Dauerarrest für "superdreisten" Angeklagten

Freising - Der Prozess scheint den Angeklagten nicht sonderlich beeindruckt zu haben: Vom Freisinger Amtsgericht gerade wegen Rauschgift verurteilt, beging er einen Ladendiebstahl - unter Drogeneinfluss. Das brachte dem 20-Jährigen nun einen Dauerarrest ein.

Er war gerade wegen eines Drogenvergehens verurteilt worden, da eilte der 20-Jährige zum nächstgelegenen Discounter und stärkt sich mit einem schmackhaften Budapester Salat - ohne zu bezahlen. Nun stand der junge Mann erneut vor dem Kadi. Dass „Kunden“ des Amtsgerichts in atemberaubendem Tempo rückfällig werden, gibt es immer wieder. Der Fall des 20-jährigen Azubis aus Attaching aber war schon rekordverdächtig. In den Mittagsstunden des 25. August 2015 bat der Detektiv eines Freisinger Discounters den jungen Mann, seine Taschen zu leeren. Dabei kam ein Budapester Salat zum Vorschein, den der Angeklagte in einem Zustand geistiger Umnachtung an sich genommen haben wollte. Er sei benebelt gewesen, versuchte er jetzt dem Gericht zu erklären. Schuld an dem Zustand sei wohl „dieser Stoff gewesen“, den er sich zuvor reingezogen habe. Richter Boris Schätz fand das gar nicht lustig. Kurz bevor der 20-Jährige seine Schritte Cannabis-benebelt in den Discounter gelenkt hatte, hatte er ihn wegen Drogen verurteilt. Und die Sozialstunden, die Schätz ihm seinerzeit auferlegte, sind noch nicht einmal vollständig abgearbeitet. Der Angeklagte ist ein Kind von Einwanderern. Dass die Eltern sich vor zwölf Jahren getrennt haben, scheint den Jugendlichen aus der Bahn geworfen zu haben. Nach Informationen der Jugendgerichtshilfe wurde eine despressive Erkrankung diagnostiziert. Außer wegen Drogen ist der 20-Jährige wegen Schwarzfahrens und besonders schwerem Diebstahls vorbelastet. Mit dem Budapester Salat brachte er jetzt quasi das Fass zum Überlaufen. Die Staatsanwältin beanstandete ein „superdreistes“ Verhalten. Ihm sei schon klar, dass er Mist gebaut habe, sagte der Angeklagte nun vor Gericht und gelobte Besserung. Offenkundig liebäugele er sogar mit einer Verhaltenstherapie: „Ich weiß, dass ich Hilfe brauche.“ Das Gericht äußerte hier allerdings Zweifel: „Sie werden wegen Drogenhandel verurteilt, spazieren raus, ziehen sich irgendeine Kräutermischung rein und gehen klauen“, resümierte Schätz. Den Azubi verurteilte er daher zu einer Woche Dauerarrest.

Für den Fall, dass er erneut straffällig wird, muss der Attachinger künftig mit deutlich höheren Strafen rechnen. Der Angeklagte ist 20 Jahre und acht Monate alt. Spätestens mit 21 Jahren wird er vom Gericht als Erwachsener behandelt. Der mit Entscheidungen des Jugendstrafrechts verbundene Erziehungsgedanke spielt künftig keine Rolle mehr.

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