+
Das überlebensgroße Pilsglas hat den Eiskünstlern einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde beschert.

daHome-Magazin

Vergängliche Schönheit

Wer sich auf Lese-Reise durch dieses Heft begibt, wird sehen: Zu den positiven Seiten unserer Heimat zählt auch, dass die Menschen hier etwas bewegen. Viele kleine und große Heldengeschichten spielen sich direkt vor unserer Haustür ab.

Vergängliche Schönheit

Mit ihren Eisskulpturen kommen Thomas und Philipp Tremml überall hin - auch ins Guinness-Buch der Rekorde

Ob Eiswürfel oder fliegender Schwan, meterhohes Weißbierglas oder Auto - vor Thomas und Philipp Tremml ist nichts sicher. Sie bannen alles in Eis. Ihre Eisskulpturen sind der Hit bei Events und Veranstaltungen auf der ganzen Welt. Schon das Wasser-Gefrieren ist eine Kunst Ihre Eisskulpturen, fertigen Vater und Sohn in einer großen Halle in Ismaning. Je nachdem, wie man das Wasser gefriert, wird daraus milchiges oder klares Eis. Fünf bis sechs Wochen dauert es, bis rund 400 Liter Wasser zu einem Eisblock gefroren sind.

Tremml ist gelernter Koch, ständig auf der Suche nach Ideen, wie man ein Buffet schöner gestalten kann. „Tannenzweige, Butter oder Margarine waren nicht so mein Ding“, sagt der 55-Jährige, und so kam er auf Eis. Seine erste Eismaschine hat er aus Schrottteilen zusammengebastelt, einem alten Kompressor und Öltanks. Der erste Auftrag waren Eisstangen für den Bierkeller einer großen Münchner Brauerei und das Nürnberger Bratwurstglöckl. Die von ihm gefertigten Figuren wurden immer anspruchsvoller und ausgefallener, die Kunden international. 

Die Eisskulpturen reisen durch die Welt

Von Beruf „Eiskünstler“: Philipp Tremml fertigt Skulpturen aus gefrorenem Wasser an.

Mittlerweile tritt Sohn Philipp (28) in die Fußstapfen, des Vaters. Vor acht Jahren kam er nach seiner Lehre in den väterlichen Betrieb, dem „Tremml-Iceteam“, zurück. „Die richtige Entscheidung“, meint er. Wenn der gelernte Einzelhandelskaufmann nach seinem Beruf gefragt wird, gibt er an: „Eiskünstler“. Angesichts der Schnitzmesser, Flexgeräte, Kettensägen und Bohrer erinnert das, was er macht, stark an den Beruf des Holzschnitzers. „In Eis ist alles machbar, solange es die Statik hergibt.“ Auch wenn Stahlplatten oder Stahlgewebe als „Unterstützer“ herhalten müssen, stets wird alles von Hand gemacht. Aufträge aus Übersee werden in Trockeneis gepackt und dann wie ein Pake“ am Flughafen aufgegeben. Diverse Tricks haben sich die Tremmls durch Tüfteln beigebracht: etwa die Nachbearbeitung der Skulpturen mit dem Bügeleisen

Eis-Bären überstehen die Zahnradbahn

Rund 2.000 Namen stehen auf der Kunden- und Referenzliste, zu denen so schmucke Namen wie das Sultanat Oman gehören. Dafür fertigte Tremml anlässlich eines edlen Diners für drei Personen im Garmischer Hotel einen lebensgroßen Pfau. Zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt sollte es ein begehbarer Eisraum sein. Eine sechs Meter hohe Pils-Tulpe in St. Moritz bescherte ihm den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Damit nicht genug: Vor zehn Jahren transportierten die Tremmls eine lebensgroße Eisbärenfamilie auf die Zugspitze. „Ich war mir echt nicht sicher, ob die den Transport überlebt.“ Aber schonend in gepolsterten Holzkisten verpackt haben die Bären die Fahrt in der Zahnradbahn überstanden.

Himmelfahrtskommando: Eine Eisbären-Familie transportierten die Tremmls auf die Zugspitze. Tatsächlich überlebte die Skulptur die Reise.

Für das Champions-League-Finale des FC Bayern München gegen den FC Chelsea gossen die beiden Bayern-Fans ein Pokal-Double in Eis. Sie standen bereits vor dem Stadium und warteten auf den Abpfiff , um den Eis-Pokal in die Arena zu bringen. Da verlor der FC Bayern das Spiel doch noch. „Und wir konnten mit unserem Pokal wieder nach Hause fahren“, erinnert sich Tremml. 

Alle Träume zerschmolzen: Zum „Finale dahoam“ fertigten die Tremmls ein Double des Champions-League-Pokals. Doch dann verlor der FC Bayern.

In der Erinnerung bleiben die Eisskulpturen bestehen

Dass ihre Kunstwerke vergänglich sind, macht den Tremmls nichts aus. Es komme doch auf das Einzigartige an. Stehe etwa eine tolle Eisskulptur auf einer Messe, dann erinnern sich die Besucher eher daran als an irgendein anderes Ausstellungsexponat, sagt Thomas Tremml. „Viele meiner Kunden reden heute noch über Dinge, die ich vor 30 Jahren gemacht habe.“ 

Die Skulpturen der Tremmls schaffen es überall hin – auch ins Guinness-Buch der Rekorde.

Sabina Brosch

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Auf frischer Tat ertappt: Zwei Drogendealer in Freising festgenommen
Drogenfahndern sind in Freising zwei Dealer ins Netz gegangen. Der 35-Jährige und seine Komplizin waren schon länger im Visier der Ermittler.
Auf frischer Tat ertappt: Zwei Drogendealer in Freising festgenommen
„Populistischer Zungenschlag“: SPD kritisiert Kritiker der Event-Arena
Die lautstarken Stimmen zur möglichen Event-Arena am Flughafen München werden immer lauter. Jetzt nimmt die SPD die Kritiker des Projekts ins Visier.
„Populistischer Zungenschlag“: SPD kritisiert Kritiker der Event-Arena
Taxler macht Pause: Soldat will mit Taxi abhauen und geht dann auf Fahrer los
Während ein Taxler Pause machte, wollte ein 19-jähriger Soldat mit seinem Taxi abhauen. Als der Fahrer das verhindern wollte, wurde der Autodieb handgreiflich.
Taxler macht Pause: Soldat will mit Taxi abhauen und geht dann auf Fahrer los
Jung und Alt unterwegs mit den Auer Markt-Strawanzan
Hochsaison bei den Gästeführungen in Au während der Sommerferien: Die Markt-Strawanza bieten Erwachsenen und auch Kindern spannende Erlebnisse vor Ort.
Jung und Alt unterwegs mit den Auer Markt-Strawanzan

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

der Inhalt dieses Artikels entstand in Zusammenarbeit mit unserem Partner. Da eine faire Betreuung der Kommentare nicht sichergestellt werden kann, ist der Text nicht kommentierbar.