Eishockey

Darum hat‘s mit den Trainern von Moosburg und Freising nicht mehr geklappt

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Paukenschlag im Landkreis-Eishockey: Der EV Moosburg und die Black Bears Freising haben sich kurz hintereinander von ihren Trainern Dimitri Startschew und Heinz Zerres getrennt. Eine Analyse, warum es mit den beiden nicht mehr geklappt hat.

Freising/Moosburg  – Es war eine Leistung, für die die Bewertung „indiskutabel“ beinahe noch beschönigend klingt: Die Black Bears verloren ihre letzte Heimpartie 2017 gegen den EHC Straubing mit 3:8 – gegen die Schießbude der Liga, die noch kein Spiel gewonnen hatte und zu diesem Zeitpunkt mit 33:138 Toren abgeschlagen auf dem letzten Platz stand. Spätestens nach diesem Debakel war klar, dass Freising Rang fünf in der Landesliga abschreiben kann – und die Tage von Coach Heinz Zerres gezählt sind.

„Wir haben uns zusammengesetzt und intensive Gespräche geführt“, sagt Zerres. „Ich habe den Vereinsverantwortlichen meine Meinung dargelegt und sie mir die ihre.“ Das war am Dienstag vergangener Woche – tags darauf wurde ihm die Entscheidung mitgeteilt. „Wir mussten nach fünf deutlichen Niederlagen einfach reagieren“, begründete Abteilungs-Vize Andreas Sten den Schritt. „Wir müssen den Abstieg in die Bezirksliga unbedingt verhindern, wenn wir die Mannschaft zusammenhalten wollen.“

Für Zerres sind die Gründe für die sportliche Misere offensichtlich: „Ich bin der falsche Coach für den Weg, den der Verein gehen will“, erklärt der 70-Jährige, der in seiner langen Trainerlaufbahn schon in der 1. und 2. Bundesliga und namhafte Klubs wie den Berliner SC, den EHC München oder den Augsburger EV gecoacht hat. Soll heißen: „Wenn der Verein in der Eishockey- Manege auf die älteren Zirkuspferde setzt, dann bin ich nicht der richtige Mann dafür.“

Denn vor allem die erfahrenen Spieler nahm Zerres in die Pflicht: „Sie müssen mehr im körperlichen Bereich tun – zwei Mal in der Woche zu trainieren, reicht nicht aus, um in dieser unheimlich starken Landesliga-Gruppe Erfolg zu haben.“ Er habe sie dazu aufgerufen, abseits des Trainings an sich zu arbeiten – mal drei Kilometer zu laufen oder in den Kraftraum zu gehen. „Wenn ich das aber gesagt habe, gab’s nur lange Gesichter.“ Letztlich spiegle sich das im Saisonverlauf wider: „Im September waren die Akkus noch voll – seit Dezember sind sie leer.“ Wenn dann noch eine Verletztenmisere größeren Ausmaßes dazukomme („einmal hatte ich nur noch acht Leute im Training, die Landesliga-Format haben“), seien Niederlagen vorprogrammiert.

Außerdem hat es zwischen Trainer und Team offensichtlich geknirscht. Ein Beispiel dafür ist wohl Stürmer Felix Kammermeier: „Er hat mir mitgeteilt, dass er Knieprobleme hat und sich im Januar operieren lässt“, berichtet Zerres. „Er war dann beleidigt, wenn ich ihn nicht mehr so oft oder nur in der dritten Reihe eingesetzt habe. Vor fünf, sechs Wochen hat er schließlich bei uns aufgehört.“

Mit ein paar Tagen Abstand blickt Zerres etwas wehmütig auf seine Zeit bei den Black Bears zurück: „Natürlich bin ich ein wenig enttäuscht, dass es nicht geklappt hat. Ich habe gedacht, dass ich hier etwas aufbauen könnte.“ Insgesamt habe es ihm in Freising „gut gefallen, auch das Drumherum hat gepasst“. Doch er könne es nur noch einmal sagen: „Ich war der falsche Trainer für diese Philosophie.“

Geknirscht hat es zwischen Mannschaft und Trainer auch im Landkreis-Norden: Seit vergangenem Samstag ist Dimitri Startschew nicht mehr Coach des Bayernligisten EV Moosburg. „Ich weiß ja, wie das Geschäft läuft“, sagt Startschew. „Bevor ein Verein fünf Spieler rauswirft und durch fünf andere ersetzt, erwischt es halt den Trainer.“ Dafür, dass die Dreirosenstädter nach zuletzt drei Niederlagen in Folge und dem Absturz ans Tabellenende handeln mussten, hat der 47-jährige Dingolfinger, der als Spieler Anfang der 90er Jahre mit dem „Wolga-Express“ des EC Ratingen bis in die DEL aufgestiegen war, allerdings durchaus Verständnis: „Ich möchte ja auch, dass die Mannschaft in der Liga bleibt.“

Leicht hatte es Dimitri Startschew in dieser Saison selten. Zwei massive Verletzungsmiseren musste er überstehen, „im Training erwarteten mich immer wieder neue negative Überraschungen“. So habe er sich auch schwer getan, die passenden Formationen zu finden. Dass der EV Moosburg vom Etat her eher zum unteren Drittel der Liga gehört und deshalb auch keine großen Sprünge machen kann, akzeptierte der gebürtige Kasache zwar, „aber wenn du als Trainer das Optimum willst und du die vorhandenen Lücken siehst, ist das auch nicht immer leicht“.

EVM-Pressesprecher Bastian Amann ist „froh, dass wir im Guten auseinandergehen“. Startschew habe nicht nur bei der „Ersten“, sondern auch zuvor als Coach der damals neu geschaffenen U 23-Mannschaft „sehr gute Arbeit“ geleistet. „Er hat dem Verein in einer schwierigen Phase geholfen – und das vergisst hier niemand“, sagt Amann. Allerdings müsse man auch zugeben, dass es zwischen dem Trainer und dem Team zuletzt nicht mehr gestimmt habe: „Wir hatten ja auch schon vor ein paar Wochen das eine oder andere Gespräch. Danach lautete das Ziel, die Saison gemeinsam durchzuziehen.“ Das sei nach den jüngsten Auftritten und der Tatsache, dass der EV Moosburg für den Kampf um den Klassenerhalt top motiviert sein müsse, jedoch nicht mehr möglich gewesen.

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