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Corona-Bestimmungen führen zu Liebes-Chaos an der Grenze

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Von: Julian Nett

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Durch die Krise getrennt: Michael Ende kann seine Freundin Manuela Haberl zurzeit nicht sehen. Sie lebt in Österreich. An der Grenze bekam er Probleme.
Durch die Krise getrennt: Michael Ende kann seine Freundin Manuela Haberl zurzeit nicht sehen. Sie lebt in Österreich. An der Grenze bekam er Probleme. © Privat

Viele Menschen leiden wegen des Coronavirus unter den Ausgangsbeschränkungen. Für die Liebe dürfen Grenzen überschritten werden. In der Praxis führt dies jedoch oft zu Problemen.

Eching/Laufen – Michael Ende lebt allein. Und seit mehr als sechs Wochen arbeitet er auch von zu Hause in Eching (Kreis Freising) aus. Doch darauf, seine Lebensgefährtin regelmäßig zu sehen, will er nicht verzichten. Das Problem ist nur: Manuela Haberl wohnt in Österreich, nördlich von Salzburg.

Eigentlich dürfen für die Liebe Grenzen überschritten werden. So steht es zumindest im Bayerischen Ministerialblatt vom 9. April. Bevor Michael Ende Mitte April das erste Mal nach Österreich fahren wollte, hatte er sich genau über die Gesetzeslage informiert. „Ich habe bei der Hotline der Bundespolizei angerufen“, erzählt er. „Ein Beamter der zuständigen Sektion hat mir gesagt, wenn ich in unter 48 Stunden zurück bin, müsste ich anschließend nicht in Quarantäne.“ Mit dieser Zusage machte sich der 45-Jährige guten Gewissens auf den Weg nach Österreich.

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Corona in Bayern: Polizei wirft Verstoß gegen Infektionsschutzgesetz vor

Die Beamtin der Bundespolizei, die ihn am Grenzübergang Laufen/Oberndorf kontrollierte, als er innerhalb der 48-Stunden-Frist zurück nach Deutschland fahren wollte, kannte diese Regelung anscheinend nicht. Sie warf ihm vor, gegen das Infektionsschutzgesetz verstoßen zu haben, beließ es aber bei einer Verwarnung. „Sie hat gesagt, das nächste Mal könne es passieren, dass mich ein Kollege beim Gesundheitsamt meldet“, berichtet Ende. „Ich habe alles ausgedruckt dabei gehabt: das Ministerialblatt, die Bestimmungen von Österreich, die Meldebestätigung der Freundin und die Erklärung der Partnerschaft. Die bayerischen Beamten hat das aber nicht interessiert.“

Über die Bestimmungen bei der Einreise entscheiden in Deutschland die Länder. Das Gesundheitsministerium hat dafür eine Bekanntmachung herausgegeben, die besagt, dass Einreisende von der häuslichen Quarantäne ausgenommen sind, wenn der Aufenthalt im Ausland binnen 48 Stunden endet und ein triftiger Reisegrund vorliegt. Der Besuch des Lebenspartners ist dort ausdrücklich als ein solch triftiger Grund definiert.

Lebenspartner im Ausland besuchen: Gesetzlich erlaubt, doch es kommt zu Problemen

Doch im Alltag gibt es anscheinend häufiger Probleme. Diesen Eindruck hat Michael Ende, weil er Mitglied in einer Facebook-Gruppe ist, in der auch andere binationalen Paare von ähnlichen Situationen berichten – je nachdem welchen Grenzübergang sie nutzten. „Die Beamten müssen entsprechend informiert sein. Das scheint aber nicht zu funktionieren“, sagt Ende. Dass an verschiedenen Übergängen unterschiedlich entschieden wird, könne er nicht nachvollziehen.

„Man liest in dieser Gruppe von Menschen, die seit fünf Wochen ihre Kinder oder Lebenspartner nicht gesehen haben – und das gerade in dieser schweren Zeit.“ Ende fordert eine einheitliche Lösung, die an alle Beamten kommuniziert wird und am besten beidseitig gilt, damit Partner und Kinder unter Auflagen nach Deutschland einreisen können.

Er und seine Freundin bleiben aktuell über Videotelefonate in Kontakt. Demnächst wird er es aber noch einmal probieren – diesmal an einem anderen Grenzübergang, kündigt er an. Er hofft, dass bald Klarheit herrscht. Im Mai feiert das Paar sein Zweijähriges. „Ich bin gespannt, ob wir uns da sehen können“, sagt Ende.

Julian Nett

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