Die meisten Beschäftigten wünschen sich auch künftig mehr Arbeitszeit im Homeoffice.
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Die meisten Beschäftigten wünschen sich auch künftig mehr Arbeitszeit im Homeoffice.

In der Arbeit daheim

Das Homeoffice macht Karriere – oder doch nicht?

Überall da, wo es der Beruf zulässt, arbeiten die meisten Beschäftigten im Homeoffice. Doch was bleibt von der Heimarbeit, wenn die Pandemie vorbei ist?

Die Arbeit wird künftig flexibler – sowohl räumlich als auch zeitlich: Experten prognostizieren das schon seit Längerem. Doch durch Corona hat sich die Entwicklung beschleunigt. Überall da, wo es der Beruf zulässt, arbeiten die meisten Beschäftigten seit den Lockdowns im Homeoffice. Doch was bleibt von der Heimarbeit, wenn die Pandemie vorbei ist?

So sehen es Unternehmen:

Laut einer neuen Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft wollen Unternehmen künftig nicht mehr Homeoffice gewähren als vor der Krise. Das zumindest haben 800 von 1200 Unternehmen bei einer Befragung angegeben, die im vierten Quartal 2020 stattgefunden hat. Die Bereitschaft, sich für mehr Homeoffice zu öffnen, zeigen vor allem große Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten. Diesen Weg geht zum Beispiel Zeppelin. Das Unternehmen mit Sitz in Garching hat im Herbst 2020 eine Betriebsvereinbarung formuliert, die das Arbeiten von zuhause aus ermöglicht, wo es sinnvoll und umsetzbar ist. Zum Homeoffice bekannt haben sich auch Kommunen wie das Landratsamt oder die Gemeinde Neufahrn und die Sparkasse Freising. Laut IHK-Studie streben rund 50 Prozent der Firmen eine hybride Lösung an.

So sehen es Mitarbeiter:

Die meisten Beschäftigten wünschen sich auch künftig mehr Arbeitszeit im Homeoffice. Bei einer Umfrage der Forschungsinstitute IAQ, ZEW und IZA gaben zwei Drittel der Befragten an, nach der Pandemie weiterhin mehrere Tage in der Woche am Heimschreibtisch arbeiten zu wollen. Sie führen dafür die Zeitersparnis durch den Wegfall des Arbeitsweges und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Hauptgründe ins Feld. 63 Prozent sprechen sich auch für einen Rechtsanspruch auf Homeoffice aus, 74 Prozent dieser Befürworter sind Frauen. Gut möglich also, dass Unternehmen flexiblere Arbeitsmöglichkeiten im Portfolio haben müssen, wenn sie Top-Kräfte locken und binden wollen.

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So sehen es Arbeitsmarktexperten:

„Ein Zurück wird es nicht geben.“ Davon ist Arbeitsmarktexpertin Josephine Hofmann überzeugt. „Wir haben zu viel gelernt, was machbar ist, und welche Vorteile es hat“, sagte sie in einem Interview mit dem ZDF-Wirtschaftsmagazin Makro. Denn Arbeitgeber und Arbeitnehmer hätten durch Homeoffice und Digitalisierung viel zu gewinnen. „Wenn die Krise eines gezeigt hat, dann, dass Homeoffice nicht nur ein Wohlfühlthema für Einzelne ist, sondern einen Beitrag zur Krisenresilienz leistet.“

Hofmann betont auch den Nachhaltigkeitsbeitrag der Digitalisierung in Zeiten der Klimakrise: „Ich gehe davon aus, dass Dienstreisen künftig deutlich selektiver und überlegter durchgeführt werden.“ Nikolaus Windisch, Leiter der Arbeitsagentur in Freising, ist ebenfalls überzeugt: „Die Pandemie hat Prozesse in Gang gesetzt oder verstärkt, die sehr wahrscheinlich auch künftig beibehalten werden – zum Beispiel die Digitalisierung.“

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Fünf Homeoffice-Vorteile

  1. Zeitersparnis: Wenn der tägliche Arbeitsweg 10 Meter statt 30 Kilometer beträgt, sparen sich Mitarbeiter Pendelei und Parkplatzsuche, Zeit, Geld und Stress. Auch der CO2-Ausstoß sinkt.
  2. Flexibilität: Wer zu Hause arbeitet, kann sich die Arbeit besser einteilen und damit Familie und Beruf optimal verbinden. Aber: Das Arbeitspensum muss erfüllt werden.
  3. Work-Life-Balance: Homeoffice verbessert die Work-Life-Balance der Beschäftigten, und auch der Arbeitgeber profitiert: Mütter und Väter kehren früher aus der Elternzeit zurück.
  4. Stressreduktion: Arbeitskonzentration und Workflow verbessern sich, wenn die Störgeräusche im Großraumbüro wegfallen –und der Ratsch mit den Kollegen.
  5. Reduzierte Kosten: Der Arbeitgeber kann mittelfristig Büro- und Kantinenkosten reduzieren. Der Angestellte spart sich Kosten für Fahrten und Mittagsverpflegung.

Fünf Homeoffice-Nachteile

  1. Fehlen von sozialen Kontakten: Menschen sind Herdentiere. Zu viel Homeoffice kann zu Vereinsamung führen. Auch die Kommunikation mit den Kollegen wird schwieriger.
  2. Starke Ablenkung: Das Kind schreit, und das Internet verführt zu Pausen: Der Ablenkungsfaktor im Homeoffice ist nicht zu unterschätzen.
  3. Fehlende Motivation: Soziale Kontrolle nervt, Teamwork beflügelt aber auch: Wenn Büro und Mitarbeiter fehlen, kann die Motivation schnell den Bach runtergehen.
  4. Vorurteile: Wer nicht ins Büro kommt, zeigt zu wenig Engagement, hat keinen Karrierewillen und lässt es sich gut gehen. Diesen Vorurteilen wirken klare Absprachen und Ziele entgegen.
  5. Vermischung von Beruf und Privat: Wenn die geographische Distanz zur Arbeit fehlt, vermischt sich Beruf und Privates. Entspannungs- und Ruhezeiten können so verloren gehen.

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