„Das tut uns brutal weh!“

Neufahrn - Für fünf Monate hat das Amtsgericht einen Mann (53) in Haft geschickt, weil der seinem Sohn den Unterhalt verweigert. So klar die Entscheidung war, alltäglich ist so ein Urteil nicht.

Der Angeklagte hatte dem Gericht keine Wahl gelassen. Einschlägig vorbestraft und unter offener Bewährung stehend hatte der Angestellte durchaus ruppig darauf bestanden, zuallererst für sich allein verantwortlich zu sein. Wahrscheinlich muss der 53-Jährige insgesamt acht Monate absitzen. Eine Bewährung wird gewöhnlich widerrufen. In diesem Fall kämmen drei Monate hinzu.

Seit Anfang 2011 soll der Angeklagte den Unterhalt über monatlich 250 Euro - von wenigen Ausnahmen abgesehen - behalten haben. Gesetzlich verpflichtet wäre er gewesen, jegliches Einkommen über dem Selbstbehalt (950 Euro) für diese Zahlungen zu verwenden.

Um eine Stellungnahme gebeten, gab sich der von der Polizei vorgeführte 53-Jährige kurz angebunden. Er hätte schon einiges zu sagen, erwiderte er genervt: „Zwecklos!“ murrte er: Die Staatsanwaltschaft sei in ihren Ansichten festgefahren. Nachdem ein erster Prozess geplatzt war, weil der Angesellte nicht zum Termin erschienen war, hatte die Staatsanwaltschaft veranlasst, ihn bereits am Vorabend von der Polizei festsetzen zu lassen. Mit seiner Stimmung war er im Gericht auf einem Tiefstand: „Das klingt ja so, als wäre es so einfach, in meinem Alter einen Job zu finden, der auch für den Unterhalt ausreicht“, fiel ihm jetzt doch noch etwas Passendes ein: Dabei sei er kaum in der Lage, die Miete zu stemmen.

Mehrfach schon war dem 53-Jährigen klar gemacht worden, dass Unterhalt grundsätzlich Vorrang genießt. Der Staatsanwalt erinnerte ihn an vorausgehende Belehrungen, rief ihm ins Gedächtnis, seit dem Urteil 2010 unter offener Bewährung zu stehen. Das sähe er nicht so, widersprach der Angeklagte: „Zuerst kommt der, der das Geld ranschafft. Sonst geht gar nichts!“

Die mit dem gemeinsamen Kind in Neufahrn Mutter (57) hätte das Geld dringend nötig. Ihren Angaben zufolge fehlen bereits 8000 Euro Unterhalt. „Das tut uns brutal weh!“ Weil der Sohn über zwölf Jahre alt ist, fällt Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt weg. Seit über zwei Jahren meidet ihr Ex-Mann zudem jeglichen Kontakt zum Sohn (15). „Unter der angegebenen Nummer ist er nicht zu erreichen.“ Unmittelbar nach seiner Verurteilung 2010 hatte der Angeklagte Unterhaltsansprüche und Kontaktversuche abgewürgt.

Das Gericht verurteilte ihn als Bewährungsversager und hartnäckigen Überzeugungstäter. Anhaltspunkte, dass er Unterhaltszahlungen irgendwann wieder aufnehmen könnte, fehlen dem Gericht gänzlich. Dabei sind Richter eigentlich bemüht, unterhaltsberichtigten Kindern den Zahler zu erhalten.

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