Eine FFP2-Maske auf einer Parkbank.
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Sich unbeschwert mit Freunden treffen ist wegen Corona tabu: Nur ein Beispiel von vielen, wie Jugendliche unter der Pandemie-Situation leiden. (Symbolbild)

5. Talkabout der JU Haag-Zolling

Debatte um vergessene Jugend in der Pandemie: „Das holen die nie wieder auf“

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Wie geht es der Jugend in der Pandemie, wie lässt sich wieder Jugendarbeit ermöglichen? Darüber diskutierte die JU Haag-Zolling jetzt virtuell mit einem Experten.

Haag/Zolling – Schulen und Kindertagesstätten, Präsenz- oder Distanzunterricht – seit über einem Jahr beschäftigt sich die Politik in Corona-Zeiten sehr stark damit, wie man sich in der Pandemie aufstellen und wie man verfahren soll. Aber wie es der Jugend geht, wie es mit der Jugendarbeit aussieht – das sei bisher viel zu wenig thematisiert worden.

So zumindest sieht es Matthias Fack, der Präsident des Bayerischen Jugendrings (BJR), der auf Einladung der JU Zolling-Haag an deren 5. virtuellem Talkabout teilnahm. Thema: „Herausforderung Jugendarbeit“.

Ein verlorenes Jahr sind zehn gefühlte Jahre

JU-Vorsitzender Benedikt Flexeder gab die Linie vor: Für Jugendliche sei „jedes verlorene Jahr gefühlt zehn verlorene Jahre“. Diese Einschätzung teilte Fack: Die Politik habe den Auftrag, bei Öffnungen und Lockerungen für alle Jugendlichen Angebote zu ermöglichen. Fack schilderte, was der BJR seit Beginn der Pandemie alles unternommen habe: Am 11. März 2020 habe man den Krisenfall ausgerufen, die damals angesetzte Vollversammlung abgesagt. Der im Zuge des ersten Lockdowns von der Staatsregierung aufgespannte soziale Rettungsschirm sei, so lobte Fack, wirklich gut gemacht worden, der BJR habe für das gesamte Spektrum der Jugendarbeit Empfehlungen herausgegeben, die Mitarbeiter seien ins Homeoffice geschickt worden. Kurz: „Das war ein richtig großer Sack Arbeit.“

Die Belange der Jugend fielen unter den Tisch

Matthias Fack, Präsident des Bayerischen Jugendrings, fordert ein Umdenken.

Doch dann änderte sich das Bild: Irgendwann einmal wurde die Jugendarbeit unter den Bereich Erwachsenenbildung subsumiert, viele Monate wurde fälschlicherweise unterstellt, die Jugendlichen seien Antreiber der Corona-Entwicklung. Über Schulen und Kitas wurde viel diskutiert – wie es der Jugend geht, war aber nie Thema. Was bedeutet es, wenn Jugendliche keinen Kontakt zu Freunden mehr haben, wenn es keine erste Liebe mehr gibt, wenn die Abnabelung von den Eltern unmöglich wird? „Dass bei der Ministerpräsidentenkonferenz eine Stunde über Friseure geredet wurde, aber null Minuten über die Jugend, das hat mich geärgert und zündig gemacht“, gab Fack zu.

Depressionen und Demokratieverzagtheit

Er betonte, dass negative Entwicklungen wie Depressionen und auch Demokratieverzagtheit nicht nur bei jenen Jugendlichen auftreten würden, die eh schon etwas labil seien, sondern auch bei denen, die eigentlich hochaktiv seien. Der BJR, so versicherte er, sei da ein stimmgewaltiges Sprachrohr für die Interessen des Nachwuchses.

Flexeder fasste es so zusammen: Es werde viel über die jungen Leute geredet, aber fast nie mit ihnen. Nach seiner Meinung könne und sollte man die Jugendzentren und die Jugendbetreuer mit Schnelltests ausstatten, um so die Möglichkeit zur Öffnung der Jugendzentren unter Berücksichtigung der Corona-Regeln zu bieten. Fack pflichtete dem bei: Man müsse weg von der Einstellung, dass Jugendarbeit „keine Bildung“ sei. Und Fack nahm auch die Mitglieder des BJR etwas in die Pflicht: Die Jugendabteilungen müssten ihre Erwachsenenverbände etwas drängender „anstupsen“, dass man die Jugendarbeit mehr auf dem Schirm habe.

Bezirksrat Simon Schindlmayr, bis 2012 auch Vorsitzender des Kreisjugendrings Freising, gab sich selbstkritisch: Der BJR müsse die Lobby für die Jugendarbeit auch in der Öffentlichkeit stärken.

Jugendarbeit war nie Infektions-Treiber

Thomas Holst von der CSU Langenbach plädiert für geordnete Rahmen.

Einig war man sich darin, dass Ferienprogramme und Jugendarbeit bisher nie Auslöser von Infektionsgeschehen gewesen seien. Schließlich seien die Konzepte verantwortungsvoll und die Orte sicher. Das bestätigte Thomas Holst aus Langenbach: Es sei doch besser, wenn sich Jugendliche in einem geordneten Rahmen unter Begleitung treffen, als mit 20 Mann hoch heimlich und verbotenerweise im Partykeller Feste feiern. Und Holst erinnerte mahnend daran, dass Abschlussfahrten, Abibälle und andere wichtige Stationen und Erlebnisse im Leben eines Jugendlichen fehlten. „Das tut mir so leid. Da fehlt ein großes Stück der sozialen Entwicklung. Und das holen die nie wieder auf“, so Holst. Er habe großes Verständnis für die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, im Detail seien sie ihm allerdings manchmal unverständlich.

Matthias Fack ergänzte, Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr stünden vielleicht auch deshalb nicht so im Fokus der Politik, weil sie noch nicht wählen dürften. Dass man damit das Thema der Altersgrenze für Wahlen kurz anschnitt, brachte Flexeder auf die Idee, das auch mal bei einem der nächsten Talkabouts der JU Zolling-Haag aufzugreifen.

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