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Schaurig-schön sieht das „Gewebe“ der Pfaffenhütchen-Gespinstmotte aus.

Gespinstmotte verhüllt Sträucher

Der „Christo“ der Schmetterlinge

Ein gespenstisch anmutendes Bild in der Landschaft: Eingesponnene und kahl gefressene Sträucher leuchten silbern im Sonnenlicht. Die „Verhüllungsaktionen“ der Gespinstmotten sind zwar spektakulär, aber für Mensch und Pflanze wenig bedrohlich.

Landkreis – Seit Anfang Juni mehren sich an der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) Nachfragen besorgter Naturfreunde über die schaurig-schönen Gespinste an Bäumen und Sträuchern – nicht selten auch sensibilisiert durch das zunehmende Auftreten des Eichenprozessionsspinners. Doch wie Kurt Amereller von der bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Weihenstephan berichtet, „ist nicht jedes Gespinst in Bäumen ist auf den Eichenprozessionsspinner zurückzuführen: Dieser Schädling lebt ausschließlich an Eichen“. Und die können nach mehrjährigem starkem Auftreten direkt oder durch Folgeerscheinungen geschädigt werden.

Bei den derzeitigen kunstvollen Geweben handelt es sich um ein Werk, das die Gespinstmotten geschaffen haben. Den seidigen „Schleier“ spinnen die kleinen Raupen, um sich vor Fressfeinden wie Vögeln oder Witterungseinflüssen wie Regen zu schützen. Unter dem Schleier fressen die Raupen den jeweils befallenen Baum kahl. Amereller: „Das Aussehen der von Gespinstmotten eingesponnenen Sträucher und Bäumen ist zwar spektakulär, aber aus gesundheitlicher Sicht für den Menschen vollkommen harmlos.“

Bei Obstbäumen, raten Experten, sollte man rechtzeitig mit dem Absammeln der Tiere beginnen. Den übrigen Bäumen oder Sträuchern schade der Befall nicht. Noch im gleichen Jahr würden sie mit dem sogenannten Johannistrieb um den 26. Juni herum wieder austreiben und schon bald nicht mehr erkennen lassen, dass sie befressen worden wären.

Die häufigsten dieser weithin sichtbaren Raupengespinste finden sich an Traubenkirschen und werden verursacht durch die gleichnamige Traubenkirschen-Gespinstmotte. Die Sträucher werden ebenfalls kahlgefressen, erholen sich aber im Laufe der Vegetationszeit wieder. Zwei bis drei Wochen nach dem Kahlfraß treiben die Traubenkirschen wieder aus. Dann wandern die Raupen zum Stammfuß, wo sie sich im Schutz des Gespinstes verpuppen. Zu Beginn des Hochsommers schlüpfen die Motten und sitzen dann zu Hunderten an den noch immer silbrig eingesponnenen Stämmen.

Im Flug wirken die Motten unbeholfen, aber das ist für sie keine Gefahr: Vögel verschmähen sowohl den fertigen Schmetterling als auch seine Raupen. Auch häufig zu finden sind die Gespinste der Pfaffenhütchen-Motte.

Zudem zeigt die Traubenkirschen-Gespinstmotte ein interessantes biologisches Phänomen, weiß der LWF-Experte Amereller: „Nicht alle Raupen verpuppen sich im Schutz eines Gespinstes um sich zum fertigen Falter zu entwickeln. Einzelne Raupen bessern ständig entstandene Schäden am Schutzschleier aus. Sie sterben ab, ohne sich zu verpuppen. Zum Wohle der Artgenossen.“

Es gibt viel Gespinstmottenarten. Hin und wieder werden Weißdorn, Pappeln oder Weiden mit einem dichten Schleier überzogen. Manchmal sind auch Obstbäume dabei.  ft

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