sich gegenseitig zu stützen, wenn jemand in einer schweren Lage ist. Sie haben wirklich verdient, für solches menschliche Miteinander geehrt zu werden.

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